Ustermer Bauernhof ist auf der ganzen Welt am TV zu sehen
Die «Neumatt» sucht man in Uster vergeblich. Und doch liegt der Bauernhof, um den sich in der gleichnamigen Dramaserie von SRF alles dreht, in der drittgrössten Stadt des Kantons Zürich. Oder vielmehr an deren Rand. Und das ist genau der Punkt, wieso er ausgewählt worden ist.
«Wir suchten einen Bauernhof in der Agglomeration», erzählt Producerin Jessica Hefti von der in Zürich ansässigen Firma Zodiac Pictures, die die Serie unter ihrer Leitung produziert. Aus produktionstechnischen Gründen musste er in einem Umkreis von maximal 45 Fahrminuten von Zürich liegen. Und der Hof muss Kühe halten.
Aus über 20 Höfen ausgewählt
Das Team nahm Landkarte und Google Maps zu Hilfe. «Wir haben über 20 Höfe angeschaut», sagt Hefti. Der hier auf dem Tüllacker passte ideal: «Hier stimmt die Gesamtanlage mit den Neubauten und dem Siedlungsrand im Hintergrund. »
«Neumatt» ist die Geschichte einer Familie zwischen Stadt und Land, die um das Überleben ihres Hofes kämpft. Dabei muss sie sich nicht nur mit den Herausforderungen der modernen Landwirtschaft, sondern auch mit ihrer tragischen Familiengeschichte auseinandersetzen.
«Ich wollte nicht im Fernsehen kommen»
Bevor die Fernsehleute aber auf dem Hof drehen konnten, mussten sie zuerst Christoph Steiner überzeugen. Der studierte Agronom ist hier aufgewachsen und hat vor sechs Jahren den Familienbetrieb und vor zwei Jahren zusätzlich den Hof Dietenrain übernommen.
«Zunächst habe ich eher abweisend reagiert», meint der 39-Jährige, «ich wollte nicht im Fernsehen kommen und konnte mir auch nichts vorstellen.» Das Drehbuch habe er nicht gelesen. «Ich dachte, dass das mehr so etwas wie ein Gotthelf-Film wird.»
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15.04.2020

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Vier Jahre nachdem die ehemalige Pächterfamilie den Hof Dietenrain verlassen musste, übernimmt ei Beitrag in Merkliste speichern «Doch die TV-Leute versprachen mir die heile Welt», weshalb er schliesslich eingewilligt habe. Tatsächlich sei es betrieblich bisher immer gut gelaufen. Nur in den letzten beiden Wochen habe es kleine Kollisionen gegeben. «Aber das ist alles eine Organisationsfrage.»
Da vor kurzem auch nachts gedreht worden war, wurde die Familie sogar vorübergehend ausquartiert. So konnte sie ungestört schlafen. Der Stall sei jetzt im Sommer ohnehin leer, da er die Kühe auf der Weide habe.
Fremde Kühe
Diese sind in der Serie übrigens nicht zu sehen, da Steiner seinen Betrieb auf Bio umgestellt hat. Offenbar passen da die Ustermer Kühe nicht ins Bild, da die «Neumatt» konventionell betrieben wird. Und so wurden für die erste Staffel extra Kühe aus dem Thurgau nach Niederuster gekarrt. Die Kühe in der zweiten Staffel haben nun eine kürzere Anreise: Sie kommen vom nahen Pfannenstil.
Auch wenn Steiner nie in der Serie zusehen ist, auf dem Set ist er oft präsent. Rund 20 der insgesamt 70 Drehtage pro Staffel ist das Fernsehteam auf seinem Hof. Und dann stellt er auch mal Utensilien im Hintergrund bereit oder muss den Traktor in Position bringen. «Das Team hat viele Wünsche. Und diese ändern alle fünf Minuten», scherzt er. Und vor allem wenn das Team jeweils wieder abzieht, hat er viel zu tun. «Dann musst Du alles suchen. Ich wusste gar nicht, was sie alles auf den Kopf stellen können.»
Keine unerwünschten Besucher
Doch das Team nehme Rücksicht auf seine Bedürfnisse, schliesslich will Steiner auf dem Betrieb durch die Drehaufnahmen auch keine Einbussen erleiden müssen.
