Man will sich gar nicht vorstellen, wie Stefan Kusters Wochenende war. Der Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hat sich am Freitag den wohl grössten Behördenlapsus geleistet, den die Schweiz seit Ausbruch der Corona-Pandemie gesehen hat. Er erklärte einen jungen Berner öffentlichkeitswirksam für tot und sparte dabei nicht mit Details. Peinlich: Einige Stunden später schaltete das Bundesamt ein Korrigendum auf. Quintessenz: Der junge Mann aus Bern lebt. Er sitzt lediglich mit Covid-Symptomen in Isolation.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Informationspanne das BAG in Verlegenheit bringt. Nach der letzten hatte Gesundheitsminister Alain Berset das Amt noch verteidigt: «Jeden Tag erreichen das BAG viele Anfragen von Medien und Bürgern. In so einer Situation kann ein Fehler passieren.»
Das trifft zu. Im aktuellen Fall ist allerdings nicht nur ein Fehler passiert, vielmehr haben sämtliche Kontrollmechanismen versagt. Die folgende Chronologie zeigt, weshalb die Alarmglocken bei den Verantwortlichen schon viel früher hätten läuten müssen – und wie schlecht die Zusammenarbeit zwischen den Behörden funktionierte.
Das Protokoll
Donnerstag, 16 . 53 Uhr: Die Redaktion Tamedia fragt bei der Gesundheitsdirektion des Kantons Bern nach, was es mit dem Todesfall in der Altersklasse 20 bis 29 auf sich hat, der sich laut Statistik auf Berner Kantonsgebiet ereignet hat. Um 18.39 Uhr trifft per Mail eine knappe Antwort ein: «Danke für die Anfrage. Wir geben keine Patientendaten weiter.»

