So atmosphärisch war der Gig von Pink Pedrazzi in der Elbar
Donnerstag, es ist ein kalter Märzabend. Draussen regnet es Bindfäden. Die dicken, schweren Tropfen laufen in Strömen über die Fensterscheiben. Doch all das interessiert hier in der Elbar niemanden.
Rund 20 Gäste haben sich zu Beginn dieses Abends in der Bar im Walder Industriequartier am Fusse des Bachtels eingefunden, um seiner Stimme und Gitarrenklängen zu lauschen: Pink Pedrazzi.
Als «Urgestein der Schweizer Songwriter-Elite» angekündigt, zieht der 66-jährige Basler mit seinem Markenzeichen, einem markanten, schwarzen Zylinder, das Publikum sofort in seinen Bann. Voller Anmut bewegen sich seine Finger über die Seiten der kleinen Ukulele, erklingt eine tiefe, sonore Stimme, die einen nicht kalt lässt.
In Geschichten schwelgen
«I don’t know where to begin, life is bad, big and beautiful I see, everything laid out in front of me» eröffnet Pedrazzi mit «Oh’Ahknzee!» den Abend.
Der Künstler, der seit 1979 Musik macht und mit Bands wie den Zodiacs, der Moondog Show oder den Voyageurs die Schweizer Musikszene prägte, strahlt auf der Parkettbühne in der Elbar eine unglaubliche Präsenz aus. Melancholische Töne wechseln sich mit beschwingteren und federnden Gitarren-Sounds ab.
Auf den gepolsterten Holzstühlen und Sofas schliessen sich bisweilen die Augen der Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn sie sich in den Alltags- und Lebensgeschichten der Songs Pedrazzis verlieren.
Dabei vereint Pedrazzi, der mal nach John Hiatt oder wie Bob Dylan klingt, zahlreiche Einflüsse und Stile in seiner Musik: Country, Folk, Blues oder Jazz. Wobei er sagt: «Als Jazzgitarrist hatte ich zu wenig Talent. Oder war zu faul – herausfinden werde ich es wohl nie.»
Immer wieder streut Pedrazzi Geschichten zu seinen Songs ein. Das Publikum hört gespannt zu, wenn er sagt, wie er zum Song «Taxi» inspiriert wurde, als er selber Taxichauffeur war. «Als Künstler lebst du bisweilen in prekären pekuniären Verhältnissen.»
Auftritte vor kleinem Publikum
Das vorwiegend ältere Publikum, in dem auch Toni Vescoli sitzt, seines Zeichens einer der ersten Schweizer Rock’n’Roll-Interpreten der 1960er-Jahre und Mitgründer der Band Les Sauterelles, summt sogar vor der Pause noch einzelne Lieder mit.
In der Pause strömen alle zur Bar, hinter der auch Besitzer und Inhaber Ueli Schill frisches Bier zapft. Eigentlich gehe es im nicht so gut, hatte er im Vorfeld gesagt. Long Covid machen dem 51-Jährigen trotz dreifacher Impfung zu schaffen. Seit nunmehr elf Jahren lebt er in Wald, die Elbar als Musiklokal gibt es deren zwei.
An der Wand im Eingang hängen schon leicht vergilbte Poster: Dach, Long Tall Jefferson oder Bit Tuner haben schon in dem kleinen Lokal gespielt – alles Grössen der Schweizer Musikszene.
«Die Künstlerinnen und Künstler schätzen es, wenn sie vor einem kleinen Publikum auftreten können», sagte Schill im Januar gegenüber dieser Zeitung als es um Wald und die Besonderheit der dortigen Kulturszene ging.
Deshalb ist die Walder Kulturszene so besonders
13.01.2022

Sogar Franz Hohler kommt
Am Freitagabend kommt die Schweizer Literaturgrösse Franz Hohler für eine Lesung nach Wald. Beitrag in Merkliste speichern Dass die Elbar Gäste aus der ganzen Schweiz anlockt, zeigt sich auch am Donnerstagabend. In der ersten Reihe auf einem blumigen Überzug gepolsterten Sofa sitzt ein älteres Ehepaar. «Wir sind heute extra aus dem Glarnerland angereist, um Pedrazzis Musik und seine spezielle Stimme zu geniessen.»
«Die Atmosphäre war mega!»
Gäste aus dem Glarnerland
Was sagen sie zu Schills Elbar, als das Konzert um viertel nach zehn vorbei ist? «Die Atmosphäre war mega! Wir haben uns sehr wohl gefühlt, hier auf der Couch zu sitzen bei Wohnzimmerambiente.» Ihr erster Besuch sei zudem sicher nicht ihr letzter.
Ein warmer, herzlicher Ort
Schon öfters in der Elbar anzutreffen waren zwei einheimische Walderinnen, die den Abend am Tresen mit einem Drink ausklingen lassen. «Erst am Samstag haben wir hier noch zu Technoklängen im dichten Nebelgeschwader getanzt.» Dagegen müssen sich die weichen Akkustikklänge Pink Pedrazzis wie ein Kulturschock anfühlen.
Sie hätten den Musiker vor dem heutigen Tag auch nicht gekannt. «Wir schätzen die Elbar als einen warmen, herzlichen Ort, wo man auch alleine hingehen kann und immer wieder jemanden trifft, den man kennt.»
Und dass es auf der Bühne auch Pedrazzi so ergeht, merkt man in der zweiten Hälfte seines Sets, als er es sich nicht nehmen lässt, Inhaber Ueli Schill persönlich für die Einladung zu danken. «Das Ambiente hier ist einfach super. Man merkt, dass hier jemand viel Herzblut reingesteckt hat.»
