Ein Bier für Wetzikon
«Ein typisches Oktoberfestbier», stellte sich Peach Keller vor, als er die Idee für ein eigenes Wetziker Festbier hatte. Süffig sollte es werden. «Es hat mehr Alkohol und etwas weniger Kohlensäure», erklärt der Mitorganisator und Gastro-Chef des Bierfäschts, «ein sogenanntes Märzenbier.» Am letzten Donnerstag folgte dann der Moment der Wahrheit. Mit dem Fassanstich durch Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht feierte das Festbier seine Premiere.
Rückblickend zieht Keller ein positives Bierfäscht-Fazit: «Es ist sehr gut gelaufen», sagt er und stellt sogleich eine neuerliche Ausgabe im nächsten Jahr in Aussicht. Das Wetziker Bierfäscht ist nicht einfach ein weiteres Oktoberfest. Brezn und Weisswürste suchten die Gäste vergebens. Die Organisatoren setzten auf Lokales, was bei den Besuchern offenbar gut ankam. Wetziker Musiker brachten den in gelb-schwarz geschmückten Saal zum Kochen. Aufgetischt wurden Kartoffelsalat, Rollschinken und Wetzikerwürste – und eben das Wetziker Festbier.
Vieles funktioniert automatisch
Die Herstellung eines solchen Bieres erfordert viel Braukunst und Geduld. Mit Ueli Merz von der Brauerei Seebueb in Hombrechtikon, fand Keller einen passenden und erfahrenen Partner, der das Bier in gewünschter Qualität produzieren konnte. Die Brauerei in Hombrechtikon ist zwar komplett neu eingerichtet, Merz produziert aber schon seit einigen Jahren sein eigenes Bier.
Viele Schritte im Brauprozess sind heutzutage automatisiert. An einem grossen Computer kann der Braumeister die verschiedenen Produktionsschritte überblicken und kontrollieren. Einige Tests erfolgen aber nach wie vor von Hand. Ebenso das Abmessen und die Beigabe der Zutaten. Die Herstellung eines Bieres dauert mehrere Wochen. Bei unserem Besuch beginnt Merz gerade mit einem neuen Sud. Dafür hat er etwa knapp 150 Kilogramm Malz bereitgestellt, dass zusammen mit 700 Litern Brauwasser zur sogenannten Maische vermischt wird.
«Praktisch jeden Tag nehmen wir eine Probe»
Immer wieder kontrolliert Merz mit einem Brauerjodtest, ob die Stärke durch das Aufkochen der Maische bereits in Zucker umgewandelt worden ist. Im Anschluss wird er die Malzrückstände, den sogenannten Treber, von der Flüssigkeit, der sogenannten Vorderwürze, trennen. In einem nächsten Tank wird der Vorderwürze der Hopfen beigemischt. «Der Hopfen ist für die Bitterkeit und das Aroma zuständig», erklärt Merz und zeigt die kleinen grünlichen Pellets, die im ersten Moment etwas an Kaninchenfutter erinnern.
Danach landet die Mischung in den Gärtanks. Je nach Bier dauert der Gärprozess unterschiedlich lang. «Ein Festbier gärt eine gute Woche», erklärt der Braumeister. Nach der Gärung landet es zum Reifen in grossen Lagertanks. Diese sind mit einem kleinen Hahn ausgestattet. «Praktisch jeden Tag nehmen wir hier eine Probe», sagt Merz und schmunzelt. Das sogenannte «Zwickeln» gehört wahrscheinlich zu den Lieblingsbeschäftigungen von Bierliebhabern und Braumeistern.
Entsprechen das Aussehen, der Schaum und der Geschmack den Vorstellungen und den Qualitätsansprüchen von Merz und Gastro-Chef Keller, ist das Festbier bereit für den Genuss. Für die diesjährige Ausgabe des Bierfäschts scheinen die beiden alles richtig gemacht zu haben. Er habe durchwegs ein positives Feedback erhalten, freut sich Keller. Wiederholt schallte denn auch «Ein Prosit der Gemütlichkeit» durch den Saal und goldbraun schwappte das Wetziker Festbier in den Masskrügen der feiernden Besucher umher.
Lust auf Bier aus der Region bekommen? Die Brauerei Seebueb in Hombrechtikon feiert am Samstag, 6. Oktober, ab 11 Uhr ihre Eröffnung und lädt zur Degustation ihres Biersortiments ein.
