Eine bewegende Geschäftsübergabe in Uster
«Bewegung und Tanz sind meine Leidenschaft und mein Lebenselixier.» Das sagt Esther Feusi, die seit 40 Jahren genau das macht: sich bewegen und tanzen. «Als Verantwortliche von ‹Movity› habe ich stets versucht, Kurse ins Programm zu nehmen, die es nicht schon an anderen Orten gab – und ich sprang auch nicht gleich auf alle neuen Trends auf.»
Wobei, so ganz stimmt das mit den Trends dann doch nicht. Ganz am Anfang, mit 21 Jahren, gab sie ihre ersten Stunden in Aerobic. Damals in den 1980er Jahren war das sehr angesagt. Immerhin war es aber Feusi, die mit Aerobic als erste an der damaligen Bewegungsschule unter der Leitung von Sassa Kol in Uster Fitnesskurse anbot.
Von Niederuster an die Florastrasse
Mit 16 Jahren nahm sie, die seit längerem in Seegräben wohnt, ihren ersten Unterricht bei Sassa Kol. Die begeisterte Jazz-Tanzlehrerin hatte 1976 die erste Ustermer Bewegungsschule gegründet und bot ihre Kurse in einer alten Fabrik in Niederuster an.
Als ausgebildete Gymnastiklehrerin – «heute heisst das Bewegungs- und Tanzpädagogin» – und einer Weiterbildung in afrikanischem Tanz stieg Esther Feusi bei Sassa Kol ein. Sieben Kursleiterinnen schlossen sich später zusammen und gründeten die heutige Movity Bewegungsschule GmbH. Diese bezog 1996 neue Räumlichkeiten an der Florastrasse 42, der einst von Spinnerkönig Heinrich Kunz errichteten Fabrik.
Und dort ist die Bewegungsschule bis heute aktiv. In zwei grossen, hellen Räumen wird getanzt, geturnt, gespielt oder gekämpft. So ist die Palette der Kurse, die Erwachsene, Jugendliche und Kinder bei « Movity » belegen können, sehr breit. Ein Blick aufs aktuelle Programm zeigt, dass neben Flamenco, Tango, Hip-Hop oder Mantra-Tanz auch Zumba, Pilates oder Gymfit Platz haben. Auch Gesundheits- oder Bewegungstraining oder Geburtsvorbereitung gehören dazu. Schliesslich können auch Kung Fu oder kontemplativer Tanz mit Meditation belegt werden.
Bewährte Konzeptänderung
Zeitweise bot « Movity » um die Jahrtausendwende bis zu 40 Lektionen pro Woche an, hatte rund 20 Lehrpersonen angestellt und zählte über 400 Schülerinnen und Schüler.
Nachdem fünf Kursleiterinnen aus der GmbH ausgestiegen waren, führten Feusi und Kol für kurze Zeit gemeinsam die Schule, bis auch letztere sich zurückzog. «Ich wollte die Schule nie alleine führen, doch letztlich traf genau das ein», schaut Esther Feusi zurück.
2011, mit 50 Jahren, stellte sie erneut um. Gegen den Rat von zwei Geschäftsleuten führte sie ein neues Konzept ein: Fortan boten die Kursleiterinnen unter dem « Movity » -Dach ihre Kurse selbständig an und waren damit auch für das Administrative verantwortlich. «Dieses Modell hat sich bis heute bewährt. Es hat mich sehr entlastet, da ich vermehrt meiner therapeutischen Arbeit nachgehen wollte», sagt Feusi
Liebe für afrikanische Klänge
Als Movity-Geschäftsführerin konzentrierte sie sich darauf, für ein vielfältiges und zeitgemässes Bewegungsangebot zu sorgen. Und natürlich bot und bietet sie ihren eigenen Unterricht an. Ihre besondere Liebe gilt afrikanischen Klängen.
Über 20 Jahre war sie Mitglied einer afrikanischen Tanzgruppe, reiste nach Afrika, nahm dort Unterricht und tanzte auf diversen Bühnen in West- und Ostafrika. In dieser Zeit entwickelte sie schliesslich das Afro-Fit, das sie noch heute unterrichtete. «Musik und Bewegung sollen eins sein», unterstreicht sie.
Seit ihrem Einstieg als Bewegungspädagogin hat Esther Feusi sich ständig weitergebildet. Neben der Ausbildung zur Tanztherapeutin absolvierte sie eine Zusatzausbildung in Geburtsvorbereitung und Rückbildung, bildete sich zur Shiatsu-Therapeutin und Handanalytikerin sowie zum empathischen Coach aus.
Konkurrenz viel grösser
Auch das geschäftliche Umfeld veränderte sich massiv. «Die Konkurrenz ist gross geworden.» Neben spezialisierten Tanzstudios sind es vor allem Fitnesscenter, die heute ebenfalls eine grosse Palette an Kursen abdecken.
Und natürlich hat sich die Nachfrage verändert. «Jazz-Tanz oder Steppen sind etwa heute kaum mehr gefragt», konstatiert Feusi. Abgelöst wurden diese Tänze durch eine Vielzahl von Neukreationen. Und auf ihrer Suche nach Nischenangeboten stiess sie auf Tango, Urban Dance, Nia oder auch Kampfkunst.
Und nun, 40 Jahre nach ihrem Einstieg als Bewegungslehrerin, folgt für Esther Feusi wieder ein wichtiger Schritt: Per 1. Oktober übergibt sie die « Movity » -Führung an eine Nachfolgerin. «Damit schliesst sich für mich ein Kreis.» Übernehmen wird Dorothée Däster.
Neue bringt Neues
Die 54-jährige Pfäffikerin, die sich in England, Deutschland und den USA in Rhythmus und Tanz, Tai Chi sowie Yoga ausgebildet hat, verfügt über ein ganz spezielles Steckenpferd: «Contact Improvisation habe ich 1992 in Bern entdeckt und seither hat es mich nicht mehr losgelassen.» Dabei geht es darum, die Choreographie aufzubrechen und in der Bewegung Berührung, Schwer- oder Zentrifugalkraft zu erforschen. «Es gilt, die Grenzen des Körpers im Duett mit dem andern immer wieder neu zu definieren.» Neben diesem Kurs wird sie auch kontemplativen und Mantra-Tanz anbieten.
Eine «getanzte Geschäftsübergabe»: Esther Feusi (rechts) übergibt Movity zu afrikanischen Trommelklängen an Dorothée Däster (links). (Video: Christian Brändli)
«Ich will nicht mehr herumreisen, sondern nun einen Ort haben, wo ich etwas aufbauen kann», umschreibt Däster ihre Motivation zur Übernahme der Bewegungsschule. Sie hat vor, für Intensivkurse in Contact Improvisation beispielsweise über ein verlängertes Wochenende auch Lehrerinnen und Lehrer aus dem Ausland nach Uster zu holen. Zudem möchte sie Yoga oder Einzelcoaching in Bewegung erteilen.
Die neue Geschäftsleiterin ist froh, dass Esther Feusi auch nach der Übergabe noch bei Movity anzutreffen sein wird. So wird sie auch weiterhin einige Kurse leiten und will Dorothée Däster bei der Einarbeitung unterstützen.