Nach einem Zögern auf die Frage, ob er wieder Ja sagen würde, meint Steiner: «Ja, doch. Allerdings bin ich letzten Herbst während der Dreharbeiten doch an meine Grenzen gekommen, da meine Arbeiten gleichzeitig auf dem Hof stattfanden. Jetzt im Sommer ist das einfacher.»
Aus der unmittelbaren Umgebung hat er einige Reaktionen auf den Film erhalten. Im Kollegenkreis sei der Fakt, dass sein Hof im Fernsehen zu sehen ist, aber nicht gross angesprochen worden. Und er musste bisher auch noch keine «Neumatt»-Fans von seinem Hof vertreiben.
Er selbst hat die erste Staffel auch erst kurz vor der offiziellen TV-Ausstrahlung gesehen und sie sich in zwei Durchgängen reingezogen. «Es ist interessant zu sehen, wie der Film gemacht wird und was am Schluss dabei rauskommt.»
Ein Tag für sieben Minuten
An diesem Tag vor einer Woche, es ist der 58. Drehtag für die zweite Staffel, werden Aufnahmen für die letzten beiden Folgen geschossen. 30 Leute sind beschäftigt, vom Beleuchter bis zum Schauspieler. Pro Szene braucht es bis zu zwei Stunden. In den zehn Stunden, die das Team täglich arbeitet, entstehen jeweils Aufnahmen, die im Film gerade einmal fünf bis sieben Minuten ausmachen werden.
Angesagt ist jetzt ein Fest auf dem Hof. Unter dem grossen Baum vor dem Wohnhaus stehen ein gedeckter Tisch und ein Kinderwagen. Daneben sitzt Jérôme Humm, der in der Serie Lorenz Wyss verkörpert. Und ein grosser Reflektor wird zurechtgerückt. Schliesslich soll die Szene im richtigen Licht daherkommen.
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Im «Western Saloon» in Wetzikon ereigneten sich am Donnerstag dramatische Szenen. href=”/flag/flag/np8_favorites/3231208?destination=batch&token=QH3grtZyjlNCWiDSxFOtg5Gm0kmn1vPRkEpGIkocsIE” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-3231208 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern Die Innenaufnahmen des Bauernhauses sind übrigens nicht in Uster entstanden. «Das ist uns hier zu modern. Wir sind auf ein Haus in der Nähe des Türlersees ausgewichen», meint Producerin Hefti.
Innenaufnahmen aus Uster gibt es dafür von der Püntturnhalle. Der Wetziker «Saloon» dient als Dorfbeiz. Und das Greifenseeufer, das nur einige hundert Meter von Steiners Hof entfernt liegt, ist in einigen Sequenzen ebenfalls zu sehen.
Bereits wird die dritte Staffel entwickelt
«Neumatt» ist die Geschichte einer Familie zwischen Stadt und Land, die um das Überleben ihres Hofes kämpft. Unter der Leitung der Producerin Jessica Hefti und den Produzenten Reto Schaerli und Lukas Hobi wird die Dramaserie von der Zodiac Pictures Ltd. («Die Göttliche Ordnung», «Papa Moll», «Gotthard») produziert.
Die Drehbücher basieren auf einer Idee von Petra Volpe («Die Göttliche Ordnung»). Die Hauptrollen spielen Julian Koechlin, Rachel Braunschweig, Sophie Hutter und Jérôme Humm. In einer Nebenrolle ist in der ersten Staffel auch der in Uster geborene Roeland Wiesnekker zu sehen.
Gedreht wurde die erste Staffel, die acht Teile umfasst, von August bis Dezember 2020 in der Stadt Zürich und im Zürcher Oberland. Sie wurde auf SRF im vergangenen September und Oktober gezeigt. Mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 35,2 Prozent erreichte sie sehr gute Werte. Netflix hat die erste Staffel eingekauft. Damit ist das Familiendrama als erste Schweizer Serie in 190 Ländern gelistet und wird in 30 Sprachen verfügbar sein. «Insbesondere in Südamerika kommt diese Geschichte gut an», weiss Producerin Hefti.
Noch bis Mitte Juli wird die zweite Staffel aufgenommen. Diese dürfte Ende Februar/Anfang März 2023 auf SRF und Play Suisse ausgestrahlt werden. Und bereits ist das Team laut Hefti am Entwickeln der dritten Staffel: «Wir hoffen sehr, dass wir die Geschichte noch weitererzählen können.»
