Politik

Parlament entscheidet über Projektkredit

Geht es mit dem behindertengerechten Bushof in Uster nun endlich voran?

Bisher wurde viel geplant, doch noch wenig umgesetzt. Nun beantragt Uster vom Parlament einen weiteren Kredit, um beim Busbahnhof endlich Tatsachen schaffen zu können.

Noch sind die meisten Buskanten am Bahnhof Uster nicht hindernisfrei ausgebaut. Dies soll sich wenn möglich bald ändern.

Foto: PD

Geht es mit dem behindertengerechten Bushof in Uster nun endlich voran?

Bisher wurde viel geplant, aber wenig umgesetzt. Nun beantragt der Stadtrat Uster beim Parlament einen weiteren Kredit, um für den Bushof endlich Tatsachen schaffen zu können.

Gut Ding will Weile haben. Doch diese Angelegenheit zieht sich doch etwas gar in die Länge. Schon vor sieben Jahren machte die Stadt Uster publik, dass sich der Bushof beim Bahnhof Uster, wo täglich 24’000 Personen in den Zug oder aus diesem steigen und 18’000 Personen verschiedene Buslinien nutzen, «wesentlich verändern» soll. Die neun Haltekanten, an denen insgesamt elf Buslinien verkehren, sind nämlich noch immer nicht hindernisfrei, sprich behindertengerecht, ausgebaut.

Das soll sich jetzt endlich ändern. Wie die Stadt mitteilt, soll das Areal um den Bahnhof einer grossen Umgestaltung unterzogen werden. Teile des rund 9,8 Millionen Franken teuren Grossprojekts? Ein neuer Bushof mit künftig zwölf behindertengerechten Haltekanten und mehr Veloabstellplätze.

Langer Vorlauf

Das Projekt gestaltete sich bislang alles andere als einfach für die Stadt Uster: Denn die SBB sind Eigentümer des Bushofs. Dennoch ist die Stadt für den Ausbau verantwortlich. Schon 2018 wurden diesbezüglich Machbarkeitsstudien durchgeführt und vom Stadtrat 240’000 Franken für die erste Projektphase bewilligt.

Allerdings ist bis heute nicht viel passiert – sämtliche Anlegekanten wurden noch nicht behindertenkonform auf 22 Zentimeter angehoben. Dabei verlangt das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG), dass alle Bushöfe per Ende 2023 hindernisfrei ausgebaut sind. Uster ist also ziemlich in Verzug.

2019 definierte ein Stadtratsbeschluss ein konkretes, im damaligen Rahmen zeitnahes Vorgehen. Die Pandemie und einige personelle Wechsel hätten jedoch zu Verzögerungen geführt. Herausfordernd war offenbar auch die Zusammenarbeit mit den SBB. So der Tenor aus dem Stadthaus.

Erste Priorität

Jetzt will man am Bahnhof Uster die verschiedenen Herausforderungen, die in dem begrenzten Raum gelöst werden müssen, angehen, wie es in einer Mitteilung heisst. So braucht es auch mehr Veloabstellplätze. Zudem seien die Verkehrsprobleme auf der Bankstrasse zu klären, und das gesamte Bahnhofzentrum solle attraktiver werden. «Um die zahlreichen Bedürfnisse angemessen zu berücksichtigen, war für das Projekt ‹Bahnhofzentrum Uster› eine umfassende Betrachtung notwendig», wird der zuständige Stadtrat Stefan Feldmann (SP) zitiert.

Da die Stadt hinsichtlich des BehiG in Verzug ist, geniesst der Bushof bei ihr höchste Priorität. «Gemäss Behindertengleichstellungsgesetz muss der öffentliche Verkehr für alle Personen selbständig nutzbar sein. Das ist am heutigen Bushof bislang noch nicht möglich», hält Feldmann fest.

Die hindernisfreien Haltekanten brauchen jedoch mehr Platz, zudem wird das Busangebot weiter ausgebaut. Damit genug Busse am Bahnhof Platz haben, sind auch hindernisfreie Haltekanten an der Bankstrasse nötig.

Sollte der Gemeinderat den Anträgen des Stadtrats folgen und einen entsprechenden Kredit von 650’000 Franken für die Ausarbeitung des Projekts bewilligen, würde als Erstes der neue Bushof umgesetzt. Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Bushof und den Bahnhofplatz Süd wohl auf 9,8 Millionen Franken – plus/minus einer Kostenabweichung von 20 Prozent und ohne den Zuschuss von Drittmitteln.

Bankstrasse ohne Durchgangsverkehr

Als Teil des neuen Bushofs soll im selben Zuge auch die Verkehrssicherheit auf der Bankstrasse direkt vor dem Bahnhof verbessert werden. Wegen der neuen Haltekanten soll in Zukunft die Bankstrasse zwischen der Amtsstrasse und der Poststrasse für Autos und Motorräder nicht mehr durchgängig befahrbar sein.

Auf diesem Abschnitt erhofft sich die Stadt, sowohl auf dem Strassenraum als auch beim Bushof einen besseren Ankunftsort gestalten zu können.

Das gesamte Projekt «Bahnhofzentrum Uster» sieht auch Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr vor. «Im Norden des Bahnhofs an der Industriestrasse möchte der Stadtrat mehr Veloabstellplätze schaffen», sagt Feldmann.

Dort soll eine neue Anlage mit rund 400 Veloabstellplätzen entstehen. Momentan gibt es am Bahnhof Uster 1390 Veloabstellplätze. Die Erstellung der Veloabstellplätze kann der Nachfrage folgend etappiert erfolgen. Bis im Jahr 2035 wird derzeit mit einem zusätzlichen Bedarf von 1000 Veloabstellplätzen gerechnet. Zudem sieht das Projekt vor, den nördlichen Ausgang der Unterführung Mitte attraktiver zu gestalten.

Einen Zeithorizont für den Beginn der Bauarbeiten oder den Abschluss des Projekts gibt es derzeit noch nicht. Zunächst wird sich das Ustermer Parlament im September oder Oktober zum Projektierungskredit äussern. Gemäss Feldmann wird eine Kommissionssitzung für dieses Grossprojekt wohl nicht ausreichen.

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