Eine Bühne, ein Dirigent, 80 Sängerinnen und Sänger, vier Solisten und ein Orchester mit 34 Musikerinnen und Musikern – was bis noch im letzten Jahr ganz normal war, mutet heute fast schon ein wenig surreal an. 20 Monate Pandemie haben die allgemeine Wahrnehmung verändert. « Es ist eine richtiggehende Erlösung » , sagt der Chorsänger Toni Merz aus Wetzikon. Wissend, dass er am Samstag Abend zum Abschluss der jährlichen Chorwoche Zürcher Oberland als Teils dieses grossen Kollektivs auf der Bühne stehen und das einstudierte Beethoven-Programm präsentieren wird.
An diesem Donnerstag Nachmittag ist der grosse Moment zwar noch knapp zweieinhalb Tage entfernt, doch in den Köpfen bereits präsent. Rund 45 Sängerinnen und Sänger, vor allem Pensionäre, sind anwesend, um unter der Leitung des Dirigenten und Organisators der Woche, dem Wetziker Roger Widmer, in der alten Turnhalle zu proben. Sie besuchen den Tageskurs, während der andere Teil des Ensembles sich am Abend zusammenfindet.
Fast siebenmonatiges Chorsingverbot
Der Klang der Stimmen füllt die Halle, man spürt die Konzentration und die Passion der Teilnehmenden. Das Gros von ihnen hat im letzten Jahr kaum bis nie gesungen. Corona hat die Choraktivitäten und das Chorleben fast gänzlich verunmöglicht. « Es ist wunderbar » , schwärmt Regula Walder aus Bäretswil, die sonst vor allem in der Kirche singt. « Diese Woche ist für mich wie Ferien, ich bin so dankbar. » Und Toni Merz, der seit Jahrzehnten Teil des Madrigalchor Wetzikon ist, fügt an: « Seit 1992 habe ich nie so lange nicht gesungen. »

