Der Impfbus ist nicht überall willkommen
Über 1500 zusätzliche positiv Getestete an einem Tag: So präsentiert sich aktuell die Zahl der Corona-Infizierten im Kanton Zürich. Gleichzeitig nehmen die Spitaleinweisungen stark zu und die Intensivstationen im Oberland und auch im Kanton sind fast voll belegt. Im Gegensatz zu diesen steil ansteigenden Zahlen verläuft die Kurve bei den Erstimpfungen flach. Rund 550 Spritzen pro Tag waren es in der vergangenen Woche.
Mässige Impfbegeisterung
Kantonsweit die zweittiefste Durchimpfung verzeichnet der Bezirk Hinwil mit 62 Prozent. Nur gerade der Bezirk Andelfingen steht mit 60 Prozent noch schlechter da. Nur wenig besser sieht es mit 64 Prozent im Bezirk Pfäffikon aus. Und auch der Bezirk Uster bleibt mit seinen aktuell 68 Prozent noch unter dem kantonsweiten Durchschnitt von 70 Prozent. Vor allem in den jüngeren Alterskategorien zwischen 20 und 40 lässt in der Region die Impfbegeisterung zu wünschen übrig.
Auf Gemeindebene hinuntergebrochen gehören die Ortschaften im Tösstal zu den Schlusslichtern. Fischenthal, aber auch Schlatt, Zell oder das zu Bauma gehörende Sternenberg bringen es bei den Erstimpfungen auf eine Quote von unter 50 Prozent.
Kein Impfbus in zehn Gemeinden
Um die Impfquoten zu steigern und näher zu den Leuten zu gehen, lancierte der Kanton Ende August in Gossau die Impfbusse. Seither touren bis zu vier Gefährte durch die Gemeinden. In der Region war er in den meisten der 31 Ortschaften schon ein- oder zweimal zu Besuch. Bereits vier Stopps machte er in Volketswil.
Doch es gibt auch zehn Gemeinden, um die die Busse bisher einen Bogen machten. Dazu gehören etwa kleine Orte wie Seegräben, Wila, Wildberg oder auch Weisslingen. Auch die einwohnermässig etwas grösseren Gemeinden Schwerzenbach und Greifensee gehören dazu.
Und dann gibt es mit Hinwil, Bauma, Pfäffikon und Uster auch vier grosse Orte, in denen noch keine Impfungen im Auto verabreicht wurden. In Uster ist das verständlich, hat hier doch eines der grossen Impfzentren seinen Standort.
Ortsfeste Impftage
«Weil wir sehr kurzfristig eine Impfaktion auf die Beine stellen wollten, waren keine Impfbusse verfügbar. Stattdessen haben wir mit der Apodro-Apotheke Impfsonntage organisiert, dies mit grossen Erfolg», erklärt Hinwils Gemeindeschreiber Roger Winter. Die Apodro-Kette bietet neben Hinwil auch in ihren Apotheken in Rüti, Wald und Greifensee Walk-In-Impfungen an wöchentlich zwei Impftagen an.
Bauma, das neben Bäretswil, Fischenthal, Wald und Wila zu den fünf Gemeinden gehört, in denen am vergangenen Wochenende das Covid-19-Gesetz abgelehnt wurde, will sich dem Thema Impfbus nun doch noch annehmen. «Ich habe vor zwei Wochen mit meinem Gemeinderatskollegen Géza Kanabé über die Variante Impfbus gesprochen. Als Arzt empfiehlt er, den Bus auch der Baumer Bevölkerung zu Verfügung zu stellen. Er ist nun an den Abklärungen und wir werden sehen, ab wann der Bus in Bauma den Impfwilligen zur Verfügung steht», erklärt Manuela Burkhalter (SVP), Vorsteherin des Gesellschaftsressorts, auf Anfrage.
Ärger in Pfäffikon
In Pfäffikon erklärt Gesundheitsvorsteherin Rajka Frei (SVP) die Impfbus-Absenz mit der Nähe zum Impfzentrum in Uster. «Mit diesem, den Ärzten und der Apotheke erachte ich das Angebot durchaus als niederschwellig.» Bis vor kurzem seien auch kaum Anfragen aus der Bevölkerung an den Gemeinderat gelangt. Nach ihren Informationen werde das Impfmobil in den Wintermonaten ohnehin nicht mehr im Einsatz stehen und auch keine Booster-Impfungen anbieten.
Pfäffikon gehört zu jenen Gemeinden in der Region, in denen Massnahmenkritiker einen Auftritt hatten und sich jetzt auch im lokalen Gemeindeblatt «PfäffikerIn» verlauten liessen. Ein Mitarbeiter verbreitete dort unter dem Titel «Lasst die Kinder wieder frei atmen!» ein Pamphlet gegen Masken und Tests an Schulen. «Der Gemeinderat ist verärgert über Inhalte der letzten Ausgabe der PfäffikerIn. Bereits ist ein Termin für eine Aussprache angesetzt worden. Zudem wird von Seiten Gemeinderat in der kommenden Ausgabe eine Stellungnahme erscheinen», hält Frei dazu fest.
Diplomatie in Fischenthal
In Fischenthal, einer Hochburg der Massnahmenkritiker, war der Impfbus zweimal zu Besuch. Mit mässigem Erfolg. Gerade 23 Personen nutzten laut Gemeindepräsidentin Barbara Dillier (parteilos) das Angebot. Daher sind zur Zeit auch keine weiteren Impfmassnahmen geplant. Und wie hat die Bevölkerung sonst auf den Impfbus-Halt reagiert? «Direkte Rückmeldungen sind weder auf der Gemeinde noch bei mir persönlich eingetroffen. Als Gemeinde ist es unsere Aufgabe, impfwilligen Personen trotz unserer peripheren Lage die Gelegenheit zur Impfung vor Ort zu bieten.»
Zur verbreiteten Massnahmenskepsis in ihrer Gemeinde äussert sie sich sehr diplomatisch: «Dem Gemeinderat ist bewusst, dass in Fischenthal – wie vermutlich überall – die Ansichten in der Bevölkerung zu den Covid-19-Massnahmen divergieren. Diese verschiedenen Positionen gilt es zu respektieren, vermeintliche Diskrepanzen nicht weiter zu befeuern und den Dialog immer wieder zu suchen.»
