Herr Bütler, im letzten Jahr haben die Hacker-Angriffe auf die öffentlichen Verwaltungen Montreux und Rolle für Aufsehen gesorgt. Dabei wurden Daten gestohlen und ins Darknet gestellt. Sind das Einzelfälle oder erkennen Sie da ein Trend?
Es ist in der jüngeren Vergangenheit tatsächlich eine Häufung solcher Angriffe zu erkennen. Mir kommen da ganz spontan noch der Angriff auf die Gemeinde Rorschach und zuletzt auf die Website des Kantons und der Stadt St. Gallen im Oktober in den Sinn. Es kann aber durchaus auch bundesstaatliche Institutionen treffen, wie etwa die Fälle der RUAG oder des SECO gezeigt haben.
Ähneln sich die Angriffe?
Man muss zwischen gezielten Attacken und Attacken nach dem Giesskannenprinzip unterscheiden. Bei ersteren geht es vor allem darum, ganz bestimmte Informationen zu stehlen, die man im Markt monetarisieren und beispielsweise im Bereich der Spionage oder zu Forschungszwecken verwenden kann. Letztere werden indessen breit gestreut, mit dem Ziel, Datenträger zu verschlüsseln und danach Lösegeld zu erpressen.
Welcher Bedrohungstyp ist für die kommunale Verwaltung gefährlicher?
Klar Letzterer. Diese sogenannten Ransom-Angriffe, die man in der Privatwirtschaft schon lange kennt, sind darauf ausgerichtet, möglichst grossen Schaden anzurichten, um maximalen Druck auszuüben. Natürlich, auf kantonaler Ebene kann es ebenfalls gezielte Angriffe geben, wenn mit den gestohlenen Daten Geld verdient werden kann; etwa mit Steuerauszügen, die man einem anderen Staat verkaufen könnte. Doch auf der kommunalen Ebene sind Ransom-Angriffe einträglicher.
So sichern die Gemeinden ihre Festungslinien im Netz
22.01.2022

