Generationenprojekt am Atzmännig muss in Extrarunde
Kanton verlangt Sondernutzungsplan
Bis 2026 sollten am Atzmännig für rund 20 Millionen Franken neue Anlagen entstehen. So lautete der Plan. Doch es kommt zu Verzögerungen.
Eine kombinierte Sessel- und Gondelbahn, eine moderne, längere Sommerrodelbahn und ein neues Verwaltungsgebäude: Die Sportbahnen Atzmännig AG will hoch hinaus und hat vor ziemlich genau einem Jahr ihr sogenanntes Generationenprojekt vorgestellt. Mit rund 20 Millionen Franken soll die angejahrte Infrastruktur in den nächsten zwei Jahren modernisiert und fit für die Zukunft gemacht werden.
Bis Ende 2024 wollten die Atzmännig-Verantwortlichen das sogenannte Plangenehmigungsverfahren beim Bundesamt für Verkehr (BAV) starten. In diesem Verfahren prüft das BAV, ob das Projekt alle Vorschriften erfüllt. Es sind einige Vorschriften: technische Details, Rechte von Betroffenen, Bestimmungen zur Raumplanung sowie Umwelt-, Natur- und Heimatschutz.
Von «sehr sportlich» …
Im optimalen Fall hätten die neuen Anlagen bereits 2026 in Betrieb gehen sollen. Gegenüber Züriost bezeichnete Geschäftsführer Roger Meier das Timing vor einem Jahr als «sehr sportlich».
Zu sportlich, wie es scheint. Zwar sind die Pläne für die Um- und Neubauten mittlerweile weit fortgeschritten. Auch die Verhandlungen mit zwei betroffenen Landbesitzern, die ihre Einwilligung für die nach oben verlängerte Rodelbahn geben mussten, sind abgeschlossen.
Doch wie so oft, wenn in der Schweiz gebaut wird oder werden soll, gibt es Verzögerungen. Grund ist ein Sondernutzungsplan, den der Kanton St. Gallen von der Sportbahnen Atzmännig AG verlangt.
Sondernutzungspläne sind ein raumplanerisches Instrument. Sie haben die Funktion, den Rahmennutzungsplan der Gemeinden zu ergänzen oder zu überlagern. Der Begriff Sondernutzungsplan stellt eine Sammelbezeichnung dar und umfasst beispielsweise Gestaltungspläne und Sonderbauvorschriften. (zo)
Damit hat der Kanton die Sportbahnen Atzmännig AG etwas auf dem falschen Fuss erwischt. «Wir planen Ersatzanlagen im bestehenden Perimeter. In dieser übergelagerten Freizeit-und-Sport-Zone werden seit Jahrzehnten Wintersport, Rodel- und Transportbetrieb angeboten. Daher sind wir davon ausgegangen, dass unser Projekt zonenkonform ist», sagt Geschäftsführer Meier.

Und da die Standortgemeinde Eschenbach ohnehin daran ist, ihren kommunalen Richtplan anzupassen, und dem Projekt wohlwollend gegenübersteht, wähnte sich Meier nach monatelangem und intensivem Austausch mit der Standortbehörde auf der sicheren Seite. Bis er Ende Februar zu einer Sitzung mit dem kantonalen Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (Areg) und dem Bau- und Umweltdepartement des Kantons St. Gallen geladen wurde.
Dort wurde ihm beschieden, dass ein Sondernutzungsplan zwingend erforderlich sei. Die Gründe sind das neue Talstationsgebäude, das laut Meier «ein paar Quadratmeter Landwirtschaftszone streift», und die neue Bergstation. Da diese gleichzeitig auch der Lagerung der Rodelschlitten dient, ist sie nicht mehr nur Bergstation.
Das hat Folgen: Die Sportbahnen Atzmännig AG hat ein Raumplanungsbüro in St. Gallen beigezogen, das sie bei der Erstellung dieses Sondernutzungsplans unterstützt. Kostenpunkt: 40'000 bis 60'000 Franken. Zeitbedarf: sechs bis neun Monate – wenn alles gut geht. Der Plan wird auf der Gemeinde Eschenbach aufgelegt und enthält ein Mitwirkungsrecht der Bevölkerung.
Und falls ein Eschenbacher oder eine Eschenbacherin davon Gebrauch macht und Einsprache erhebt, ergibt sich eine weitere Extrarunde von zwei bis drei Monaten.
… zu «super-super-sportlich»
Geschäftsführer Meier will vorwärtsmachen. Sein Frust ist im Gespräch deutlich hörbar: «Das Ganze ist eine bittere Pille.» Er will noch im Mai, also vor den Sommerferien, das Areg, das BAV, die Gemeinde Eschenbach und das Raumplanungsbüro an einen Tisch bringen, um möglichst rasch die Arbeiten am Sondernutzungsplan angehen zu können.
Er hofft, dass dieser bis Ende Jahr vorliegt, damit noch im ersten Quartal 2025 das Plangenehmigungsverfahren beim BAV beginnen kann. Dieses dauert in der Regel zwischen neun und zwölf Monaten. Ende 2025 würde Meier gerne mit dem Bau des neuen Verwaltungsgebäudes und im Sommer 2026 mit dem Bau der neuen Transportanlage starten, damit das Generationenprojekt im Jahr 2027 abgeschlossen ist. Eines weiss er schon jetzt: «Das wird super-super-sportlich.»