Das sagt der Altersheimleiter zur Aufhebung der Maskenpflicht
Bruno Kleeb, der Bundesrat hat per heute fast alle Corona-Massnahmen aufgehoben. Wie sehen Sie als Leiter eines Altersheims diesen Schritt?
Ich freue mich darüber. Doch gleichzeitig muss man auch sehen: Während es ausserhalb der Heime ab jetzt kaum mehr Einschränkungen gibt, sind die Auflagen bei uns noch nicht aufgehoben worden. Wir warten noch auf entsprechende Weisungen aus der kantonalen Gesundheitsdirektion, die voraussichtlich anfangs nächster Woche eintreffen werden. Erst dann wissen wir, was sich bei uns ändern wird.
Haben Sie keine gemischten Gefühle? Immerhin leben in Ihrer Institution mehrheitlich vulnerable Personen.
Ich bin sicher, dass die Leute hier Verständnis haben, dass es mit der Aufhebung- der Masken oder dem Zertifikatspflicht noch etwas länger dauern könnte. Aber dennoch sehnen sie sich nach einem Ende. Sie müssen sich vorstellen: Seit bald zwei Jahren haben die Menschen hier keine ganzen Gesichter mehr gesehen.
Die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich also?
Noch hatte ich nicht die Gelegenheit, mit vielen von ihnen zu sprechen, aber ich gehe schon davon aus, dass die Freude überwiegt. Natürlich waren die Menschen hier wegen ihres Alters oder ihrer Gebrechen gefährdeter, natürlich haben sie deshalb auch Respekt. Eine ängstliche Atmosphäre habe ich aber nie gespürt. Man hat sich an diesen Zustand gewöhnt.
Das Virus wird in der Gesellschaft nun hindernisfreier zirkulieren. Gilt es das Personal und die Besuchenden nun darauf zu sensibilisieren?
Grundsätzlich gilt es jetzt die Weisungen der Gesundheitsdirektion abzuwarten. Ich glaube aber nicht, dass man die Leute noch speziell an etwas erinnern müsste. Wir leben seit zwei Jahren mit der Situation und wissen schon von Berufes wegen um die Bedeutung von Hygiene und Distanz. Auch die Bevölkerung ist sich inzwischen bewusst, wie man den Gefahren im Alltag vorbeugen kann.
Was, wenn das Virus den Weg in das Heim findet?
Dann werden wir zu reagieren wissen, weil wir die Erfahrungen zuletzt regelmässig gemacht haben. Mit der Omikron-Variante ist es auch bei uns vermehrt zu Ansteckungen gekommen, zwischenzeitlich war fast ein Drittel unserer Bewohnerinnen und Bewohner gleichzeitig betroffen.
Ist das Personal an seine Grenzen gestossen?
Klar, die Tage waren arbeitsintensiv und herausfordernd, zumal es auch beim Personal zu Ausfällen gekommen ist. Da die Verläufe aber milder sind und wir unterdessen gelernt haben, damit umzugehen, konnten wir die Situation gut regeln. Ausserdem bin ich guten Mutes, dass sich die Situation weiter stabilisieren wird. Inzwischen ist der Grossteil der Menschen ja mehrfach immunisiert worden.
Covid wird also den Weg in den Heim-Alltag finden.
Ich denke, dass ein Vergleich mit dem bekannten Noro-Virus passen könnte. Auch das geht immer wieder in Wellen durch die Heime. Mit dem müssen und können wir leben, weil wir genau wissen, was zu tun ist.
Sie haben zuvor gesagt, dass die Menschen sich nach bald zwei Jahren an die Situation gewöhnt haben. Machen Sie sich bereits Gedanken darüber, wie man das soziale Leben wieder animieren könnte?
(Lacht) Ein Fest wäre wohl noch nicht angebracht! Spass beiseite, unsere Welt wird sich nicht so abrupt verändern, wie diejenige in der Gesellschaft. Wir haben überdies bewusst darauf geachtet, das soziale Leben mit Anlässen oder Konzerten weiterzuführen – einfach unter den gegebenen Umständen. Das einschneidende Moment wird das Fallen der Masken sein. Da wird der eine oder andere plötzlich Gesichter sehen, die er gar noch nicht kennt. Das wird spannend – auch für mich.
