Wie Mönchaltorf seine Chilbi rettet
Die Gemeinde Mönchaltorf ist in etwa das, was man sich unter einem kleinen Schweizer Durchschnittsdorf an der Peripherie vorstellt. 4115 Einwohnerinnen und Einwohner, einen Löwen-Gasthof im Zentrum, rundherum viel Grün und etwas Industrie im Süden.
Ein beschaulicher Ort, an dem man sich kennt. Dafür sorgen nicht zuletzt die 43 Vereine, die es hier auch im Jahr 2022 noch gibt.
Dennoch ist Mönchaltorf nicht von der Welt. Das gesellschaftliche Phänomen, dass sich immer weniger Leute finden lassen, die bereit sind, in diesen Vereinen ehrenamtliche Arbeit zu leisten, hält auch hier Einzug.
Chilbi und Klemens-Märt auf der Kippe
Das wiederum hat inzwischen spürbare Konsequenzen fürs Dorfleben: Mit der Chilbi und dem Klemens-Märt haben zwischenzeitlich zwei beliebte Traditionsanlässe vor dem Aus gestanden. Ersterer hat mit Personalmangen zu kämpfen, letzterer ist mit der Auflösung des Frauenvereins die Trägerschaft abhandengekommen.
Durch diese Meldungen aufgerüttelt, hat die Gemeinde eine Arbeitsgruppe «Zukunft der Dorfanlässe» gebildet, die Bevölkerung um ihre Meinung gefragt und sich mit Vereinsvertretern an einen Tisch gesetzt. Das Resultat: Ein Dorfverein soll sich der Organisation annehmen und ein Dach bieten, unter dem sich sowohl natürliche als auch juristische Personen gegenseitig vernetzen und unterstützen können.
«Unsere Startschussveranstaltung war zwar etwas kurzfristig angesetzt worden, dennoch sind gut 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Vereinen, Politik und Gewerbe gekommen», bilanziert Bruno Iseli, der Präsident des neu gegründeten Dorfvereins Mönchaltorf.
Männerriege und Musikverein schon an Bord
Der Leiter Sponsoring des lokalen FC macht sich nun mit seinen vier Vorstandskollegen aus Kultur, Chilbi-OK und Gewerbe in einem ersten Schritt auf die Suche nach Mitgliedern. Die Männerriege, der Musikverein, der Fussballclub als auch der Albanische Kulturverein sind bereits an Bord, weitere Vereine sollen folgen.
Man müsse dafür sorgen, dass die Mitgliedschaft bei den nächsten Generalversammlungen der Vereine aufs Parkett komme und auch Privatleute für einen Beitritt sensibilisiert werden, bekräftigt Iseli. «Unser Ziel ist es, dass zum Schluss alle 43 Vereine und alle Familien Mitglied sind.»
Das Konzept des Dorfvereins ist alles andere als neu, doch scheint es ziemlich gut in eine Zeit zu passen, in der das sogenannte «Sharing», also das Teilen von Ressourcen, einen immer höheren Stellenwert bekommt.
«Wieso kann ein Kassier eines Vereins nicht auch gleich die Kasse eines anderen führen?», fragt Bruno Iseli rhetorisch. Mit den neuen Kommunikationskanäle und Plattformen habe man heute sehr gute Werkzeuge zu Hand.
Hilfe bei den Helfern
Derlei Synergiepotenzial will der Dorfverein aufzeigen. Insbesondere für Vereine, deren Mitglieder eher gehobenen Alters sind, sieht er hier grosse Chancen – zumal sich solche nicht selten in Blasen bewegen. Ausserdem will man im Bereich der Anlässe selbst zusätzliche Hilfe leisten, indem man eine gemeinsame Jahresplanung aufsetzt, als auch ein Angebot für Hilfskräfte stellt.
Dazu sollen Pools mit Helferinnen und Helfern gebildet werden, auf die neben der eigentlichen Chilbi- und Klemens-Märt-Arbeit auch bei Vereinsaktivitäten zurückgegriffen werden kann. Iseli denkt da beispielsweise an Gruppen fürs Kuchenbacken oder für das Aufnähen von Nummern bei Sportturnieren.
Die Parteipolitik soll derweil kompromisslos aussen vor bleiben. Schliesslich geht es unter dem Strich darum, gesellschaftliche Anlässe zu erhalten und den Vereinen zu helfen, sich selbst zu helfen. Damit man sich in Mönchaltorf auch künftig kennt.
