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«Wir wussten immer, dass der Tag X kommen wird»

Wo und ob der Pfäffiker Biergarten im nächsten Jahr seinen Betrieb aufnehmen wird, ist nach wie vor ungewiss. Mitbesitzer Andreas Brüllmann und Betriebsleiter Paul Buchs blicken auf sechs Saisons am Seequai zurück. Nicht ohne Wehmut.

Paul Buchs (links) und Andreas Brüllmann hoffen, den Biergarten an einem neuen Standort wieder eröffnen zu können.

Seraina Boner

«Wir wussten immer, dass der Tag X kommen wird»

Das Wichtigste in Kürze

  • 2004 nahm der Brüllbier’s Biergarten seinen Betrieb als Zwischennutzer am Pfäffiker Seequai auf
  • Im letzten Jahr kam die Nachricht, die Saison 2019 werde die letzte
  • Nun suchen die Betreiber nach einem neuen Standort

 

Die sechste Saison des Biergartens am Pfäffiker Seequai geht langsam aber sicher zu Ende. An schönen Sommerabenden ist der Treffpunkt jeweils bis auf den letzten Stuhl und Heuballen besetzt. Als vor einigen Wochen Bauvisiere aufgestellt wurden, war die Freude bei vielen Gästen gross: Der Biergarten baut aus! Doch die Realität könnte weiter nicht davon entfernt sein. 

«Wir staunen immer wieder, dass Vielen nicht bewusst war, dass wir hier nicht ewig bleiben werden», sagt Andreas Brüllmann, Besitzer der Brauerei Brüllbier in Tagelswangen und Mitinhaber des Biergartens. Das Areal gehört dem Winterthurer Architekt Giovanni Cerfeda, der darauf eine Überbauung realisieren will. Da sich die Baupläne immer wieder verzögerten, stellte er die Fläche den Bierbrauern zur Zwischennutzung zur Verfügung (wir berichteten). 

Baugesuch eingereicht

«Als wir mit dem Biergarten gestartet sind, hatten wir mit einem Betrieb von zwei, maximal drei Jahren gerechnet», sagt Brüllmann. «Jedes weitere Jahr war ein Geschenk.» Er könne die Bestürzung seiner Gäste dennoch nachvollziehen, man gewöhne sich nun einmal schnell an ein Angebot. «Aber wir wussten immer, dass der Tag X kommen wird, an dem wir unsere Sachen wieder packen müssen.» 

Jeweils Ende Jahr sei der Entscheid des Grundeigentümers gefallen, ob der Biergarten noch einmal eine Saison bleiben darf. «Wenn wir nichts hörten, hiess das, dass wir bleiben dürfen», sagt Brüllmann. «Da haben wir jeweils schon etwas gebibbert.»

Im letzten Jahr kam dann jedoch die Nachricht. Der Sommer 2019 sollte für den Biergarten den letzten sein. Tatsächlich hat Bauherr Giovanni Cerfeda sein Bauprojekt mittlerweile eingereicht. Auf dem Biergartenareal, zwischen Tischen und Klappstühlen, sind nun kleine Bagger am Werk, die den Untergrund für letzte Bodenprüfungen aufreissen. 

«Alle hatten Angst vor einem Halligalli-Betrieb, doch das war gar nie das Konzept.»

Andreas Brüllmann

Dazwischen stehen Andreas Brüllmann und Betriebsleiter Paul Buchs, der Vollzeit für den Biergarten arbeitet. Sie erinnern sich an die Anfänge des Gartens, als die Nachbarn noch Unterschriften sammelten gegen einen Betrieb. «Damals hatte man uns gar nicht zuhören wollen», erzählt Brüllmann. «Alle hatten Angst vor einem Halligalli-Betrieb, doch das war gar nie das Konzept.»

Stühle und Flaschen eingesammelt

Während der ganzen Zeit habe es nur einmal eine Reklamation wegen zu lauter Musik gegeben. «Und dieser Lärm stammte nicht einmal von uns, denn wir hatten gar nie Musik», sagt Buchs und lacht. «Durch ständige Musik wird der gesamte Geräuschpegel und die Gespräche lauter. Darum haben wir das von Anfang an ausgeschlossen.» 

Zwar habe er ab und zu leere Flaschen zusammennehmen müssen. «Und einmal ein paar Stühle am See vorne wieder eingesammelt. Sonst ist nie etwas passiert.» Auch die Nachbarn hätten schnell gemerkt, dass ihre Angst vor einem permanenten Oktoberfest vor dem eigenen Fenster unberechtigt war. «Viele Anwohner wurden sogar zu unseren Stammkunden und finden es schade, dass bald Schluss ist», sagt Brüllmann. 

«Ob wir noch einmal Fondue servieren können, steht in den Sternen.»

Paul Buchs

Der Biergarten hat sich in all den Jahren wenig verändert. Einzig die Speise- und Getränkekarte wurde schrittweise ergänzt. «Und die Gästezahl stieg stetig weiter an», sagt Andreas Brüllmann. Das Ziel, sein Tagelswanger «Brüllbier» bekannter zu machen, sei zwar erreicht. Aber: «In den Verkaufszahlen schlägt sich das noch nicht nieder.» Momentan sei er daran, weitere Verkaufsstellen zu suchen, damit das Bier überhaupt erst für die breite Masse erhältlich ist. Bisher waren der Rampenverkauf und der Biergarten die wesentlichen Verkaufsorte des Brüllbiers. 

Wann genau der Biergarten zum letzten Mal geöffnet sein wird, weiss niemand. Der Betrieb hängt momentan in erster Linie vom Wetter ab. «Im letzten Jahr hatten wir bis Ende Oktober Betrieb», sagt Paul Buchs. Dazu kommt die Ungewissheit, wann der Baubeginn der geplanten Häuser tatsächlich erfolgen wird. Denn ab Januar betrieb Buchs mit seinem Team jeweils für einige Wochen ein Fondue-Chalet. «Ob wir noch einmal Fondue servieren können, steht in den Sternen.» 

Bewerbung eingereicht

Nur etwas ist klar: Mit dem Biergarten soll es irgendwie weitergehen. «Wir sind auf der Suche nach einem neuen Standort», sagt Brüllmann. Am liebsten würden sie ihr Konzept einfach um rund hundert Meter gegen Osten verschieben. Denn die Gemeinde Pfäffikon hat den Pachtvertrag für den Imbiss am See neu ausgeschrieben.

Am Bewerbungsverfahren, dessen Eingabefrist am Montag zu Ende ging, haben sich auch Andreas Brüllmann und Paul Buchs beteiligt. «Natürlich hoffen wir, dass wir den Zuschlag erhalten», sagt Brüllmann. «Aber wir halten Augen und Ohren offen für andere Lösungen.» 

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