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«Es steht noch alles in den Sternen»

Viele Gewerbetreibende haben beim Grossbrand der Bührer-Liegenschaft in Hinwil vor drei Wochen alles verloren. Zwar haben einige schon neue Räume bezogen. Doch die Ungewissheit belastet sie.

Philipp Jenni, Remo Güntensperger und Marco Mancini (von links) haben beim Grossbrand in Hinwil ihre Büros und Lager verloren. , Von Jenni und Güntensperger steht nur noch das Büro halbwegs. Durch ein riesiges Loch sieht man ein Gestell mit blauen Ordnern., Ihr neues Büro befindet sich derzeit in einem Baucontainer, den sie sich liefern liessen., Glück im Unglück hatte Daniel Bachmann. Wie durch ein Wunder hat er in seinem Brockenhaus keine Schäden zu beklagen.

Patrizia Legnini

«Es steht noch alles in den Sternen»

Marco Mancinis Büro gibt es nicht mehr. Es ist weg. Dort, wo es mal war, ist heute nur noch der Himmel zu sehen. Er ist herrlich blau an diesem warmen, frühlingshaften Mittag, und Mancini reisst einen Witz – irgendwie geht es ums Putzen, ums Fegen. Mancini zuckt mit den Schultern, und Philipp Jenni und Remo Güntensperger lachen.

Die drei Männer staksen auf Trümmern herum, auf Resten von Ziegelsteinen, auf verbrannten Holzbalken, Stahlträgern und Betonteilen. Bis vor drei Wochen waren sie mit ihren Firmen im Gebäudekomplex an der Fabrikstrasse 6 in Hinwil eingemietet. An einem Mittwochnachmittag hat ein Grossbrand einen grossen Teil der Gewerbeliegenschaft zerstört. Zwar wurden dabei keine Personen verletzt. Aber zahlreiche Mieter haben alles verloren, was sie über Jahre hinweg aufgebaut hatten. Ihre Lager und Büroräume, ihre Kosmetik- und Coiffeurstudios liegen in Schutt und Asche.

Die Räume von Mancinis IT-Firma Globalnetworks befanden sich im zweiten Stock des Gebäudes. Auf einem Teil der 160 Quadratmeter waren sieben Büroarbeitsplätze eingerichtet, auf dem anderen hat sich das Lager der Firma befunden. Vor allem Kleinmaterial wie Computerbildschirme, Telefonapparate oder Headsets ging dort in den Flammen auf. « Das war alles sehr tragisch für uns. Wir hatten einige unruhige Nächte, haben jetzt aber neue Kraft gesammelt. » 

« Wir haben alles verloren » , sagt auch Philipp Jenni, Mitinhaber der Robetec AG. Die Handelsfirma hat sich auf Rohrbefestigungstechnik für die Heizungs-, Sanitär- und Anlagebau-Branche spezialisiert. Ihr ganzes Lager, das 300 Quadratmeter umfasste, ist abgebrannt, und aufgrund der Einsturzgefahr durften Jenni und seine Mitarbeiter noch gar nicht hinein. Nur das Büro steht noch halbwegs.

« Enttäuscht hat uns, dass von der Verwaltung oder der Gemeinde noch niemand auf uns zugekommen ist. »

Philipp Jenni, Mitinhaber der Robetec AG

Durch ein riesiges Loch, das in der Aussenwand klafft wie eine Wunde, sieht man ein Gestell mit blauen Ordnern. Sie sind unversehrt geblieben, aber die Hitze hat Computerbildschirme und anderes Material komplett geschmolzen. « Zum Glück konnten wir die EDV-Anlage rausholen und die Festplatten der Computer retten. Hätten wir all unsere Daten verloren, hätten wir vielleicht nicht den Mumm gehabt, nochmals von vorne anzufangen. »

Raumsuche auf Facebook

Noch immer sind Jenni und sein Geschäftspartner Remo Güntensperger damit beschäftigt, Inventarlisten der abgebrannten Produkte zu erstellen. « Die Versicherung reagierte sehr rasch und unterstützt uns » , sagt der Hinwiler. « Enttäuscht hat uns hingegen, dass von der Verwaltung, also der Bührer AG, oder der Gemeinde noch niemand auf uns zugekommen ist und gefragt hat, wie es uns geht oder wie sie uns unterstützen könnten. »

Um ihre Kunden weiterhin beliefern zu können, musste die Firma schnell tonnenweise neues Material bei ihren Lieferanten bestellen. « Seit zehn Tagen beliefern wir die Kunden wieder mit den gängigsten Standardartikeln ab unserem neuen, provisorischen Standort » , sagt Jenni. Mit provisorisch meint er die Liegenschaft an der Bachtelstrasse in Wernetshausen, in der sich früher Jürg Kindlimanns Getränkehandel befand.

