Géraldine Knie, kürzlich hat sich Ihr Vater aus der Manege verabschiedet. Wie haben Sie diesen Moment erlebt? Wir weinen immer noch. Das war ein sehr emotionaler Moment. Seit ich denken kann, stehe ich mit meinem Vater in der Manege. Und obwohl wir seit zwei Jahren wussten, dass er beim 100-Jahr-Jubiläum zum letzten Mal auftreten würde, haben wir es lange verdrängt – auch, damit die Kinder nicht allzu traurig sein würden. Es war hart, zu sehen, wie selbst mein 18-jähriger Sohn Ivan Frédéric Tränen in den Augen hatte.
Und Ihr Vater?
Gerade für ihn war es sehr emotional. Doch sein Entscheid stand fest: «Alles oder nichts», sagte er immer. Nur noch in den Abendshows oder grösseren Städten aufzutreten und sich langsam zurückzuziehen, kam für ihn nie infrage.
War von Anfang an klar, dass Sie in seine Fussstapfen treten würden?
Wir von der siebten Generation – Franco junior, Doris und ich – haben in den letzten Jahren schrittweise mehr Verantwortung übernommen. Zwischen uns dreien gibt es aber keine Hierarchien, jeder ist für einen bestimmten Bereich zuständig: die Artisten, die Technik, die Administration. In den letzten Jahren war mein Vater schon gewissermassen unser Wegbegleiter und stand uns beratend zur Seite. Er hat uns nie etwas vorgeschrieben, fand immer: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
«Meine Kinder zu betreuen und ihnen selber die Windeln zu wechseln, all das wollte ich mir nicht nehmen lassen.»
Sie sind die erste Frau an der Spitze des Circus Knie, gleichzeitig auch Mutter von drei Kindern. Wie meistern Sie diese Doppelbelastung?
Meine Kinder sind mein Ein und Alles, meine grosse Liebe. Im Zirkus lassen sich Kinder und Arbeit zum Glück gut unter einen Hut bringen. Für meine Kinder da zu sein, ihnen in den ersten Lebensjahren die Windeln zu wechseln, all das wollte ich mir nicht nehmen lassen. Aus diesem Grund hatte ich mich eine Zeit lang auch etwas zurückgezogen und war in der Manege weniger präsent. Ich hatte aber tolle Unterstützung von meinen Eltern, meinem Mann und der ganzen Familie.

