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Der Nebel lichtete sich für den Ustertag

Nebel zum Anfang und zum Schluss des Ustertages: Impressionen von einer Feier, die nach einer Zwangspause wieder aufleben konnte.

Der Nebel hat sich gelichtet. Die Stadtpräsidentin zeigt dem Hauptredner von der Schlosszinne herab die Stadt.

Foto: Christian Brändli

Der Nebel lichtete sich für den Ustertag

Zu den Gepflogenheiten des Ustertages gehört der Empfang der Redner durch den Stadtrat hoch oben im Schloss. Stadtpräsidentin Barbara Thalmann schwärmte im Rittersaal dem Hauptredner Martin Scholl vor, welch tolle Aussicht auf die Stadt von der Zinne möglich sei. Leider, so meinte sie, dürfte die Zeit kaum ausreichen, um das zu geniessen. Das noch grössere Hindernis aber blendete sie aus: Zur Mittagszeit war Uster noch völlig im Nebel verhüllt. Die aufkommende Festfreude war es dann wohl, die die Schwaden gegen 13 Uhr vertrieb. Die Stadtpräsidentin packte die Gelegenheit am Schopf  – und mit dieser den ZKB-Chef. So konnte der doch noch einen klaren Blick auf die Kirche werfen, in der er bald darauf auf die Kanzel stieg.

Getrübte Sicht im Pulverdampf

Nach der Feier empfing die Compagnie 1861 die Teilnehmer bei schönstem Herbstwetter mit drei Salven, die kurzzeitig wieder für Sehbehinderungen sorgten, verbreitete sie doch einigen Pulverdampf. 

Nach dem Marsch zur Landihalle und einem Apéro teilte sich die Gesellschaft auf. Die einen genossen ein Risottoessen, die geladenen Gäste die Nachfeier im Stadthofsaal. Und dort kam Regierungsrat Ernst Stocker nochmals auf oben erwähnte Kanzel zu sprechen. Diese oder vielmehr die steile Treppe, die zu ihr hoch führt, bereitet ihm grosse Sorgen. Scholl habe in seiner Rede ja die Arbeitsplatzsicherheit thematisiert. Wie der Auf- und Abstieg der Vor- und Hauptredner gezeigt habe, sei diese hier nicht gewährleistet. Und weil ihm das Wohl der Ustertagbesucher offenbar am Herzen liegt, übernimmt er gleich die ganzen Kosten für das abendliche Risotto. Und er wolle mindestens versuchen, dass der Regierungsrat dies bei den künftigen Ustertagfeiern ebenso halte.

Vielleicht versucht sich da der Regierungsrat mit Uster gut zu stellen. So erinnerte die Stadtpräsidentin an der traditionellen Nachfeier, an der ebenso traditionell gefrotzelt wird, an den jüngst wieder von der SVP vertieften Stadt-Land-Graben. Während dieser Diskussion sei auch die Idee aufgeworfen, Uster statt Zürich zur Kantonshauptstadt zu erheben. Natürlich zeigte sich Barbara Thalmann ob dieser Idee erfreut, « zumal die SVP offenbar die hiesige links-grüne Regierung gut findet. »

Küsnachter aus dem Tessin

Zu den regelmässigen Spendern am Ustertag gehören auch die beiden Seegemeinden Küsnacht und Stäfa. Sie kredenzen jeweils ihren Wein. Ustertag-Obmann Werner Egli bedankte sich bereits in der Kirche für « diesen direkten und flüssigen Finanzausgleich » . Diesmal allerdings stammte der Küsnachter Wein aus der halben Schweiz. Ein Spätfrost hatte fast der ganzen Traubenernte den Garaus gemacht. Doch Tessiner, Aargauer, Bündner, Waadtländer und Zürcher Winzer sprangen ein. Das Resultat: ein roter « Plan B » -Cuvée.

Noch mehr von diesem Wein liess der Küsnachter Gemeindepräsident Markus Ernst an der Nachfeier verteilen – an all jene, die er aufs Korn nahm. Und das waren einige. Das fing beim ehemaligen SVP-Nationalrat Claudio Zanetti aus Gossau an. Dieser war an der letzten Grossdemo gegen das Covidgesetz als Redner aufgetreten und nun am zertifikatspflichtigen Ustertag mit dabei. Den Tafelmajoren Thomas Hürlimann bedachte er mit einer Flasche wegen dessen permanenten Hervorheben seiner neuentstandenen Mitte-Partei.

Gegen den Hauptredner spöttelte Ernst: « Er ist seit 40 Jahren bei der ZKB. Nach diesem ausführlichen und abschliessenden Lebenslauf gibt es auch für ihn eine Weinflasche. » Und schliesslich nahm er auch seine eigene Gemeinde ins Visier. Kürzlich habe ein deutscher Steuerflüchtling an einem Bankschalter zum Angestellten geflüstert, dass er hier zwei Millionen habe. Darauf habe der Banker gemeint: « Sie brauchen nicht zu flüstern, in unserem sozialen Küsnacht ist Armut keine Schande. »

Alkoholische Schwaden

Den Glanzpunkt der diesjährigen Nachfeier setzte die Ustermer SVP-Gemeinderatspräsidentin Anita Borer. In Reimen teilte sie nach links und rechts aus. Hier ein kurzer Auszug:  

« De Scholl, dä tänkt no positiv,
Doch zinse tuet er negativ!
Dank eus’re kantonale Bank,
Sind alli zäme schliessli blank!
Werum mer s’Gält zur Bank gliich treit…?
Mer bringts vor sich in Sicherheit.

All Thalmä sind, … das isch kei Glosse,
Scho sit Jahrhunderte Genosse:
De Opa, Vater, Brüeder, Maa,
All händ e SP-Schwächi gha.
Drum seg die Thalme-Dynaschtie
Bim Uschtertag scho Sozi gsi!

D’Regierig isch harmonisch seeehr,
Dank Fründschaft vo de beide Fehr.
D’Jacqueline laat iri Gfängnis offe,
Drum isch scho mänge usegloffe.
Doch das isch sälte tragisch gsi:
De Mario fangt si wieder ii.

Und hüt no isch’s ‘ne cheibe wohl,
Wänn’s git en Huufe Alkohol.
Sind 1830 i d’Beize gschprunge,
Drum seit me…: A Beerdigunge,
Wänn d’Schtäfner sich am Sag händ troffe,
Seg eine wenigschtens nöd bsoffe! »

Mit ihrem abschliessenden Aufruf zum Anstossen auf den Ustertag mochte sich vielleicht bei dem einen oder anderen nach dem vielen Wein vom Mittagessen, dem Apéro in der Landihalle und der Nachfeier wieder etwas Nebel eingeschlichen haben – mindestens gefühlsmässig.  

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