Ihr ist auch schon ein Mörder abhandengekommen
Gegen 50 Personen fanden sich am Freitag in der Zehntenscheune, dem Personalrestaurant der Kuhn Rikon AG ein, um sich ein wohl letztes Mal in die Welt des Tösstaler Kantonspolizisten Noldi Oberholzer entführen zu lassen.
Die Figur, vor Jahren erschaffen von Roswitha und ihrem inzwischen verstorbenen Mann Jaques Kuhn, bekommt es auch dieses Mal wieder mit einem kniffligen Fall zu tun – ein Toter am Muttertag an einem beliebten Aussichtspunkt im Tösstal.
Die Lesung wurde aufgeteilt in einige Sequenzen, was der Autorin Gelegenheit gab, während der kurzen Unterbrüche mit ein paar erklärenden Worten auf die Personen in der Handlung einzugehen.
Vorgelesen, oder vielmehr vorgelebt, wurde das Buch von Peter Fischli, einer bekannten Stimme aus TV, Radio und Theater. Fischli gelang es, Stimmungen und Dialoge in einer solchen Perfektion darzubieten, dass sich gar mancher wie in einem Film vorkam. Diese Beschreibung einer Zuhörerin wurde im Saal mit kollektivem Kopfnicken bestätigt.
Krimi schreiben ist harte Knochenarbeit
Der Erfolg von Kuhns Krimis kommt nicht von ungefähr. Jede in ihren Büchern beschriebene Stelle, jedes kleinste Detail, hat die Autorin, zunächst mit ihrem Mann und danach allein minutiös recherchiert.
Für AbisZell Kultur Vereins-Kassier und Zells ehemaligen Gemeindepräsident Martin Lüdin ein Phänomen: «Oft hat Roswitha Dinge über unsere Gemeinde gewusst, die ich als Insiderkenntnisse bezeichnet habe.» Dazu kommt nach dem Schreiben eines Buches die mühsame Korrekturarbeit.
Für die Autorin steht fest: «Lieber drei Krimis schreiben, als einen einzigen zu korrigieren»
Ausgeliehen und nicht zurückerhalten
Die meisten der erschienen Besucher sind, um in der Krimisprache zu bleiben, Wiederholungstäter. Werner und Margrit Bühler aus Bäretswil zum Beispiel waren schon an mehreren Lesungen aus den Tösstal-Krimis dabei. Einzig beim letzten Buch waren sie verhindert.
Fritz Burkhalter aus Schlatt hat Roswitha Kuhn einst das Autofahren beigebracht. Er hat sämtliche Bücher seiner ehemaligen Schülerin gelesen und konnte seine Begeisterung über deren Werke kaum in Worte fassen: «Einfach super, alles.»
« Der kann es nicht gewesen sein.»
Roswitha Kuhn, Tösstaler Krimi-Autorin
Eine weitere Besucherin erzählt, sie habe zwar sämtliche KuhnKuhn-Krimis gekauft, wäre aber nur noch im Besitze eines einzigen davon. Den Rest hätte sie ausgeliehen und nicht zurückerhalten.
«Stimmt es, dass Sie die Täter zu Beginn jeweils selbst nicht kennen?», war eine der Fragen aus dem Publikum. Roswitha Kuhn folgt in ihren Büchern der Geschichte. Man lebt mit den Figuren.
«Einst, während der Arbeit an unserem ersten Krimi, bin ich mit meinem Mann Jaques die Wildbergstrasse hinaufgelaufen und wir haben uns unterhalten, als wir plötzlich beide festgestellt haben: Der kann es nicht gewesen sein.»
Da sei ihnen also richtiggehend ein Mörder abhandengekommen. So seien sie beide selbst von der Handlung überrascht worden und hätten sich auf einen neuen Täter konzentrieren müssen.
Das Gute damals war, dass sich Roswitha und Jaques Kuhn gegenseitig korrigieren und absprechen konnten. «Alleine schreiben ist langweilig», meinte sie denn auch.
Wars das jetzt wirklich?
Wie die Handlung im Buch Waidmannsheil nun ausgeht und wer der Täter war, wurde an dieser Lesung natürlich nicht verraten. Einzig die Tatsache, dass dies Kommissar Noldi Oberholzers letzter Fall gewesen sei, scheint unumstösslich.
Auch auf Martin Lüdins mehrmaliges Nachhaken bleibt Roswitha Kuhn ganz eindeutig, es wird keinen weiteren Tösstal-Krimi mehr geben. Eines gestand die Autorin zu guter Letzt dann aber doch noch ein: Sie schreibt an einem neuen Buch, allerdings wird dies kein Krimi sein, sondern ein Psychothriller.
Die Frage, ob dessen Handlung auch in der Gegend spielt, verneinte Kuhn ganz klar.
Für Martin Lüdin geht das in Ordnung: «Das müsste dann wohl irgendwo ab Turbenthal aufwärts sein». ( Willy Roth)

