Wenn Pöstler Stefan Schole zwischen halb sechs und halb sieben Uhr morgens seine Tour in Turbenthal beginnt, setzt er sich nicht selten seine Kopfhörer auf und hört Musik.
In seiner Playlist finden sich Rock-Grössen wie Queen, die Rolling Stones, Black Sabbath oder The Who. «Oft höre ich die Lieder, die ich auch in der Band singe», sagt Schole. Auf den Touren für die Post bleibt er aber beim Summen.
Alles fing mit der Geige an
Zum Singen kommt Schole in der Thurgauer Cover-Band «Dinner @ Six», die im März 2020 gegründet wurde – gleich zu Beginn des Lockdowns. «Doch geprobt haben wir ohne Einschränkungen eigentlich immer», gesteht Schole. Da die Band nur aus fünf Mitgliedern besteht sei das rechtlich nie problematisch gewesen.
Ein Zusammenschnitt aus einem Konzert von Dinner @ Six. Quelle: Facebook/Dinner @ Six
Die Musik begleitet den Turbenthaler aber schon viel länger. Seit seiner Kindheit im Bündnerland. «Ich habe vier Brüder und wir alle mussten ein Instrument lernen.» Bei ihm war es bis zum Ende der Sekundarschule die Geige. «Manchmal etwas motivierter, manchmal etwas weniger», sagt er schmunzelnd.
Später kamen Klavier und Gitarre dazu – und Schole spielte während seiner Lehrzeit als Tiefbauzeichner in einer Band zusammen mit seinem älteren Bruder und einigen Kollegen.
Oncle statt Uncle
Als er Ende 80er Jahre aus beruflichen Gründen in den Kanton Zürich zog, war für ihn sofort klar, dass er wieder Mitglied einer Band sein wollte. Leider wurde er auf die Dauer aber nicht glücklich: «Ich verbrachte viel Zeit in Proberäumen, aber sonst ist nicht sehr viel passiert», erinnert sich der Sänger.
Bis ins Jahr 2005. Schole, in der Zwischenzeit Vater von drei Töchtern, gründete zusammen mit einigen Mitstreitern die Band «Oncle Floyd». Das O im Namen sei dabei kein Tippfehler gewesen, betont er. «Wir fanden die französische Schreibweise einfach schöner.»
Es sei eine sehr intensive Zeit gewesen. Er habe viele eigene Lieder geschrieben, viel geprobt und sich zwischen 2007 und 2008 voll auf die Musik fokussiert. «Ich hatte genügen Erspartes und wollte das ein Jahr lang probieren», sagt Schole.
[% part %][% part-1 %][% part %]Die Band spielte bis 2008 über 50 Konzerte und produzierte in dieser Zeit das Album «Traveling Man». Zum Musik-Abenteuer gehörte, dass die Band viele Radio-Stationen anschrieb mit der Bitte, ihre Lieder doch auf den Sendern zu spielen.
Fürs Radio ins Wallis
Ein Erlebnis ist ihm in diesem Zusammenhang bis heute geblieben. «Wir haben auch mit dem Oberwalliser Radio Rottu Kontakt aufgenommen.» Und so habe sich spontan ein Interview-Termin ergeben. «Dann sind wir mit der Band ins Wallis gefahren.»
Doch trotz des grossen Efforts löste sich die Band 2008 auf. «Wir hätten rückblickend den längeren Schnauf gebraucht», meint Schole.
Kurz nachdem das Projekt «Oncle Floyd» vorbei war, begann er mit der Arbeit als Pöstler. Zuerst mit einem 30-Prozent-Pensum, das er stetig aufstockte. Die Musik pflegte er danach nur noch als Hobby – und nur noch sporadisch.
Gelegentlich spielt er Bass in der Kirchenband der katholischen Kirche in Turbenthal. «Und zu Hause stehen auch noch ein Klavier und eine Gitarre herum.»
In der Band und im Chor
Und seit Frühling 2020 ist er wieder als Sänger bei «Dinner @ Six» engagiert. Im Gegensatz zu «Oncle Floyd» spielt die Band nur Covers, keine eigenen Lieder.
Darauf angesprochen, ob es nicht schwierig sei, Grössen wie Queen-Frontmann Freddie Mercury zu imitieren, meint Schole lachend: «Das probiere ich gar nicht, so blöd bin ich nicht.» Er habe seinen eigenen Stil.

