Rosmarie Quadranti, in Ihrem illustren Lebenslauf finden sich viel Erfahrung in Gesellschafts-, Kultur- und vor allem Bildungsfragen – aber keine im Baubereich. Nun wurde Ihnen in Illnau-Effretikon das Hochbauressort zugeteilt. Gehen wir richtig in der Annahme, dass Sie sich etwas anderes erhofft hatten?
Rosmarie Quadranti: Nein. Sie müssen meinen Lebenslauf ein wenig genauer anschauen: In meinen 18 Jahren als Präsidentin der eigenständigen Schulgemeinde Volketswil haben wir vier Schulhäuser und eine Mehrzweckhalle gebaut. Angesichts der anstehenden baulichen Entwicklung von Effretikon bin ich stolz darauf, dieses wichtige und spannende Ressort bekommen zu haben.
Bei Brigitte Röösli sind wir uns sicher: Als Gesundheitsfachfrau sind Sie im Gesellschaftsressort wunschlos glücklich.
Brigitte Röösli: Natürlich ist das Thema Gesellschaft meins. Ich bin in der Jugendarbeit gross geworden, habe dann ins Gesundheitswesen gewechselt und bei der Spitex, im Spital und zuletzt in der Langzeitpflege gearbeitet. Im Sozialbereich habe ich noch nicht viele Kenntnisse – aber es war naheliegend, dass ich die Gesellschaft übernehme.
Die Gesellschaft ist ein sehr weites Feld. Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?
Röösli: Wo soll ich bloss anfangen? Da wäre der Krieg in der Ukraine, die Folgen der Corona-Pandemie oder auch die demographische Entwicklung, in deren Zuge wir vorbereit müssen, dass die Pflege gewährleistet werden kann, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen …
Quadranti: … und schon frech dazwischen geschwatzt: Ist Illnau-Effretikon bereit für die Wohnformen, in denen wir im Alter wohnen wollen?
Röösli: Fühl dich frei Rosmarie, diese Frage betrifft ja auch dein Ressort.
Quadranti: Ich selbst will in meiner Wohnung alt und gepflegt werden. Und wenn ich nicht mithilfe von Exit aus dem Leben scheide, gehe ich nur zum Sterben ins Pflegeheim. Ist die Stadt darauf vorbereitet? Wie können wir städtebaulich verdichten, enger zusammenwohnen und gleichzeitig diesen Bedürfnissen gerecht werden? Da sind der Hochbau und die Gesellschaft eng miteinander verknüpft.
Röösli: Ich sehe Möglichkeiten beim Generationenwohnen – da haben wir in Illnau-Effretikon noch nichts. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir sind hier sehr gut aufgestellt. Doch auch bei Betreuungsformen könnten wir als kleine Stadt eine Vorreiterrolle übernehmen und Lösungen zustande bringen, die die Grossstädte Zürich und Winterthur allein ihrer Dimension wegen nicht gut realisieren können.

