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Vom schwarzen Schaf zum Spitzenrapper

Jahrelang hat Arber Rama seinen Traum gegen alle Widerstände verfolgt. Heute gehört der 28-jährige Wetziker Rapper EAZ zu den Besten und Erfolgreichsten seines Fachs. Eine Begegnung.

, Der Wetziker Rapper EAZ gehört zur Créme de la Créme der Schweizer Rap-Szene., Mit seiner Heimatstadt verbindet er nicht nur Positives., Trotzdem kribbelt es jedes Mal, wenn er nach Wetzikon kommt, sagt er.

Fotos: Christian Merz

Vom schwarzen Schaf zum Spitzenrapper

Es sind nur ein paar Sätze aus dem Munde eines Kritikers. Doch für Arber Rama bedeuten sie die Welt.  «Wenn ich dem Typen zuhöre, dann beginne ich fast zu weinen.» 

«Besser geht es nicht.»
Lukas Wyniger, Musikjournalist SRF

Das sagt der Basler Musikjournalist Lukas Wyniger vor zwei Jahren in der Nachbesprechung des sogenannten Cyphers, einem jährlich stattfindenden Stelldichein der Schweizer Rapszene. «Besser geht es nicht.»

Rama hat da freilich nicht zum ersten Mal an dieser von SRF Virus veranstalteten und übertragenen Grossveranstaltung teilgenommen. Unter dem Alias EAZ hat sich der Wetziker mit kosovarischen Wurzeln schon längst einen Namen gemacht.

Das Strassenrap-Genre etabliert

Zusammen mit seinem Dietiker Freund und Rap-Partner Xen (bürgerlich Shkelzen Kastrati) hat er diverse Hits in der Schweizer Hitparade gelandet und das in Deutschland so populäre Strassenrap-Genre in der Schweiz etabliert. Bereits seit 2019 steht er beim Grosslabel Universal Music unter Vertrag.

Dennoch soll das überschwängliche Votum des Musikjournalisten Ramas Leben prägen. Es hebt ihn in der Szene in die allerhöchste Liga. Und es kreiert den Moment, an dem sein Vater realisiert, wie ernst und seriös das eigentlich ist, was sein Sohn da macht.

«Dieses Lob in einer etablierten Sendung von einem richtigen Schweizer zu hören – das hat ihn unglaublich stolz gemacht», blickt Rama zurück.  Der Höhenflug dauert bis heute an.

Die Kooperation mit der Rap-Legende

EAZ’s Debütalbum «Apartment 32», das im letzten Sommer erscheint, steigt auf Platz 3 in den Schweizer Charts ein und hält sich dort sieben Wochen.

Arber Rama, das darf man so sagen, hat es geschafft.

Inzwischen mit Manager

«Ja, ich habe es geschafft», sagt der 28-Jährige und lächelt etwas verlegen. In seinem Rücken türmen sich die siebenstöckigen Wohnsilos an der Wetziker Buchgrindelstrasse auf.

Hier hat der Secondo mit seinen Eltern und seinen drei älteren Schwestern seine Kindheit und Jugend verbracht. Hier hat er mit seinen Freunden Spass gehabt – und manchmal auch mit ihnen Mist gebaut. Hier wurde sein Traum geboren, Rapper zu werden.

Das  «schwarze Schaf»

Es ist für Rama eine Heimkehr. Und zwar eine unter speziellen Vorzeichen. Der Interviewtermin samt Fotoshooting und Videodreh wurde im Vorhinein mit seinem Manager abgesprochen; unterdessen brauche Rama den, um alles unter einen Hut zu bringen, wie er selber sagt.

In der Gegend wohnt er nicht mehr, vor gut zweieinhalb Jahren ist er zu seiner Freundin nach Suhr gezogen, einem Vorort von Aarau.

Der Rapper EAZ posiert an der roten Wand in einer Siedlung an der Buchgrindelstrasse.

Wetzikon ist für EAZ indessen essentiell geblieben. Im Rap, dieser Musik, in der Geschichten aus dem Leben erzählt werden, gehören Authentizität und Herkunft mit zu den wichtigsten Währungen.

Tatsächlich ist Ramas Biographie keine Ghetto-Saga, sondern vielmehr diejenige eines normalen Jungen, der den Verführungen des Lebens gerne nachgibt. Oder, wie er selbst sagt, diejenige des «schwarzen Schafs» in einer fünfköpfigen Familie, die in die Schweiz gekommen ist, um sich ein gutes Leben zu erarbeiten.

