Biber setzt sich am südlichen Greifensee-Ufer fest
Biber nisten sich auch im Zürcher Oberland nahe von Gewässern vermehrt ein. Es dürften mittlerweile weit über 500 Tiere im Kanton zugegen sein. Das intelligente Tier, das bestehende Gewässer wie Weiher, Seen, Flüsse und Bäche für seinen Dammbau nutzt und mit Fällen von Bäumen, Stauungen oder Untergrabungen seinen «Wohnungsbau» betreibt, breitet sich weiter aus.
Die Biberfachstelle des Kantons führt auf ihrer Homepage aus: «In den nächsten Jahren wird die Population voraussichtlich noch weiter steigen, da insbesondere im Süden des Kantons noch nicht alle potenziellen Biberreviere besiedelt sind.»
Neue Biber-Spuren
Im Zürcher Oberland hat sich der Biber mittlerweile rund um den Greifensee und die Glatt in Richtung Dübendorf etabliert. «Aktueller sind n eue Spuren vor allem zwischen Maur und dem Aaspitz zu sehen» , sagte Viviane Magistra von der Greifensee-Stifung im letzten Jahr.
Das bestätigt aktuell auch eine temporäre Anwohnerin. Sie nutzt die Villa Fluh neben der Maurmer Schiffsanlegestelle mit direktem Seeanstoss mit anderen Familienmitgliedern als Sommerresidenz.
Sie vermutet eine Biber-Familie mit Nachwuchs. «Der Biber ist gemäss den Biberschäden, die wir festgestellt haben, wie gefällten Bäumen klar auf unserem Grundstück anwesend.»
Zu Konflikten hat die Biberansiedlung in Maur bisher nicht geführt, zumal die Gemeinde vom neuen Bewohner noch gar nichts gemerkt hat. «Gemäss Auskunft der Abteilung Tiefbau und Sicherheit haben wir bisher noch keine Spuren festgestell» , so Anette Fahrni, Leiterin Präsidiales.
Viele Räume im Oberland
Und es gibt einige Anzeichen, dass die Oberländer Gewässer noch viel Potenzial für den intelligenten Nager bergen. So wurden vor einem Jahr beim Töbeliweiher in Grüningen Biberspuren eines Biber-Paares festgestellt.
Dass der Pfäffikersee, dessen Ufer sich von ihrer naturbelassenen Beschaffenheit her perfekt für den Biber eignen würden, noch nicht stark vom Biber besiedelt ist, hängt mit der relativ schweren Zugänglichkeit zusammen.
Gemäss Biberfachstelle sind stark befahrene Verkehrsachsen das grösste Wander-Hindernis für Jungbiber. Und der Pfäffikersee ist von solchen mit dem Aatal im Süden oder der S-Bahn-Linie im Norden umschlossen.
Dennoch zeigten sich vor zwei Jahren gemäss dem Naturzentrum Pfäffikersee im südlichen Teil vereinzelte Biber-Spuren. Nagespuren bei der Badi Auslikon und Frassspuren entlang des Aabachs lassen darauf schliessen, dass mindestens ein Biber im insgesamt neun Kilometer langen Pfäffiker Seeufer aktiv ist.
Natürlicher Ausbreitungstrieb
Es dürften weitere Oberländer Biberansiedelungen folgen. Denn die Annektion neuer Gebiete liegt dem Tier in den Genen. Die Jungtiere werden nach zwei Jahren von ihren Eltern verstossen und müssen eigene Reviere finden.
Dabei kommt es auch zu Revierkämpfen zwischen männlichen Rivalen, wobei der Verlierer weiterziehen muss. Für den Sieger des neuen Biber-Standortes gilt es eine Partnerin zu finden und Nachwuchs zu züchten, der dann nach zwei Jahren wieder in die weite Welt entsandt wird und neue Gewässer erschliessen muss.
Wie viele Biber aktuell genau wo im Zürcher Oberland leben, soll Anfang 2023 im Rahmen des nationalen Bibermonitorings in allen Details publiziert werden.
Andreas Leisi

