Rock, Glam – und ein bisschen Sexismus am ersten Tag Rock the Ring
« Welcome Zurich, thanks for having us » , schreit Michael Starr kurz nach halb Acht am Donnerstagabend ins Mikrofon. Nur ist er nicht in Zürich, sondern in Hinwil – auf der Bühne des Rock-the-Ring-Festival.
Gemeinsam mit seiner Glam-Rock-Band Steel Panther rockt der 57-jährige Amerikaner als zweiter Act das Openair.
Viel Bling Bling
Lange wallende Haare, Stirnbänder, Spandex Leggings im Zebra Look sowie jede Menge Glitzer und Bling Bling gehören zum Markenzeichen der Band, die im Jahr 2000 gegründet wurde.
Bei drückend heissen Temperaturen, versucht sie das bisweilen lethargische und vorwiegend ältere Publikum von den Hockern zu reissen. Das scheint auch zu gelingen. Denn tatsächlich finden sich vor der Bühne nicht wenige mit Glitzer-Leggings und Perücke, die von den Gitarrenriffs in Ekstase versetzt werden.
Wo ist die Grenze?
Die Rocker aus den Staaten, die an der 7. Auflage des Rock the Ring auftreten, welches aufgrund der Corona-Pandemie die letzten zwei Jahre hatte abgesagt werden müssen, geben ihre Hits zum besten. In ihren Texten, das wird schnell deutlich, ist Steel Panther über alle Massen versaut.
« Die Jungs sind ja für ihre Art berühmt und eigentlich mega lieb, das ist so ein bisschen ihr Charme. »
Lea, Steel-Panthers-Fan aus Österreich
Und auch zwischen den Songs dient das Mikrofon als Phallus-Ersatz, wird das eigene Gemächt präsentiert oder jedwede sexuelle Eskapade breitgetreten. Überzeichnete Karikaturen, Persiflagen für die einen – Grenzüberschreitung oder gar sexuelle Belästigung für die anderen.
Der berühmte Charme
Während des Songs « Weenie Ride » holt Starr eine junge Frau, Lea, auf die Bühne. Zu Songzeilen wie
« I‘ll take your ass for a weenie ride / Spread your cheeks and swallow your pride / It‘s scary like a roller coaster / It will stretch you out so wide »
schmiegt sich der Sänger an die Österreicherin. Ist das einfach Rock‘n ‘ Roll? Gehört sich das noch, im J ahr 2022?
Lea aus Österreich durfte mit @Steel_Panther auf die Bühne. Und die US-amerikanischen Rocker gingen ziemlich auf Tuchfühlung. Wie hat sie den Auftritt erlebt? Wir haben nachgefragt. #rockthering pic.twitter.com/jJNicktarK
— Züriost – Immer da. Immer nah. (@zueriost) June 16, 2022
Nach dem Konzert wird die Anfang 20-Jährige sagen, dass es « ein super Erlebnis war » . Sei sie sich nicht sexualisiert oder gar belästigt vorgekommen? « Nein, gar nicht. Die Jungs sind ja für ihre Art berühmt und eigentlich mega lieb, das ist so ein bisschen ihr Charme. » Da hätte überhaupt nichts Sexistisches oder Gemeines dahinter gesteckt.
Frauen auf der Bühne
Ähnlich sieht es auch das weibliche Publikum an diesem Abend. « Das wird einfach überdramatisiert » , sagt eine. « Wer das nicht will, muss ja nicht auf die Bühne und soll sich davon distanzieren » , meint eine andere.
Das geht zu weit, Steel Panthers!
17.06.2022

Der Leadsänger der Band Steel Panthers kam einer Festivalbesucherin am Rock the Ring fragwürdig n Beitrag in Merkliste speichern Nach einem Song war Lea immerhin nicht mehr alleine. Zu « 17 Girls In A Row » liessen es sich die Steel Panthers nicht nehmen, eine ganze Horde Frauen auf die Bühne zu lotsen – etwas was den Organisatoren im Lineup dieses Jahr wieder nicht gelungen war.
Kleine technische Probleme
Überhaupt schien nach zwei Jahren Unterbruch noch nicht ganz alles rund zu laufen. Der Auftakt der Hard-Rock-Band Thunder verzögerte sich um rund eine Viertelstunde und beim ersten Song der Steel Panthers hatte jemand zu Beginn vergessen, Michael Starrs Mikrofon einzuschalten.
Bildeten sich den ganzen Abend über kaum Schlangen am Eingang, so wirkte auch bisweilen das Festivalgelände etwas leer. Und wer früh kurz nach Einlass den Betzholzkreisel betrat, suchte schnell eines der wenigen schattigen Plätzchen – unter dem Riesenrad oder hinter Absperrungen.
Gut gelaunte Fans, positiv gestimmte Veranstalter
Die Freude bei jenen, die da waren, war dennoch zu spüren. « Es ist voll der Hammer, wieder da zu sein » , sagte ein Fan.
Nach zwei Jahren Pause meldet sich das #RocktheRing wieder zurück.🤘Auf was sich die Besucher am meisten freuen, erfahrt Ihr in diesem Video. pic.twitter.com/OnwSFhcJid
— Züriost – Immer da. Immer nah. (@zueriost) June 16, 2022
« Der Festival- und Konzert-Alltag ist wieder zurück, das haben wir schon sehr vermisst. » Es sei schön, dass Corona endlich vorbei sei.
Ein positives Fazit am Ende des ersten Abends zog auch Mediensprecher Markus Simmen. « Endlich können wir wieder spielen » , sagte er, « es hat auch keine besonderen Vorkommnisse gegeben. » Das bestätigte ebenfalls die Polizei vor Ort. « Es war ein ruhiger Abend mit kleineren Blessuren, nichts Spezielles. »
Knapp 4000 Leute wohnten dem Auftakt des Rock the Ring bei. « Das entspricht unseren Erwartungen » , erklärte Simmen. « Wir freuen uns auf die nächsten zwei Tage, die sicherlich auch genial werden. » Die Leute wollten endlich wieder Party machen. « So viele zufriedene und glückliche Menschen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. »
The Hives machen den Abschluss
Zufrieden dürften die noch verbliebenen Zuschauer nach Mitternacht auch gen Bett geströmt sein. Nach dem beeindruckenden Auftritt der australischen Heavy-Metal-Band Airborne, die die Mainstage zum Kochen brachte, folgte mit The Hives der Hauptakt des Abends.
Und die Schweden-Rocker überzeugten – mit Stil und Klang.
Der Skandinavien-Export, stets in massgeschneiderte schwarz-weisse Anzüge gekleidet, schaffte den Durchbruch Anfang der 2000-er Jahre mit dem Album « Veni, Vidi, Vici » . 2006 wurde die Alternative-Band vom renommierten Spin-Magazin gar zur besten Live-Band der Welt gekürt.
Zwar hatte sich nach Airborne das Gelände merklich geleert, doch nichtsdestotrotz schaffte es der Frontmann von The Hives, Pelle Almqvist, unter dem Hinwiler Nacht- und Sternenhimmel sowie dem Leuchten der Scheinwerferblitze, das restliche Publikum in seinen Bann zu ziehen.
Am Freitag versuchen das dann die Schmuse-Rocker von Foreigner. Es werden definitiv weichere Klänge über dem Betzholzkreisel schweben als noch am Donnerstag.
