Zu den Gepflogenheiten des Ustertages gehört der Empfang der Redner durch den Stadtrat hoch oben im Schloss. Stadtpräsidentin Barbara Thalmann schwärmte im Rittersaal dem Hauptredner Martin Scholl vor, welch tolle Aussicht auf die Stadt von der Zinne möglich sei. Leider, so meinte sie, dürfte die Zeit kaum ausreichen, um das zu geniessen. Das noch grössere Hindernis aber blendete sie aus: Zur Mittagszeit war Uster noch völlig im Nebel verhüllt. Die aufkommende Festfreude war es dann wohl, die die Schwaden gegen 13 Uhr vertrieb. Die Stadtpräsidentin packte die Gelegenheit am Schopf – und mit dieser den ZKB-Chef. So konnte der doch noch einen klaren Blick auf die Kirche werfen, in der er bald darauf auf die Kanzel stieg.
Getrübte Sicht im Pulverdampf
Nach der Feier empfing die Compagnie 1861 die Teilnehmer bei schönstem Herbstwetter mit drei Salven, die kurzzeitig wieder für Sehbehinderungen sorgten, verbreitete sie doch einigen Pulverdampf.
Nach dem Marsch zur Landihalle und einem Apéro teilte sich die Gesellschaft auf. Die einen genossen ein Risottoessen, die geladenen Gäste die Nachfeier im Stadthofsaal. Und dort kam Regierungsrat Ernst Stocker nochmals auf oben erwähnte Kanzel zu sprechen. Diese oder vielmehr die steile Treppe, die zu ihr hoch führt, bereitet ihm grosse Sorgen. Scholl habe in seiner Rede ja die Arbeitsplatzsicherheit thematisiert. Wie der Auf- und Abstieg der Vor- und Hauptredner gezeigt habe, sei diese hier nicht gewährleistet. Und weil ihm das Wohl der Ustertagbesucher offenbar am Herzen liegt, übernimmt er gleich die ganzen Kosten für das abendliche Risotto. Und er wolle mindestens versuchen, dass der Regierungsrat dies bei den künftigen Ustertagfeiern ebenso halte.

