Auf die Kirche soll nun der Staat folgen
14’300 Franken, verteilt auf drei Jahre: Es ist ein kleiner Betrag, den der Gemeinderat von Hittnau an seiner Sitzung gesprochen hat. Doch er könnte in der Endabrechnung noch sehr wichtig werden.
Derzeit liegt bei allen Exekutiven des Bezirks ein Antrag des Zweckverbands Soziales auf dem Tisch. Dieser sieht im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts die Schaffung eines Beratungsangebots für Jugendliche und junge Erwachsene vor. Der Start wäre auf den 1. Juli 2023 an einer Lokalität in Pfäffikon vorgesehen, das Pensum auf 80 Prozent und die gesamten Kosten auf 360’000 Franken veranschlagt. Der Betrag soll nach einem gewichteten Verteilschlüssel auf die zehn Gemeinden verteilt werden.
Die Krux: Eine Mehrheit der Gemeinden muss den Antrag gutheissen. Bis dato haben Illnau-Effretikon, Lindau, Russikon und Hittnau grünes Licht gegeben, Wila und Weisslingen haben ihn abgelehnt. Ergo müssen mindestens zwei der noch ausstehenden Rückmeldungen aus Pfäffikon, Fehraltorf, Bauma und Wildberg positiv ausfallen.
Wenn die Kirche sich zurückzieht
Damit könnte eine gesellschaftlich durchaus problematische Lücke geschlossen werden. Fast 30 Jahre lang hatte der Kirchliche Verein für Jugendberatung Region Pfäffikon diese Aufgabe in der Region wahrgenommen. Doch seit sich dieser sich im Zuge der Pensionierung der zuständigen Therapeutin im Juli 2020 aus finanziellen Gründen aufgelöst hat, liegt das Feld brach – auch weil sich die Gemeinden damals nicht auf eine Beteiligung einigen konnten.
Der Anstoss für einen neuen Anlauf ist aus der Konferenz der Sozialvorstände der Gemeinden gekommen. Diese setzte zwei Arbeitsgruppen ein und fragte schliesslich den Zweckverband Soziales des Bezirks Pfäffikon an, ob er sich der Ausarbeitung und der Bereitstellung eines Angebots annehmen würde. Im April verschickte dieser seinen Antrag an die Gemeinderäte.
«Wir verzeichnen eine grosse Zunahme bei den Beistandschaften für junge Erwachsene», sagt Iwan Hubschmid, seines Zeichens Geschäftsleiter vom Sozialdienst des Bezirks Pfäffikon. Mit dem geplanten Beratungsangebot wolle man dieser beunruhigenden Entwicklung vor allem präventiv begegnen. Wie virulent das Problem ist, zeigt sich bei der Nachfrage zur Konkretisierung: «Die Anzahl der Fälle ist in den letzten fünf Jahren von Null auf 61 gestiegen.»