« Einen Tag nach dem Brand meldete sich Jürg bei uns und bot uns seine ehemalige Geschäftsliegenschaft an. » Weil es im Gebäude aber keinen angemessenen Bürobereich gibt, hat sich die Firma einen Baucontainer liefern lassen, der jetzt draussen vor der Liegenschaft steht. Wie lange sie das Provisorium nutzen will, ist noch nicht klar. « Wir suchten auch über Facebook nach einer neuen Geschäftsliegenschaft. Der Beitrag wurde 1700 Mal geteilt. Jetzt studieren wir die vielen positiven Rückmeldungen und klären ab, was langfristig Sinn macht. »

Erst nach und nach realisiert auch Pierre Schmit, Besitzer der PM Maschinen GmbH, was vor drei Wochen passierte – und was die Flammen auf den rund 1000 Quadratmetern Lagerfläche alles zerstörten. Die Firma hat sich auf die Einrichtung von Autogaragen spezialisiert – auf den Fotos, die auf der Firmenwebsite zu sehen sind, sind verschiedenste Maschinen und übereinandergestapelte Werkzeugkoffer zu sehen. « Wir durften noch nicht ins Büro, konnten weder unsere Papiere noch die Computer holen » , sagt er. Nur durchs Fenster habe er ein paar Fotos machen können.

« Ich befürchte, dass ich so schnell keinen anderen bezahlbaren Raum finde. »

Anna Stragapede, Kosmetikerin

Wo er seine Firma neu aufbauen wird, kann der Luxemburger, der nicht in der Schweiz wohnt, in Hinwil aber drei Angestellte hat, noch nicht sagen. « Weil wir hier immer viel Laufkundschaft hatten, suchen wir in der Nähe nach einer neuen Lokalität. Aber die meisten Liegenschaften sind viel zu teuer » , so Schmit.

Löschanlage am neuen Ort

Dieselbe Erfahrung hat Anna Stragapede gemacht, die beim Brand ihr Kosmetikstudio verloren hat. « Ich befürchte, dass ich so schnell keinen anderen bezahlbaren Raum finde » , sagt sie. Dabei würde sie gerne schnell wieder arbeiten. « Ich muss alles neu aufbauen, könnte mir im Moment aber nur das Nötigste leisten, zum Beispiel eine Liege und ein paar Behandlungsmaschinen. Alles andere muss noch warten. » Ob der ganze Schaden von der Versicherung bezahlt wird, sei noch nicht sicher. « Es steht noch alles in den Sternen » , sagt sie. « Die Ungewissheit belastet mich. »

Glück im Unglück hatte hingegen Daniel Bachmann. Für ihn ist die Sache glimpflich ausgegangen: Sein Brockenhaus befindet sich im hinteren Teil des abgebrannten Hauses, und wie durch ein Wunder hat er keine Schäden zu beklagen, nicht mal Wasserschäden. « Am Anfang stank alles nach Rauch. Aber inzwischen riecht man nur noch die Reinigungsmittel » , sagt er.

Zwar war bis vor ein paar Tagen bei ihm das Heizungssystem abgestellt, und bis heute hat er noch nicht überall Strom. Aber seit vorletztem Freitag ist sein Brockenhaus wieder zu den normalen Zeiten geöffnet. « Ich habe das Okay bekommen, nachdem Experten die Statik gecheckt haben » , sagt er. Seine Kunden kommen wieder, der Betrieb läuft. « Das bleibt jetzt bis auf Weiteres so. »

Auch Mancini sieht schon ein Licht am Ende des Tunnels: Letzte Woche hat der Hinwiler an der Brunnenbachstrasse ein neues Büro bezogen, und übers Wochenende hat er es mit neuem Mobiliar eingerichtet. Bald wird er einen Fünfjahresvertrag unterschreiben. Dass am neuen Ort ein Warenlift eingebaut ist, findet er praktisch: « Vorher mussten wir immer alles die Treppe rauf- und runterschleppen. » Und noch besser gefällt ihm, dass es auf dem Stockwerk eine Betondecke und eine Löschanlage mit Schlauch gibt. « Das gibt uns für die Zukunft ein gutes Gefühl. »

Wer oder was den verheerenden Brand vom 3. März in Hinwil ausgelöst hat, ist gemäss der Kantonspolizei Zürich nach wie vor unklar. « Unsere Brandermittler sind noch immer dabei, die Spuren auszuwerten. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen auf Hochtouren » , sagt Mediensprecher Ralph Hirt.

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