Das Kulturgelage Uster stand unter dem Zeichen der Zusammenkunft
«Auch die Kultur ist systemrelevant», sagte die Barbara Thalmann (SP) am Samstag auf dem Zeughausareal. Die Ustermer Stadtpräsidentin liess es sich nicht nehmen, am 10-Jahr-Jubiläum des Kulturgelages persönlich vor Ort zu sein.
Rund 50 Kunst- und Kulturschaffende wohnten dem Anlass bei. «Es ist schön, dass wir uns nach zwei Jahren ohne Corona-Massnahmen hier treffen können», meinte Thalmann. Zumal die Kulturbranche von der Pandemie schwer gebeutelt worden sei.
Überprüfung der Schwerpunkte
Der Anlass, der jährlich stattfindet und jeweils verschiedene Schwerpunkte im Fokus hat, stand dieses Jahr unter dem Zeichen der Zusammenkunft.
«Wir müssen uns fragen, wo wollen wir hin?»
Barbara Thalmann, Ustermer Stadtpräsidentin
«Der Austausch ist wichtig. Wir müssen uns fragen, wo wollen wir hin, sind wir auf dem richtigen Weg, wo müssen wir etwas justieren?», erklärte die Stadtpräsidentin.
Als Wegweiser dafür gilt das im April vor zwei Jahren gerade zu Beginn der Corona-Pandemie verabschiedete «Kulturkonzept 2020 bis 2028». In einem Bottom-Up-Prozess mit engagierten Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft wurde es an drei Kulturgelagen entwickelt und umfasst unter anderem folgende sechs Schwerpunkte:
- Uster als regionales Zentrum und Anziehungspunkt für Kunst und Kultur
- Realisation Kultur- und Begegnungszentrum Zeughaus
- Entwicklung eines Kulturbudgets
- Schaffung guter Bedingungen für Kulturproduktionen und Kreativwirtschaften
- Förderung der Vermittlung, Teilhabe und Breitenkultur
- Unterstützung der Kultur in Nischen und in den Quartieren
«Nach der Verabschiedung des Konzepts hat sich die Welt in den letzten 48 Monaten geändert», sagte Christian Zwinggi, Kulturbeauftragter der Stadt Uster vor dem Anlass. «Deshalb geht es heute auch darum, die Schwerpunkte allen in Erinnerung zu rufen und zu eruieren, ob wir bei der Realisation Anpassungen vornehmen müssen.»
Während einer Stunde konnten die Anwesenden in Gruppen auf Flipcharts ihre Punkte zu den jeweiligen Themenkomplexen notieren.
Speeddating zur Aktivierung
Dies, nachdem zuvor an einer langen Tafel ein Speeddating stattgefunden hatte. Während rund dreiminütigen Gesprächen wurden Fragen wie «Was ist für Dich Kunst?», «Was war Dein letzter Kulturanlass in Uster?» oder «Was wünschst Du Dir in Zukunft für die Kultur in Uster?» beantwortet.
Zur letzten meinte Jérôme Weber von der Freien Bühne Uster: «Ich wünsche mir, dass die Leute wieder so zahlreich zu Veranstaltungen kommen wie vor der Pandemie.» Er könne sich zwar nicht beklagen, hätten sie doch letzten Herbst ohne Einschränkungen gut besuchte Aufführungen gehabt. «Aber man merkt, dass die Leute doch zurückhaltender sind. Oder sich in der Pandemie ihr Ausgeh- und Konsumverhalten geändert hat.»
Zentraler Anlass für Ustermer Kulturszene
Was hat sich gerade unter dem Gesichtspunkt der 10. Ausführung des Kulturgelages in Uster geändert? «Die Kultur ist in der Stadt zum Thema geworden», sagt Fernand Schlumpf.
«Wir sind untereinander näher zusammengerückt, reden miteinander. Und wissen plötzlich auch viel mehr, was es links und rechts noch neben den eigenen Veranstaltungen gibt», führt der Vizepräsident des Swiss Jazzorama aus. «Wir wären nicht dort, wo wir heute sind, ohne Kulturgelage.»
«Mit dem Kulturgelage haben wir einen Ort der Vernetzung und Partizipation geschaffen.»
Christian Zwinggi, Kulturbeauftragter Stadt Uster
Ähnlich sieht es auch Christian Zwinggi: «Wir haben einen Ort der Vernetzung und Partizipation geschaffen.» Letztere sei zentral in seinen Augen und müsse deshalb so auch unbedingt weitergeführt werden. «Ich habe allerdings gehört, dass es Einige gibt, die das Workshop-Format leid sind.» Man müsse sich also überlegen, ob man in Zukunft so weitermachen wolle, oder ob Anpassungen bei der Methode angebracht seien . «Allerdings werden durch das aktuelle Format halt auch Ergebnisse gesichert.»
Und in der Tat, nach dem rund dreistündigen Anlass sind alle Flipcharts vollgeschrieben. «Ich bin sehr begeistert», meinte denn auch Barbara Thalmann. Ebenfalls ein positives Fazit zogen neu anwesende und sofort integrierte Akteure, wie beispielsweise Anaïs von Holleben-Peiser, Leiterin der Bechtler Stiftung. Diese hat mit der kürzlichen Eröffnung neuer Kunsträumen im Zellwegerpark sowohl für die Stadt als auch die Region ein kulturelles Begegnungszentrum internationaler Bedeutung ins Leben gerufen.
