Der Respekt spaziert am Greifensee mit
Vom TV, über Print und Online bis hin zu Facebook, Twitter & Co.: Der Greifensee ist derzeit in aller Medien Munde. Nicht wegen der frisch eröffneten Badesaison oder des schönen Wetters. Sondern weil an diesem Wochenende zwei Hunde nach einem Spaziergang an seinem Ufer in Niederuster verstorben sind.
Der Grund dafür war schnell gefunden: Beide waren im Wasser, beide wurden mutmasslich durch Blaualgen vergiftet. Dementsprechend schnell verbreitete sich die die Meldung unter Hundehalter und Hundehalterinnen – schliesslich ist die Promenade ein beliebter Ort, um den Tieren Auslauf zu gewähren.
Erster Warnzettel an der Parkuhr
Wie akut die Lage ist, zeigt sich beim Augenschein vor Ort. Schon beim Parkplatz Seebadi werden die Besucher sensibilisiert. An der Parkuhr ist ein erster Warnzettel angebracht, das nächste, grossflächigere Plakat sieht man schon vom Weitem. Es befindet sich einige Meter weiter vorne beim Uferweg.
Auf dem Weg dorthin kreuzen wir zwei Frauen, die eben ihre Hunde von der Leine gelassen haben. Irene Schmid und Susanne Krieg aus Egg kommen regelmässig hierher. «Natürlich wissen wir Bescheid», sagt Schmid. «Und selbstverständlich haben wir die Hunde vorne beim See an der Leine gehalten.»
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17.05.2022

Verstorbene Hunde am Greifensee
Im Greifensee gibt es Blaualgen – diese können für Tier und Mensch gefährlich sein. Beitrag in Merkliste speichern Eigentlich wäre die hier festgesetzte Erholungszone einer der wenigen Orte am See, an dem keinen Leinenzwang vorherrscht – genau deshalb kommen die beiden auch hierher. Doch nun ist freilich alles anders. «Man macht sich natürlich Sorgen, es ist eine gefährliche Situation», sagt Krieg.
Deshalb finden die beiden auch: «Eigentlich sollte es noch mehr Warnhinweise geben.»
Ungewöhnlich ruhig
Noch mehr Warnhinweise? Tatsächlich realisiert man erst beim Gang in Richtung Norden zur ARA Jungholz, was Irene Schmid und Susanne Krieg meinen. Nach der Tafel am Anfang des Uferwegs finden sich keine offensichtlichen Warnungen mehr.
Generell ist an diesem sonnigen und warmen Vormittag wenig los. Ein paar Velofahrer und Spaziergänger, ein TV-Team auf der Suche nach besorgten Stimmen. Ansonsten herrscht weitgehend Leere. Montag hin oder her: Das scheint ungewöhnlich.
Fast bei der Kläranlage dann die endlich die nächste Hundehalterin. Sonja Meier, die selbst in Niederuster lebt, ist mit ihrem Schäferhund Spike unterwegs, das erst neun Monate alte Jungtier ist angeleint, verspürt aber offensichtlich einen hohen Bewegungsdrang.
Ist auch die Aa gefährlich?
«Üblicherweise hat es hier schon weit mehr Leute, die ihre Hunde spazieren führen», sagt sie. Und: «Ich vermute, dass viele von ihnen nun vermehrt in den Wald gehen. Dort habe ich jedenfalls zuvor weit mehr Hunde gesehen als hier.»
Meier, das ist offensichtlich, macht sich Sorgen. Am Samstagabend habe sie von der Hundeschule per Whatsapp vom Tod der Hunde erfahren. Der Grund lag zu jenem Zeitpunkt im Dunkeln, die Möglichkeit von Giftköder, der Albtraum aller Hundebesitzenden, noch im Raum.
«Insofern war ich zumindest erleichtert, als klar wurde, dass es sich um Blaualgen handelt», sagt sie. Dennoch spürt man eine gewisse Verunsicherung. Ist nur das Ufer gefährlich? Oder auch der Bereich rund um die Aa? «Für mich ist klar: Solange es keine Entwarnung gibt, lasse ich Spike hier keine Sekunde von der Leine.»
Es fängt bei der Erziehung an
Das wiederum dürfte Steve Grütter gerne hören. Der Hundetrainer betreibt die Hundeschule Banner’s Dogschool, deren Hauptsitz direkt am Uferweg liegt. Er gibt zu bedenken: «An einem derart stark belebten Ort gibt es auch Leute, die sich von den freilaufenden Tieren gestört fühlen.»
In seiner Schule, für die er vor allem auf seinen grossen Trainingsgelände in Nänikon, Freudwil und Bülach arbeitet, verfolgt er die Philosophie, die Hunde so zu erziehen, dass sie nur ins Wasser gehen, wenn der Halter oder die Halterin, dies von ihnen verlangen.
Für diejenigen, die das versäumt haben, sieht er dagegen nur eine Lösung. «Die Hunde in der Nähe von Gewässern an der Leine zu halten.» Schliesslich wisse man nie, welche Gefahren im Wasser lauern. Das traurige Beispiel von diesem Wochenende gibt ihm recht.
