Es ist ein Bild, das in diesen ländlichen Gefielden normaler eigentlich nicht sein könnte. Und dennoch wirkt es in diesem Szenario schief. « Keine Sorge » , sagt Urs Altorfer und schmunzelt, als er auf der anderen Seite seines Hofs den grossen grünen Traktor die Usterstrasse kreuzen sieht. « Das ist der Nachbar. Ich habe wirklich keinen. »
Ein Bauer ohne Traktor? Was im Jahr 2021 kaum mehr vorstellbar scheint, ist hier am nördlichen Ende Bertschikons noch Realität. Urs Altorfer bestellt seine 16 Hektaren Land nicht mit einem motorisierten Fahrzeug, sondern mit Pferden. So wie es schon sein Vater Willi gemacht hatte. Ein Pferdenarr, der bei allen Vorteilen und Annehmlichkeiten, die der Traktor mit sich bringt, nie dessen Verlockungen erlegen ist.
Zucht in der fünften Generation
Als es vor 16 Jahren darum ging, die Nachfolge zu regeln, war für Urs Altorfer klar, dass er die Tradition weiterführen würde. Auch weil der Vater in den 1960er-Jahren eine eigene Zucht mit Schweizer Warmblutpferden begonnen hatte und diese seit Beginn im Zentrum des Betriebs steht – unterdessen bereits in der fünften Generation. « Man kann Pferde enorm vielseitig einsetzen, sei es im Futter- und Ackerbau, für Transporte oder für Gesellschaftsfahrten » , erzählt Altorfer. Und: « Sie sind ein Markenzeichen des Hof Müselacher. Die Kunden finden das faszinierend. »
In seinem Rücken grasen derweil vier Pferde. Richtig nahekommen mögen sie trotz Lockrufen nicht. Entweder misstrauen die Zuchtstute Kira, der Wallach Kim und die Fohlen Lio und Lou dem Besuch, oder sie geniessen einfach nur gemeinsam den schönen Tag. Schlimm ist das nicht, die Arbeit werden heute zwei andere Zugpferde verrichten.

