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Bush zeigt Humor – und glänzt am Freitag bei Rock the Ring

Der zweite Tag bei Rock the Ring in Hinwil lockt mehr Zuschauer an. Diese werden für ihr Kommen mit herausragenden Konzerten von Bush und Foreigner belohnt.

Bush zeigt Humor – und glänzt am Freitag bei Rock the Ring

«Hey» –  ein Wort zur Begrüssung, viel mehr braucht es an diesem Freitagabend um viertel nach Acht von Gavin Rossdale nicht. Sofort zerreissen die Schläge auf dem Schlagzeug der Band die angespannte Stille. Und Bush beginnt sein Konzert.

Es soll eines der ganz grossen Highlights des zweiten Tages am Rock the Ring werden – Gänsehaut-Momente inklusive

Dabei war am Nachmittag noch gar nicht klar, ob die Band ihren Auftritt auch wirklich pünktlich würde beginnen können.

Wo ist der Bush-Sänger?

Um halb Vier hätte Rossdale, der Frontmann der britischen Band, nämlich zum Interview mit dieser Zeitung erscheinen sollen. Doch keine Spur vom 57-Jährigen.

So vergehen gut zwei Stunden, bis es dann plötzlich heisst: Rossdale ist da, und er hat jetzt Zeit. Wir werden hinter die Bühne in den Backstage-Bereich des Festivals auf dem Hinwiler Betzholzkreisel begleitet. Im Gebäude des TCS –  der hier, wenn nicht gerade tausende Rockfans das Gelände stürmen, ein Trainingszentrum betreibt –  sind die Dressingrooms der Band.

Allerdings heisst es erneut: Warten. Es müsse nochmal mit dem Sänger geschaut werden, ob er denn jetzt wirklich zur Verfügung stehe und nicht noch schnell duschen wolle. Die Minuten gehen ins Land. Nach einer gefühlten Ewigkeit dürfen wir endlich zu ihm. Doch zu früh gefreut: «Wir müssen erst fragen, ob für ihn auch ein Interview mit Video in Ordnung ist.» Ist es.

Probleme mit dem Flug

Und da, der Brite verlässt seinen Nightliner. Schreitet über den Asphalt. Das schulterlange schwarze Haar weht bei jedem Schritt, den Rossdale macht.

Was war denn aber nun der Grund für die Verspätung? «Oh, Swissair».

Nun ja, die gibt es bekanntlich seit gut 20 Jahren nicht mehr. Aber ja, die Fluggesellschaft sei schuld.

«Ich wollte unbedingt dieses Interview mit euch machen und habe deshalb dem Piloten gesagt, er solle schneller fliegen», scherzt der Superstar.

Der Federer-Freund

Vor fünf Jahren spielte Bush zuletzt in der Schweiz, es war ein Konzert im Komplex in Zürich. Was sind denn seine Erinnerungen an die Schweiz?

« Ich habe eine grosse Vergangenheit und einige Freunde hier in der Schweiz, die ich ab und an sehe. »
Gavin Rossdale, Bush-Frontman 

Der Sänger lehnt sich ans Geländer, lässt den Blick kurz ins Grüne schweifen, ein tiefenentspanntes Lächeln huscht über seine Lippen. «Ich habe eine grosse Vergangenheit und einige Freunde hier, die ich ab und zu sehe. Ich bin also sehr vertraut mit der Schweiz. Es ist einfach wunderschön hier.»

Und der 57-Jährige muss es wissen. Als enger Freund der Schweizer Tennis-Ikone Roger Federer, genoss er 2014 mit dem Maestro persönlich und dessen Ehefrau Mirka Ferien im Bündnerland.

Damals weilte auch noch die Sängerin und Schauspielerin Gwen Stefani, mit der er drei Söhne hat, an der Seite des Gitarristen und Komponisten.

Bush liefert – die Fans bleiben stumm

Die Band Bush, die in den USA und Europa Millionen von Tonträgern verkauft hat, lancierte ihre Karriere 1994 mit dem Debütalbum «Sixteen Stone». In Hinwil beweisen die vier Jungs heute, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Ihr Sound, der in den 1990-er Jahren aufgrund diverser Ähnlichkeiten zu Nirvana noch dem Grunge-Genre zugeordnet wurde, ist melodiös, nachdenklich, melancholisch. Das Konzert ist eine gute Mischung alter und neuer Songs – 2020 erschien mit «The Kingdom» das letzte Album.

Während der Show greift Gavin Rossdale mal selbst in die Gitarrensaiten, mal lässt er sich auf den Boden fallen, rutscht auf Knien über den Bühnenboden.

Nur die lautstarke, gesangliche Unterstützung der Fans wird vermisst – besonders, als der Bush-Sänger solo mit «Glycerine» einen der grössten Hits der Band spielt. Eigentlich sollte der Song ja rundum bekannt sein, trällerte ihn doch sogar auch Homer in einer «The-Simpsons»-Folge als abgewandeltes Liebeslied für seine geliebte Marge («Margerine»).

Auch mutet es schade an, dass die Sonne noch nicht ganz hinter dem Horizont verschwunden ist, damit die Fans mit Feuerzeugen ein Lichtermeer entstehen lassen könnten.

Foreigner holt die 80er zurück

Ein Meer Fans versammelt sich nach Bush für den Hauptact des Abends: Foreigner lässt die 1980-er und 1990er Jahre musikalisch auferstehen.

Mit Songs wie «Urgent», «Waiting For A Girl Like You» oder natürlich dem Nummer-Eins-Hit «I Want to Know What Love Is» –  bei dem erstmals an diesem Festival das Publikum lautstark zu hören ist und die Feuerzeuge zu sehen sind – zählt die britisch-amerikanische Band zu den Urgesteinen der Hard-Rock-Szene.

1976 gegründet, befindet sich auch nur noch ein Gründungsmitglied in der Band: Gitarrist Mick Jones. Der wird für einen Song sogar noch extra auf die Bühne geholt.

Rund 6000 Besucherinnen und Besucher lassen sich in ihren Bann ziehen. Damit freuen sich die Organisatoren über 2000 Zuschauer mehr als noch am Donnerstag. Und in der Tat, das Gelände wirkt schon zu früherem Zeitpunkt deutlich voller.

Abgeschiedene Idylle auf dem Zeltplatz

Weniger voll ist hingegen das Campingplatzgelände. Bei einem Abstecher am frühen Nachmittag sind rund 20 Zelte zu erspähen. «Dinu» und Beat lassen es sich im Schatten gut gehen. In aller Seelenruhe sitzen die beiden Mittfünfziger in ihren Klappstühlen am Rande einer Wiese, die Kühltruhe zu ihren Füssen. «Wir müssen aufpassen, dass das Bier nicht irgendwann warm wird», sagt Dinu in breitem Berndeutsch.

Das Campinggelände wirkt ruhig, idyllisch. «Es ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei», meint Beat. Allerdings habe die Ruhe auch ihre Vorteile: «Hier musst du nicht Anstehen, um aufs Klo gehen oder unter die Dusche hüpfen zu können.» Zudem hätten sie ja ihren Gasgrill dabei. «Irgendwas muss man hier ja machen, wenn schon keine Party läuft.»

Eine «giftige» Party soll dann samstags der Abschluss am Rock the Ring werden. Dann wird Altrocker Alice Cooper die Bühne betreten.

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