Das Coronavirus, hört man von Psychiaterinnen und Psychologen, verstärke bereits vorhandene psychische Störungen: Depressionen, manische Schübe, Süchte, Angstzustände, Zwangssymptome und posttraumatischen Stress. Vor allem der Alkoholkonsum nimmt bei jenen Menschen stark zu, die bereits ein Problem damit haben. Das alles hat zu einem Anstieg der Anzahl Patientinnen und Patienten in den psychiatrischen Kliniken geführt.
Diese Entwicklung war zu erwarten. Für Patienten mit psychischen Problemen baut sich jede zusätzliche Schwierigkeit noch viel beklemmender auf, vor allem, wenn diese sich allein fühlen und verängstigt sind. So gesehen stellt die Corona-Krise für sie eine besondere Bedrohung dar, noch verstärkt durch Begleitsymptome wie Jobverlust oder Kurzarbeit mit allen wirtschaftlichen Folgen, aber auch Einsamkeit, die aus der sozialen Distanz heraus entsteht.
Besser als nichts
Die Probleme verschärfen sich umso mehr, als die Patienten ihre Therapeutinnen und Therapeuten wegen der Ansteckungsgefahr nicht in der Praxis besuchen sollten und zum Teil aus psychischen Gründen gar nicht können. Stattdessen findet die Therapie am Telefon oder per Videoschaltung statt. Das ist nicht ideal, aber praktikabel. Beim ersten Schweizer Lockdown haben sich diese alternativen Methoden bewährt. Eine nicht repräsentative Befragung von 500 Patientinnen und Patienten ergab, dass diese die fernmündliche Behandlung sinnvoll und nützlich finden.
Das Problem dabei: Im Tarifsystem Tarmed ist eine telefonische Behandlung auf 20 Minuten beschränkt, für ein Videogespräch gibt es gar keine Möglichkeit zur Abrechnung. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat während des ersten Lockdown diese Begrenzung per Sonderregelung aufgehoben. Die Therapeuten konnten bis zu 75 Minuten mit ihren Patienten reden oder per Videokonferenz kommunizieren.

