Unter der Treppe stapeln sich Koffer, an der Garderobe hängt ein Konzertkleid: Bei Patricia Kopatchinskaja scheint alles bereit zu sein für den Neustart. Im Kalender herrscht allerdings noch das blanke Chaos. Abgesagte Termine, verschobene Termine, aus dem Nichts hervorgezauberte Termine … Es sei schrecklich und faszinierend zugleich, hat sie in ihrer Antwort auf die Interviewanfrage gemailt. Und dann auch noch einen Gesprächstermin in ihre Agenda gesetzt.
Patricia Kopatchinskaja, wie ging es Ihnen in diesem Corona-Jahr?
Im ersten Lockdown bin ich in eine Depression geraten. Das habe ich noch nie erlebt. Es war, wie wenn man allen Vögeln das Zwitschern verbieten würde. Was sind sie dann? Sind sie immer noch Vögel? Der Lockdown war wie ein Berufsverbot für Musiker. Da kommen dann alle diese Gedanken, du kannst nichts, du bist niemand …
Viele haben weiter gezwitschert und Konzerte aus ihren Wohnzimmern gestreamt.
Ich war entsetzt, als ich das sah! Wir dürfen nicht gratis Kunst anbieten, wir sägen damit den Ast ab, auf dem wir sitzen. Die Menschen müssen wissen, dass auch wir Brot essen, nicht Noten.

