Erst wenige Tage ist es her, da gab sich Bundesrat Alain Berset gelassen. «Wenn wir im Bundesrat überzeugt wären, in zehn Tagen seien die Spitäler in der ganzen Schweiz überlastet, hätten wir noch strengere Massnahmen beschlossen.» Vor diesem Szenario hatten zuvor sowohl die wissenschaftliche Taskforce als auch ein Vertreter der Armee gewarnt, die die schweizweite Erfassung der Spitalkapazitäten koordiniert.
Inzwischen ist beim Gesundheitsminister die Gelassenheit weg. An der Pressekonferenz des Bundesrates am Mittwoch empörte sich Berset darüber, dass ein Teil der Kantone immer noch nicht dringende medizinische Eingriffe durchführe. «Es gibt Kantone, die immer noch ein Vollprogramm an Wahleingriffen fahren. Es schwer verständlich, dass diese so weitermachen, als wäre nichts geschehen.» Berset forderte mehr Solidarität und Koordination unter den Kantonen.
Bereits vor der Pressekonferenz hatte der Bundesrat zusammen mit der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) einen Brief an alle Kantone geschrieben. Es sei ihre Pflicht, für genügend Behandlungskapazitäten für Corona-Patienten zu sorgen, wird den Kantonen mitgeteilt und dabei auch auf die Corona-Verordnung verwiesen.
Nicht als Positivbeispiel erwähnt wird vom Sprecher der GDK ausgerechnet Zürich. Der Kanton verfügt über die mit Abstand grössten Spitalkapazitäten der Schweiz. 328 Plätze auf Intensivstationen sind in Zürich vorhanden. 220 waren am Mittwoch belegt, 52 von Corona-Patienten. Der Vergleich mit den Zahlen vor einer Woche zeigt, dass Zürich bislang vor allem Reserven abbaut, um Corona-Patienten aufnehmen zu können. Die Zahl der Nicht-Corona-Patienten auf den Intensivstationen hat sich nur wenig reduziert. Vor einer Woche waren 200 Plätze belegt, bei 20 Corona-Patienten.
Zürich übernimmt Patienten aus anderen Kantonen

