Keine Umarmungen, erst recht keine Hütedienste: Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr verfügte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein rigides Regime für Grosseltern und ihre Enkel. Erst als die Infektionszahlen aufgrund des Lockdown zurückgingen, hob das BAG die Empfehlungen auf.
Jetzt aber breitet sich Covid-19 wieder rasant aus – und viele ältere Menschen stehen erneut vor der Frage, ob sie zu ihren Enkelkindern auf Distanz gehen müssen. Der Verband Pro Senectute wird hierzu wieder vermehrt um Rat gefragt, wie Mediensprecherin Tatjana Kistler sagt. Und auch diesmal sorgt der Bund mit seinen Inputs für Verunsicherung und Ärger.
«Viele über 65-Jährige sind gesund»
Zwar verzichtet das BAG, anders als bei der ersten Welle, bis jetzt auf eindeutige Verhaltensregeln . Auf seiner Website schreibt das Amt, Grosseltern müssten « selbst entscheiden, ob sie ihre Enkelinnen und Enkel hüten möchten » . Betont wird indes auch, dass Personen ab 65 Jahren « besonders gefährdet » seien. Dies gelte es bei Kinderhütediensten zu berücksichtigen. In ähnlichem Sinn äusserte sich auch eine BAG-Vertreterin an der Medienkonferenz von letztem Freitag.
Pro Senectute findet es « sehr unglücklich und nicht nachvollziehbar, dass das BAG sämtliche Menschen über 65 Jahren zur sogenannten Risikogruppe zählt » , wie Sprecherin Kistler festhält. « Viele über 65-Jährige sind gesund und fit. Bei ihnen spricht nichts dagegen, dass sie Kinder hüten. » Pro Senectute rate nur den wirklich Hochaltrigen sowie Leuten mit Vorerkrankungen, auf Hütedienste zu verzichten. Zu den Hochaltrigen könne man tendenziell Menschen über 80 rechnen. « Wir raten aber davon ab, mit fixen Altersgrenzen zu operieren » , so Kistler. « Vielmehr ist die Veranlagung jedes Einzelnen entscheidend. »

