Für ihren Traum verlässt sie das vertraute Umfeld
Illnauer Eishockey-Talent
Alessia Baechler ist erst 19 und schon Serienmeisterin. Seit dieser Saison spielt die Illnauerin für den HC Davos – er ist für sie aber nur eine Etappe vor einem weit grösseren Abenteuer.
Am Wochenende gab es für Alessia Baechler die nächsten Erfolgserlebnisse im Trikot des HC Davos. Dabei setzte die Verteidigerin mit einem Tor und zwei Assists wiederholt auch in der Offensive wichtige Akzente.
Erst seit dieser Saison spielt die Illnauerin im Bündnerland – und reitet dort auf einer Erfolgswelle. Denn nach den jüngsten Siegen über Neuchâtel (4:1) und Fribourg (4:3) ist der HCD neuerdings Leader.
Der Wechsel mag auf den ersten Blick überraschen. Mit den Frauen der ZSC Lions war Baechler die letzten drei Saisons stets Meister geworden. 2022 erzielte sie sogar im Playoff-Final den entscheidenden Treffer zum Titel.
Der Blick auf die aktuelle Tabelle der Women’s League zeigt aber auch: Es ist eine Kräfteverschiebung im Gange. Und die Teams auf höchster Stufe sind näher zusammengerückt. «Die Liga ist so ausgeglichen wie noch nie», findet Baechler.

Ein Grund dafür ist der neu formierte HCD, der bis anhin eine starke Rolle einnimmt. In der derzeitigen Lage wären die Bündnerinnen direkt für die Playoff-Halbfinals qualifiziert.
Im Gegensatz zu Baechlers langjährigem Klub, für den sie schon mit 14 auf höchster Frauen-Stufe debütiert hatte. Die Rekordmeisterinnen tun sich weitaus schwerer, und müssten als Tabellenfünfter sogar die Pre-Playoffs bestreiten.
Mit dem HCD ist zu rechnen
Baechler hat also offenbar einen guten Zeitpunkt für einen Transfer gewählt. Es ist nämlich erst die zweite Saison des HCD mit einer eigenständigen Frauen-Equipe. Das bisherige Team der Thurgau Ladies war zuvor von Kreuzlingen nach Davos gezügelt – und damit übernommen worden.
Wie ernst es der Bündner Traditionsverein meint, wird nur schon aufgrund der Investitionen klar. Neue Cheftrainerin ist die Finnin Johanna Ikonen. Mit ihr wurden gleich drei Kanadierinnen verpflichtet. Dazu stiessen drei Auslandschweizerinnen sowie die Zürcherinnen Renée Lendi und Alessia Baechler zum HCD.
Baechler hat sich schon Anfang Jahr entschieden, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Sie profitiert dabei auch von einem Testprojekt am Sportgymnasium Rämibühl, wodurch zwei Tage in der Woche selbständig gearbeitet werden kann.
Die 19-Jährige kann so in ihrem letzten Jahr vor der Matur meist am Dienstag schon nach Davos reisen. Sie zählt aber auch die gute Infrastruktur, die kurzen Wege in der Stadt und die Berge als Faktoren auf. «Es fehlt nur noch der Schnee», sagt Baechler.
In einem Paradies
Vor allem geniesst sie in Davos erstmals das Leben in einem Frauenteam. «Wir verbringen auch neben dem Eis viel Zeit miteinander. Für mich ist es hier wie im Paradies», sagt die Illnauerin, die in einem Studio direkt beim Eisstadion wohnt.
Dazu muss man wissen: Baechler spielte zwar für die ZSC Frauen, den Alltag erlebte sie jedoch bis zuletzt bei den U17-Elit-Junioren im Verein. «Dort war meine Rolle auch auf dem Feld eine andere. Ich musste die einfachen Sachen richtig machen», sagt sie.
Diese Zeit ist nun vorbei. Ab dieser Saison darf Baechler altershalber nicht mehr im männlichen Nachwuchs mitspielen.

In Davos brauchte die jüngere Schwester von ZSC-Profi Nicolas Baechler auch sportlich keine Angewöhnungszeit. Im Gegenteil: Der Neuzuzug sammelte sogleich so eifrig Skorerpunkte, dass sie beim ersten HCD-Heimspiel der Meisterschaft als Verteidigerin einmal im auffälligen Shirt der Topskorerin auflief.
Baechler, die auch im Powerplay regelmässig zum Zug kommt, sagt: «Ich kriege viel Vertrauen, um kreativ zu sein.»
Für Baechler ist die Zeit in Davos zudem ein erster Schritt in die Selbständigkeit – und damit weg vom Elternhaus in Illnau. Denn schon jetzt ist klar, dass sie im kommenden August den nächsten, weitaus grösseren Schritt tätigt.
Baechler zieht es nach der Matur in die USA, wo sie inskünftig an der Northeastern University in Boston studieren wird. Und natürlich auch ihre Karriere im Eishockey vorantreibt. Sie wird dann für die Huskies der Northeastern Hockey Division in der NCAA, der US-College-League, spielen.
In Alina Müllers Fussstapfen
Also dort, wo auch Alina Müller, die derzeit beste Schweizer Eishockeyspielerin, vor einiger Zeit ihr Abenteuer in Nordamerika startete. Mit 26 ist Müller heute einen Schritt weiter – aber noch immer in der Hauptstadt des Bundesstaats Massachusetts. Dort stürmt sie in der neuen, professionellen Frauenliga PWHL für Boston Fleet.
So weit nach vorne schauen will Baechler, die schon an drei Weltmeisterschaften mit dem Schweizer Frauen-Nationalteam teilgenommen hat, noch nicht. Den Traum, in Übersee zu spielen, begleitet sie aber von klein auf.
Und er kommt in der hockeybegeisterten Familie nicht von ungefähr. Tante Mirjam spielte sogar von 1996 bis 2000 selbst in Kanada. Alessia Baechler hat sehr viel Positives aus dieser Zeit von ihr erfahren und freut sich auf die neue Lebenserfahrung und das professionelle Umfeld. Sie sagt: «Manchmal hilft es, ins kalte Wasser geworfen zu werden.»