Ein kleines Dorf, ein kleiner Bahnhof. Und von hier nochmals zwei Kilometer dorfauswärts. Die Familie M. (alle Namen geändert) wohnt im äussersten Zipfel der Schweiz, im schaffhausischen Thayngen. Der Vorteil hier: Die Miete ist günstig, und die Kinder haben viel Bewegungsfreiheit. Im Sommer sind sie fast immer draussen, im Garten oder im nahen Wald.
Im Haus ist es laut und lebhaft. Mara (3) hat das Handy des Vaters, Luis (5) will auch. Im oberen Stock spielt die 11-jährige Simona mit ihrem Onkel Fangis. Und dann ist da noch Baby Ava. Fiona und Rémy, 31- und 34-jährig, haben im Frühling ihr viertes Kind bekommen. Eine Grossfamilie, wie es sie heute in der Schweiz kaum noch gibt. Das Ehepaar M. hat gern Kinder und ist bereit, auf Luxus zu verzich ten. Auf Skiferien und Restaurantbesuche, zum Beispiel.
Sie gehören zu jenen vielen Eltern, die sich für das traditionelle Familienmodell entschei den – einfach umgekehrt. Mutter Fiona sorgt als kaufmännische Angestellte bei der Post für das Familieneinkommen; Vater Rémy ist Hausmann und schaut zu den Kindern.
Der Vater daheim
Gewollt war das nicht. Als Rémy bei der Geburt des zweiten Kindes seinen Job verlor und auf Stellensuche ging, merkten sie bald: Es lohnt sich nicht, dass beide arbeiten gehen. Er hatte als Jugendlicher seine Lehre zugunsten einer Fussballerkarriere abgebrochen. Als ungelernter Arbeiter hätte er einen Lohn, der von den Kinderbetreuungskosten, höheren Steuern und weg fallender Prämienverbilligung gleich wieder aufgefressen wür de. Hinzu käme der Stress mit der Organisation. Rémy blieb darum zu Hause.

