Gesellschaft

Gelebte Tradition auf dem Klosterhof in Oberlangenhard in Zell

Am Karfreitag werden bei Güttingers in Ober Langenhard seit Jahren Ostereier gefärbt. Dabei hilft traditionsbedingt die ganze Familie mit.

Nach dem Mittag beginnt das grosse Färben von gut 300 Eiern. Und die ganze Familie hilft mit.

Foto: André Gutzwiller

Gelebte Tradition auf dem Klosterhof in Oberlangenhard in Zell

Das grosse Eierfärben

Am Karfreitag werden bei Güttingers in Oberlangenhard seit Jahren Ostereier gefärbt. Dabei hilft traditionsbedingt die ganze Familie mit.

André Gutzwiller

Alle Traditionen haben eines gemeinsam: Man weiss nicht mehr so genau, wann sie begannen. So geht es auch Elsbeth Güttinger. Seit sie sich erinnern kann, trifft sich die ganze Familie am Freitag vor Ostern auf dem Klosterhof in Zell, um Ostereier zu färben. Dies dürfte bereits seit über 60 Jahren der Fall sein. Güttinger wie auch ihre Schwestern wissen nicht mehr genau, ob ihre Mutter diese Tradition schon früher ins Leben rief.

Diesen Freitagnachmittag war es wieder so weit. Die ganze Familie trifft sich mit Kind und Kegel am grossen Tisch, der im Tenn aufgebaut wurde. Darauf liegen 300 weisse Hühnereier vom Eiertom aus der Nachbarschaft. Schnüre, Strümpfe und frisch geschnittene Wiesenkräuter liegen bereit.

Fröhlich wird darauf losgearbeitet. Einige Eier werden mit Kräuterblättern belegt und mit Strümpfen fixiert. Andere wiederum werden mit mehreren Schichten versehen und wild umwickelt. Diese Ostereier entspringen einer eigenen Kreation und werden von ihren Macherinnen und Machern liebevoll «Pflutschi-Pflatschi-Eier» genannt.

Es gehört gar zum guten Ton, dass sich jeder neue Partner oder jede neue Partnerin, die in die Familie einzuheiraten gedenken, sich dem Karfreitag-Ritual stellen müssen. Wer nicht beim Eierfärben dabei ist, erhält auch keine Heiratserlaubnis.

Rund 300 Ostereier werden bei Familie Güttinger auf dem Klosterhof in Oberlangenhard jedes Jahr gefärbt.
Daniel Güttinger und Jasmin Brändle bei der Arbeit. Sie hat das Aufnahmeritual bereits bestanden, der Termin für den Namenswechsel ist aber noch nicht offiziell.

Tatsächlich gab es einmal einen Schwiegersohn, der bei diesem familiären Grossereignis an Karfreitag nicht auftauchte. Seine zweite Chance nutzte er dann an Weihnachten und brachte die Geschichte doch noch zu einem Happy End.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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