Beliebter Steg geht schon nach 20 statt 70 Jahren in die Knie
Man könnte ihn den kranken Mann am Obersee nennen – in Anlehnung an das geflügelte Wort vom Bosporus. Gemeint ist der Holzsteg zwischen Rapperswil und Hurden. Zarte 20 Jahre jung wurde die Fussgängerbrücke letztes Jahr. Sie ist beliebt bei Einheimischen wie Gästen.
Anno 2006 pilgerte der Bundesrat in corpore über die preisgekrönte Konstruktion, die neben ihrem praktischen Wert als Naherholungsobjekt auch an die historischen Verbindungswege über den Obersee erinnert.
50 bis 70 Jahre lang sollte der Holzsteg seine Dienste tun, wie es im Projektbeschrieb bei der Eröffnung im April 2001 hiess. Doch daraus wird nichts. Jetzt wird sogar ein Ersatzneubau geprüft. Dies teilte die Stadt Rapperswil-Jona am Dienstag mit. Was geht hier vor?
Morsche Brücke kostet Uster 250'000 Franken
10.03.2022

Wahrzeichen im Zellweger Park
Die Kawamata-Brücke im Zellweger Park muss saniert werden. Beitrag in Merkliste speichern Im Holzsteg ist schon länger der Pilz drin. Vermutlich seit Anbeginn, mutmassen die Experten. Eichenwirrling heisst der Störenfried, der das massive Eichenholz schwach werden lässt. «Die Sporen müssen beim Bau bereits auf dem Holz gewesen sein», erklärte Ingenieur Walter Bieler, der das Projekt seit Anbeginn begleitet hatte, bereits 2017.
Das hätten aber laut Bieler damals weder die Holzlieferanten noch die in den Bau involvierten Fachleute bemerken können. «Die Sporen sind nicht sichtbar», so Bieler. Einziges präventives Mittel gegen Pilzbefall wären damals Chemikalien gewesen, erklärte der Experte. Doch darauf habe man im Seewasser bewusst verzichtet. Die Sache mit dem Pilz sei einfach «grosses Pech».
Unterhalt immer teurer
Bieler wie auch die Stadt Rapperswil-Jona meinten vor fünf Jahren, dass es eine «grosse Überraschung» wäre, wenn deutlich mehr als 10 der 239 Pfähle vom Pilzbefall betroffen wären. Inzwischen tönt es ganz anders.
«Es ist davon auszugehen, dass alle Pfähle in unterschiedlichem Ausmass vom Eichenwirrling befallen sind», schreibt die Stadt in ihrer neuen Mitteilung. «Das jährliche Monitoring wird zeigen, ob in den kommenden Monaten noch zusätzliche Pfähle im Sinne eine Sofortmassnahme verstärkt werden müssen.»
Die Erkenntnisse des Monitorings sollen auch in eine Machbarkeitsstudie einfliessen, welche die Standortgemeinden Rapperswil-Jona und Freienbach in Auftrag geben wollen. Diese soll neben Sanierungsvarianten auch einen Ersatzneubau prüfen. «Eine Sanierung ist nicht unbedingt günstiger als ein Neubau», sagt Bischof. Zumal sich der Pilz trotz biologischer Gegenmittel in den letzten Jahren nicht habe aufhalten lassen. Chemikalien seien wegen des Gewässerschutzes tabu.
Auch der Unterhalt wird laut Bischof immer teurer. Obwohl noch keine Pfähle ersetzt wurden, hat auch der Ersatz der ebenfalls befallenen Lauffläche in den letzten Jahren steigende Kosten von inzwischen über 100’000 Franken pro Jahr verursacht. Regress nehmen auf damalige Holzlieferanten oder Baufirmen könne man nicht, sagt Bischof. «Das ist Natur.»
Der Holzsteg hatte ursprünglich rund drei Millionen Franken gekostet. Ein grosser Teil wurde durch private Spenden gedeckt. Die Standortgemeinden zahlten 250’000 (Freienbach) und je 100’000 Franken (Rapperswil und Jona). «Der Holzsteg ist heute nicht mehr wegzudenken», sagt Stadtingenieur Bischof. Die Zeichen stehen aber schlecht, dass aus dem kranken Mann wieder ein vitaler Jüngling werden könnte. (Pascal Büsser)
Eine erste Hiobsbotschaft drang 2017 an die Öffentlichkeit. Für rund 400’000 Franken sollte eine Sanierung an die Hand genommen werden. Circa 10 der 239 Eichenpfähle sollten ersetzt werden – wegen Pilzbefall. In den Folgejahren wurden immer wieder Verschiebungen der Sanierung kommuniziert. 2020 sprach die Stadt bereits von 31 Pfählen, die ersetzt werden müssen.
Experte: «Grosses Pech»
Doch statt Pfähle zu ersetzen, sollen nun als Sofortmassnahme deren 20 statisch verstärkt werden, wie die Stadt in ihrer Mitteilung schreibt. Die Kosten dafür belaufen sich auf verhältnismässig überschaubare 30’000 Franken. Damit könne die Sicherheit gewährleistet werden.
Diese Unterhaltsarbeiten starten laut Stefan Bischof, Leiter Fachbereich Infrastruktur, nächste Woche und können ohne Sperrung vorgenommen werden. Der sogenannte Göttersitz, eine Plattform im südlichen Teil des Stegs auf Hurdner Boden, wird aus Sicherheitsgründen «vorläufig geschlossen».
