Wieder haben wir die ungerechte, zweigeteilte Schweiz – unten graue Nebelsuppe, oben strahlender Sonnenschein. Das bedeutet, statt im Garten zu werkeln, im gemütlichen Bücherzimmer zu lesen. Also ans Büchergestell, die Lektüre aussuchen.
Das ist gar nicht einfach. Soll es heute ein Krimi oder ein Thriller sein? Eigentlich wollte ich schon lange diese neue Biografie lesen, die soll so faszinierend sein. Oder doch lieber das Fachbuch über die sprachgeschichtlichen Zusammenhänge?
Nein, Fachliteratur ist heute zu anstrengend. Die melancholische Graustimmung verlangt eher nach etwas Leichterem. Zum wiederholten Mal den heiss geliebten Klassiker? Vielleicht nach einer Liebensgeschichte. Aber das reizt mich auch nicht besonders.
Da war dieser Titel, den mir jemand empfohlen hat: «Unbedingt lesen!» Wie hiess der nur? Ist ja egal, er steht sowieso nicht im Regal. Ich kann mir ja mal einen Tee oder Kaffee machen, dann sehe ich wahrscheinlich klarer.
Jetzt reisst der Nebel auf, die Sonne beginnt zu strahlen. Ich lasse den Bücherstapel Bücherstapel sein und enteile nach draussen. Ist doch wirklich schön in der freien Natur.

