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Erhält Wetzikon keinen Anschluss an die Oberlandautobahn?

Ein Autobahnanschluss in Wetzikon könnte mehr Probleme schaffen, als dass er löst. Ist ein langer Tunnel die bessere Option? Das steckt hinter der neuen Variante für die Oberlandautobahn.

Im Gebiet rund um die Ara Flos in Wetzikon wäre der Autobahnanschluss vorgesehen. Doch dazu müsste die gesamte Verkehrsinfrastruktur rundherum ausgebaut werden.

Foto: Simon Grässle

Erhält Wetzikon keinen Anschluss an die Oberlandautobahn?

Tunnel von Uster nach Hinwil

Wird die Oberlandautobahn im Tunnel von Uster nach Hinwil geführt, verliert Wetzikon seinen Anschluss. Doch das könnte auch Vorteile bringen, meint Daniel Baldenweg von der Regionalplanung Zürcher Oberland.

Ein langer Tunnel von Uster bis ins Hinwiler Betzholz. Diese Variante für die Oberlandautobahn hat Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra), kürzlich an einer Veranstaltung des Bezirksgewerbeverbands Uster vorgestellt.

Sie erweitert den Strauss von Optionen für den Lückenschluss – und hätte die Konsequenz, dass Wetzikon keinen Anschluss an die Oberlandautobahn hätte.

Das sind die Varianten für die Oberlandautobahn

Eine Karte mit fünf Weg- und Tunnelvarianten zwischen Uster Ost und Hinwil.
Der Variantenfächer ist breit. Und wo genau die beste Route durchführt, ist ebenfalls noch offen. Für jede Variante gibt es nochmals verschiedene Lösungsansätze.

Aktuell stehen drei verschiedene Varianten für die Oberlandautobahn im Raum.

Die sogenannte Richtplanvariante führt von Uster Ost über ein Viadukt und einen Tunnel durchs Aatal und kommt für den Anschluss Wetzikon wieder an die Oberfläche. Von dort ginge es dann durch die Tunnels Grüt und Ottikon zur Verzweigung Ottikon und weiter auf der Forchautobahn zum Betzholz.

Die Variante «Tunnel tief» sieht einen Tunnel für die Strecke vom Anschluss Wetzikon bis ins Betzholz vor. Bei der neuen Option «Tunnel tief lang» wird der Tunnel von Uster bis ins Betzholz gebaut.

Für alle Varianten gibt es verschiedene mögliche Linienführungen. Die Abklärungen dazu laufen. (bes)

Wäre die sogenannte Variante «Tunnel tief lang» vom Anschluss Uster Ost direkt bis zum Kreisel Betzholz eine Katastrophe für die Stadt Wetzikon – oder gar die Region? Nicht unbedingt, findet Daniel Baldenweg. Der Gossauer EVP-Gemeinderat ist Präsident der Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) und Teil der Begleitgruppe des Astra für die Planung der Oberlandautobahn.

Dem Zweckverband Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) gehören 20 Gemeinden aus der Region an. Die RZO fördert die nachhaltige, gemeinsame und geordnete räumliche Entwicklung im Verbandsgebiet. Sie erarbeitet unter anderem den regionalen Richtplan. (bes)

«Zu den aktuellen Abklärungen des Astra bei der Bearbeitung des generellen Projekts der Oberlandautobahn gehört auch, welche Konsequenzen ein Anschluss Wetzikon West hat», erläutert Baldenweg. «Es hat sich dabei deutlich gezeigt, dass dieser ein gröberes Problem werden könnte, weil er extrem viel Verkehr anzieht.»

Ausbauten auf engstem Raum

Der RZO-Präsident verweist dabei auf Studien, die von einem Verkehrsvolumen von 30’000 Fahrzeugen pro Tag ausgehen. «Das ist etwa die gleiche Zahl an Autos, Töffs und Lastwagen wie beim Anschluss Wankdorf in Bern», erläutert er.

Da der Wetziker Autobahnanschluss etwa bei der Kläranlage Flos zu liegen käme, könnte dies für grössere Probleme sorgen. «Es braucht in diesem Fall enorme Ausbauten auf dem lokalen Strassennetz auf sehr engem Raum», erklärt er.

Man sieht eine Drohnenaufnahme einer Strasse und einer Abwasserreinigungsanlage.
Der Anschluss Wetzikon West ist im Gebiet rund um die Ara Flos geplant. Ob er dereinst gebaut wird, ist aber noch offen.