Es begann mit 50 Cent

Von Natur aus der Typ Lausbub und fasziniert vom weltbekannten Gangster-Rapper 50 Cent, steigert er sich jung in die Rap-Musik hinein. Im Zuge dessen vernachlässigt er die Schule. Immerhin:  Nach mehreren abgebrochenen Ausbildungen schliesst er letztlich doch noch eine Lehre als Detailhandelsfachmann ab.

Wirklich interessieren tut ihn aber auch das nicht. Er verliert die Orientierung, mit Freunden schlägt er sich die Nächte um die Ohren. Zwischenzeitlich rutscht er in die Kleinkriminalität ab, tut Dinge, über die er heute nicht mehr sprechen möchte.

Einzig seine wahre Leidenschaft trägt er immer in sich: die Musik. Mit ihr verdient er zwar nicht viel, doch er investiert alle Zeit und Energie in sie. Die langsam, aber kontinuierlich steigende Aufmerksamkeit und sein Talent, das ihm allseits attestiert wird, bestätigen ihn.

«Zwischen 16 und 26 ist in meinem Leben so ziemlich alles schiefgelaufen. »

Arber Rama aka EAZ

Er sagt: «Zwischen 16 und 26 ist in meinem Leben so ziemlich alles schiefgelaufen. Doch das Studio hat mir immer Halt gegeben. Dort bin ich immer drangeblieben.» Und: «Ich bin auf einiges nicht stolz, was ich gemacht habe. Aber ohne meinen Weg, wäre ich nicht da, wo ich heute bin.» 

Obschon das Portemonnaie leer, die Zukunftsaussichten schwammig und das Gemüt schwer ist – Aufgeben ist keine Option.

Die Vielfältigkeit spiegelt sich in den Songs

So spiegelt sich in der Musik Ramas Wesen in seiner ganzen Vielfältigkeit. Manchmal rappt er hart, manchmal singt er gefühlvoll. Er benutzt mal die Albanische, mal die Deutsche Sprache, immer wieder streut er Anglizismen ein. Sein Fluss ist locker und intuitiv.

An die harten Ghetto-Klischees mag er sich in seinen älteren, herberen Stücken und Videos angelehnt haben, inzwischen trumpft er mit Authentizität auf. In seinen Liedern geht es um Liebe, um grosse Träume, um Aufstieg, Party und um Reminiszenzen an die US-amerikanische Rap-Kultur. Alles aus der Sicht eines Secondos, der in Wetzikon aufgewachsen ist.

Eben weil er damit vielen jungen Menschen aus dem Herzen spricht, will er sich auch einer gewissen Vorbildfunktion nicht entziehen. Er ist sich bewusst: «Die können sich damit identifizieren». Deshalb sei es ihm, der in den sozialen Medien tausende von Followern hat, wichtig, welche Inhalte er portiere. «Ich brauche keine harten Drogen oder derlei in meinen Videos», sagt er.

«Wetzikon hat mir vor allem Probleme gemacht.»

Arber Rama aka EAZ

Das Verhältnis, das Rama zu seiner Heimatstadt hat, ist indessen ambivalent. Eigentlich, so sollte man meinen, dürfte einer wie er hier durchaus gefeiert werden. Neben dem Latin-Sänger Loco Escrito gehört er zu den bekanntesten kulturellen Aushängeschildern Wetzikons.

Doch er selbst sagt: «Wetzikon hat mir eigentlich nicht viel gegeben, sondern mir vor allem Probleme gemacht.»

Ab dem Aatal kribbelts 

Umgekehrt habe er eine «wundervolle Kindheit und Jugend» erleben dürfen. Das Leben mit seiner Familie, seinen Freunden, seine, Erinnerungen – all das habe er Wetzikon zu verdanken.

«Nach Wetzikon zu kommen, ist irgendwie wie ein erstes Date mit einem Mädchen.»

Arber Rama aka EAZ

Man merkt, dass Arber Rama in der Frage von seinen Gefühlen hin- und hergezogen wird. «Jedes Mal, wenn ich von der Autobahn ins Aatal einbiege, dann kribbelt es im Bauch», sagt er und überlegt.  «Irgendwie wie vor dem ersten Date mit einem Mädchen.»

Ob der Rapper dereinst wieder nach Wetzikon zurückziehen wird? «Unbedingt. Ich hoffe schon bald», antwortet er. Das Kribbeln im Bauch – gut möglich, dass es nicht Liebe, sondern Heimweh ausdrückt.

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