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Gesellschaft

«Es kann nicht einfach jeder unterrichten»

Die Winterthurerin Angela Jetter vermittelt seit zwei Jahren Vikare und Vikarinnen an Schulen. Im Gespräch schätzt sie die aktuelle Lage ein.

Angela Jetter war jahrelang Lehrerin, heute vermittelt sie Stellvertretungen.

Enzo Lopardo

«Es kann nicht einfach jeder unterrichten»

Angela Jetter, als Betreiberin eines Vikariatsnetzwerks dürften Sie die neu erlaubten Notfall-Vikariate im Kanton Zürich begrüssen.

Angela Jetter: Ganz klar. In den Nachbarskantonen Thurgau und Aargau dürfen die Schulen solche Vikariate schon länger vergeben werden. Ich habe in meinem Netzwerk unter anderem Lehrpersonen aus Steiner-Schulen, dem Ausland und Studienunterbrecher. Die haben zwar noch nicht das entsprechende Diplom, können den Job aber problemlos übernehmen.

In den Schulgemeinden spürt man Vorbehalte. Tendenziell möchte man Engpässe lieber mit vertrauten Gesichtern und internen Lösungen überbrücken. Können Sie das nachvollziehen?

Grundsätzlich schon. Ich denke aber, dass diese Notfall-Vikariate in der Öffentlichkeit etwas vereinfacht dargestellt werden. Das Volksschulamt hat ganz klare Definitionen vorgegeben, es kann nicht einfach jeder unterrichten. So wird etwa fälschlicherweise angenommen, dass eine Klassenassistenz plötzlich eine reguläre Klasse übernehmen kann. Tatsächlich steht dies aber nur langjährigen und erfolgreichen Klassenassistenzen offen.

Oberländer Schulen rüsten sich für den Ernstfall

08.01.2022

Corona verschärft Lehrermangel

Mit einem Notfallplan will der Kanton dem sich zuspitzenden Mangel an Lehrkräften entgegenwirken. Beitrag in Merkliste speichern Haben Sie in den letzten Tagen schon viele Vikariate vermittelt? Auch in Oberländer Gemeinden?

Ehrlich gesagt sind es noch nicht viel mehr als vor den Ferien. Speziell sind mir noch Fälle aus Dübendorf und Volketswil präsent, wo es viele Ausfälle in kurzer Zeit gab und die Nachfrage kurzzeitig übermässig gross war. Ansonsten hebt sich das Oberland aber nicht von den anderen Regionen ab.

Rechnen Sie mit einem Anstieg?

Die Situation ist sehr schwierig einschätzbar. Weil die Semesterferien an der Pädagogischen Hochschule noch bis in den Februar reichen, sind viele Vikariate vorderhand noch unter der Hand an Studierende vergeben worden, die man bereits kannte. Umgekehrt sind per Ende Dezember viele Lehrkräfte zum Ende ihrer Probezeit ausgestiegen. Das könnte den Lehrermangel dann plötzlich noch weiter verschärfen.

Weshalb?

Weil die Schulleitenden wegen der Corona-Situation und des Lehrermangels schon zuvor unter Druck standen und zuweilen Positionen falsch besetzt hatten. Eine junge Studienabgängerin, die just in dieser Zeit ihre erste Klasse übernimmt, hat es nicht einfach. Nicht nur gilt es, die Arbeit mit all den Massnahmen in der Schule zu erledigen, auch die Eltern-Arbeit ist anspruchsvoller geworden. Insbesondere auch im Oberland, wo die Skepsis gegenüber Masken grösser ist als in städtischen Gebieten.

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