Peter Frei traute seinen Augen nicht, als er Ende August, mit Einwilligung von Hinterbliebenen, den Berichtsentwurf der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) zum Absturz der Ju-52 am Piz Segnas las. Die Piloten seien an diesem verhängnisvollen Samstagnachmittag vom 4. August 2018 viel zu langsam und zu tief in den Talkessel eingeflogen, weshalb es zum verhängnisvollen Unglück mit 20 Todesopfern gekommen sei.
Dem diplomierten Maschineningenieur ETH kamen an der Richtigkeit dieser Unfallhypothese sofort Zweifel auf: «Dass zwei erfahrene Piloten im Geradeausflug aus dem Reiseflug eine Ju-52 einfach so in den Strömungsabriss fliegen, diesen nicht mehr aufheben können, über den linken Flügel abkippen und dann am Boden aufschlagen, ist nicht nachvollziehbar», sagt Frei.
Der erfahrene Luftfahrtingenieur, der die beiden Piloten persönlich kannte, führte deshalb selber Berechnungen und Recherchen durch und bemerkte laut eigenen Aussagen «zahlreiche krasse Fehler» und «eine fehlende Sorgfalt» in der Interpretation der rekonstruierten Daten durch die Sust. Das berichtet die «SonntagsZeitung» in ihrer jüngsten Ausgabe.
«Eine Ohrfeige für alle Hinterbliebenen»
Frei ist nicht irgendjemand, der 66-Jährige war beim Solarflugzeug-Projekt Solar Impulse des Westschweizers Bertrand Piccard für die Aerodynamik und Flugmechanik der modernen Maschinen verantwortlich und ist somit eine Kapazität, wenn es um die Berechnung und Analyse von Flugdaten geht.