Denn der Bund will Stausituationen auf der Autobahn möglichst vermeiden. Das heisst in der Konsequenz, das Strassennetz rundherum muss diesen Verkehr schlucken. «Und da stellt sich natürlich die Frage, ob Wetzikon dies auch will.»

Er ist überzeugt, dass ein Verzicht auf einen Autobahnanschluss für die Wetzikerinnen und Wetziker tragbar ist. «Der Anschluss Uster Ost ist ja nicht so weit entfernt, und es hätte dann im Aatal auch weniger Verkehr.»

Noch keine belastbaren Auswertungen

Ob Wetzikon dereinst tatsächlich auf einen Anschluss an die Oberlandautobahn im Gebiet Wetzikon Flos verzichten muss, steht aber noch in den Sternen. Im Moment arbeitet das Astra die möglichen Varianten aus – und berücksichtigt alles vom Nutzen über den Preis, die Bauzeit bis zu Chancen und Risiken. Bis im Sommer 2026 soll der Entscheid für die Bestvariante stehen.

Alle betroffenen Gemeinden und auch die Regionalplanung Zürcher Oberland sprechen sich laut Baldenweg dezidiert für eine Tunnellösung aus. «Ob mit einem Anschluss Wetzikon oder nicht, ist aber noch abzuklären», sagt er.

Die direkt betroffenen Gemeinden seien auch der Lösung mit dem langen Tunnel grundsätzlich positiv gegenübergestellt. «Vertieft zu klären gilt es jetzt, ob der Verzicht eines Anschlusses in Wetzikon West in anderen Gemeinden des Zürcher Oberlands zu nicht gewünschten Verkehrsumlagerungen oder zu störendem Mehrverkehr führen würde», sagt Baldenweg.

«Es muss einfach klar sein, welche Konsequenzen dies hat und ob sie tragbar sind.» Noch liegen keine entsprechenden belastbaren Auswertungen dazu vor.

Ein Projekt, das «verhebt»

Daniel Baldenweg ist selber Bauingenieur und hat an zahlreichen Infrastrukturprojekten mitgewirkt. Für ihn ist klar: «Es gibt keine Variante, die alle Probleme löst und alle glücklich macht.»

Dass das Bundesamt für Strassen nun alles sehr genau abklärt, ist für Baldenweg verständlich. «Das Astra will am Schluss ein Projekt aufgleisen, das ‹verhebt›.»

Das Vorhaben soll am Schluss nicht vor Bundesgericht scheitern – wie zuletzt 2012, als die obersten Richter das Projekt des Kantons wegen des Moorschutzes verwarfen.

Steht der Variantenentscheid, könnte das Astra laut Baldenweg voraussichtlich 2028 das Projekt dem Bundesrat vorlegen. «Erst dann gehen auch die nächsten Projektschritte los», sagt er. Die Baumaschinen würden so frühstens in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre im Oberland auffahren. Der Autobahnabschnitt wäre dann in gut 20 Jahren befahrbar.

Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist noch offen, und er hängt indirekt auch mit der Abstimmung vom 24. November über den Ausbau der Nationalstrassen zusammen. Der Bund will das Autobahnnetz an sechs neuralgischen Punkten in der ganzen Schweiz ausbauen.

«Dort geht es um Projekte, die nun erste Priorität haben», sagt der RZO-Präsident. Bei einem Nein würden diese zurückgestellt. «Und auch alle Folgeprojekte wie die Oberlandautobahn fallen dann zurück.» Der Zeithorizont würde sich weiter nach hinten verschieben. «Dann kann es 2050 oder 2060 werden.»

Viele Probleme sind hausgemacht

Selbst bei der optimistischen Annahme würde es aber nochmals zwei Jahrzehnte dauern, bis die Oberlandautobahn realisiert würde. Ginge das nicht schneller? Baldenweg winkt ab: «Das sind einfach die vorgegebenen Projekt- und Genehmigungsprozesse.»

Auf die erhoffte Verkehrsentlastung muss man sich in der Region also weiterhin gedulden. Doch Baldenweg stellt auch klar, dass die Oberlandautobahn nicht das Allheilmittel ist.

«Sie löst gewisse Probleme, aber wir haben weiterhin Verkehr auf unseren Strassen.» Viele Verkehrsprobleme in der Region seien nämlich hausgemacht. «Viel Verkehr produzieren wir selbst, wenn wir in der Region herumfahren.»

Dass es die Oberlandautobahn braucht, ist für ihn aber nicht diskutabel. «Der aktuelle Zustand ist aus meiner Sicht nicht mehr tragbar.»

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