Im Chrummenacher ist der Bagger aufgefahren
Da hatte es wohl jemand eilig. Als Heinz Marti, Präsident der Wohnbaugenossenschaft Effretikon-Illnau, das Wort ergreift, um das feierliche Prozedere des Spatenstichs zu eröffnen, klafft hinter ihm jedenfalls schon ein beachtliches Loch. Daneben steht ein Bagger. Symbolisch passt die Szenerie indessen gut. Der Erweiterungsbau der Alterssiedlung im Chrummenacher, so Marti, soll einen «Zeiten wechsel » einläuten – einen « Zeitenwechsel » , der sich nicht länger aufschieben lässt.
« Die Anforderungen an Wohnungen der aktuellen und angehenden Seniorinnen und Senioren haben sich verändert, sie benötigen mehr Platz » , sagt Marti. Und: « Vor 30 Jahren haben wir unter der gleichen Prämisse begonnen, unsere 1-Zimmer auf 2½-Zimmerwohnungen zu erweitern, nun ziehen wir das weiter. » Tatsächlich werden nun im 2002 sanierten Mehrfamilienhaus erstmals 3½-Zimmerwohnungen erstellt.
Aus 1- werden 3½ -Zimmerwohnungen
Während die 16 2½-Zimmerwohnungen unberührt bleiben, werden die vier verbliebenen 1-Zimmerwohnungen zu 3½-Zimmerwohnungen mit 83 Quadratmetern erweitert – alle mit modernem Ausbaustandard und einem 20 Quadratmeter grossen Balkon. Die Hauswartwohnung im Erdgeschoss wird gar auf 5½ -Zimmer mit 130 Quadratmeter ausgebaut.
Zum Einsatz kommen dabei wo immer möglich Fertigbauelemente, die wiederum von lokalen Lieferanten verbaut werden. Geplant ist eine Bauzeit von gut einem Jahr, kosten wird das Projekt 2,5 Millionen Franken. Der neue Mietzins, so Marti, solle « deutlich unter 2000 Franken » zu liegen kommen.
Ihren Teil dazu beigetragen hat freilich auch die Politik, die am Spatenstich mit den beiden Stadträten Samuel Wüst, Vorsteher des Ressorts Gesellschaft (SP) und Vorstandsmitglied der Wohnbaugenossenschaft Effretikon-Illnau, und Marco Nuzzi, Vorsteher des Ressorts Hochbau (FDP), prominent vertreten ist. Um den Bau überhaupt erst zu ermöglichen, hat sie tatkräftig mitgeholfen, eine alte Baulinie aufheben zu lassen, die dem Projekt zuvor im Weg gestanden war. Davon profitiert die Wohnbaugenossenschaft Effretikon-Illnau auch insofern, als dass sie kein Land zukaufen musste.
Auch an der Wiesenstrasse soll erweitert werden
Für die total 153 Wohnungen zählende Baugenossenschaft soll das aber nur der Anfang sein. Die aktuelle Zeit ist günstig, um Investitionen zu tätigen und sich für die Zukunft zu rüsten. Deshalb hat man bereits auch Erweiterungsmöglichkeiten in der zweiten Alterssiedlung an der Wiesenstrasse in Effretikon ins Auge gefasst. Die dortige Liegenschaft ist eine Nummer grösser und zählt 46 Wohnungen. Um grössere Umsiedlungen und Wohnengpässe zu vermeiden, müsste ein Umbau zwar in Etappen laufen, doch in zwei Jahren, so Marti, könnte man allenfalls bereits beginnen.
Generell, so sagt Stadtrat Samuel Wüst, sei Illnau-Effretikon ein attraktives Pflaster für ältere Bewohnerinnen und Bewohner. Neben den Liegenschaften der Wohnbaugenossenschaft gibt es noch das Seniorenzentrum Oase in Effretikon und vor allem das im Zentrum gelegene Alters- und Pflegezentrum Bruggwiesen. Eine weitere Überbauung mit 34 Alterswohnungen und zwei Pflegewohngruppen plant aktuell die Genossenschaft Sonnenbühl auf dem Gupfen-Areal an der alten Effretikerstrasse in Unter-Illnau, das ihr die Stadt 2019 veräussert hat.
Und nicht zuletzt sind im Rahmen der Zentrumsüberbauung Stadtgarten durch die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Habitat 8000 noch einmal 16 2½ – und 3½-Zimmerwohnungen in Planung, die dereinst durch das Alters- und Pflegezentrum betrieben werden sollen. « Sie sehen, das Angebot ist gut, die Wege kurz » , sagt Stadtrat Wüst und schiebt nach: « Man muss den Leuten heute schliesslich auch etwas bieten. »
