Homeoffice wird zu den neuen Realitäten gehören, die uns von dieser Krise bleiben, wenn sie denn einmal überstanden ist. Gut so – die Pendlerei vermisst niemand, und das Grossraumbüro kann auch richtig nerven. Andererseits: Irgendwann hat man es satt, ständig in der eigenen Wohnung zu arbeiten. Und in der Regel hat man entweder Kinder oder seine Ruhe, aber selten beides. Manche sind deshalb im Frühjahr dazu übergegangen, einige Tage oder Wochen aus ihrem Ferienhaus zu arbeiten, verlegten ihr Heimbüro kurzerhand in die Lenzerheide oder an den Neuenburgersee. Homeoffice, aber nicht zu Hause.
Sie setzten damit im Kleinen jenes Modell um, das unter dem Stichwort Digitales Nomadentum zum Hype geworden ist: Arbeiten von der ganzen Welt aus. Es gibt Menschen – sie sind Programmierer oder Grafikdesignerinnen oder Texter –, die jahrelang als Rucksackunternehmer um die Welt reisen; die Hotspots sind Bali, Chiang Mai, Medellín und Lissabon. Klingt traumhaft, aber auch sehr anstrengend.
Bergell statt Bali
Andere haben sich für eine LightVersion dieses Lebensstils entschieden: zwei Monate in der Schweiz, zwei Monate im Ausland. Das erlaubt, einen Freundeskreis zu pflegen und einen Rückzugsort in der Heimat zu haben, wenn die Reiserei zu anstrengend wird.
Adrian Schimpf ist einer dieser Teilzeitnomaden. In den vergangenen zwei Jahren hat der36-Jährige auf der ganzen Welt gearbeitet; je ein paar Wochen in Vietnam, Malaysia, Japan, Ecuador, Kalifornien, Hamburg, Marokko oder auf Gran Canaria. Zusammen mit seiner Partnerin führt er eine Digitalagentur, sie haben eine Wohnung in Zürich und treffen sich regelmässig im Ausland. Seit Januar und dem Ausbruch der Corona-Pandemie aber hat Schimpf die Schweiz praktisch nicht mehr verlassen. Dafür sucht er sich nun Arbeitsorte in der Nähe, war in Klosters und in Südtirol, der Heimat seiner Partnerin.

