Gesellschaft

Er lebt in Pfäffikon die Biodiversität im eigenen Garten vor

Jeder kann etwas für die Biodiversität machen, sagt Andreas Scheidegger. Zu diesem Thema hält er Vorträge - sein Garten dient dabei als Vorbild.

«Jeder kann etwas für die Biodiversität machen», sagt Andreas Scheidegger, der sich einen bewundernswerten Naturgarten errichtet hat.

Foto: Luc Müller

Er lebt in Pfäffikon die Biodiversität im eigenen Garten vor

Ein Garten, der Leben schenkt

In Pfäffikon setzt ein ehemaliger Primarlehrer ein starkes Zeichen für die Artenvielfalt. Andreas Scheidegger hat seinen Garten in ein Paradies für Insekten und Wildblumen verwandelt – und teilt sein Wissen gerne mit anderen.

Da läuft gerade viel an diesem Morgen. Die bunte Raupe einer Möndcheneule, aus der nächstes Jahr ein Nachtfalter wird, sitzt auf einem Leinkraut. Über dem Weiher jagen rote Heidelibellen hinter kleinen Azurjungfern her. Im Sonnenschein erstrahlt eine Wespenspinne – und auf einem Blütenkopf hat ein «Blutströpfchen», eine Schmetterlingsart mit auffälligen roten Punkten, Platz genommen.

In den 1990er-Jahren hat Andreas Scheidegger einen Teil des Gartens in einen vorbildlichen und eindrücklichen Naturgarten verwandelt. «Das war hier Landwirtschaftsland. Zuerst schürfte ein kleiner Bagger rund 35 Zentimeter der alten Humusschicht ab, wonach wir einige Kubikmeter sandigen Wandkies einfüllten.»

Dieser sorgt für einen mageren, lückig bewachsenen Boden, den vor allem sonnenliebende Pflanzen bevorzugen. Anders als beim gedüngten Boden mit seinem üppigen Pflanzenbewuchs haben zum Teil selten gewordene Blumen weniger Konkurrenz.

Es blühen hier im Jahr über 100 Wildblumenarten. Dazu hat Scheidegger in Töpfen besonders bienenfreundliche Gartenpflanzen gesetzt, was Scharen von Insekten auf der Suche nach Pollen und Nektar anlockt: Käfer, Schwebfliegen und Bienen. Andreas Scheidegger schätzt, dass in seinem kleinen Pfäffiker Gartenparadies etwa 80 Wildbienenarten in Hohlräumen oder im Boden brüten.

Ein Biotop für die Schule

Andreas Scheidegger hatte 41 Jahre lang als Primarlehrer in Bubikon und in Pfäffikon im Schulhaus Mettlen unterrichtet. Dort hat er einst mit der Lehrerschaft und Schülerinnen und Schülern ein Biotop angebaut. Das betreut der 68-Jährige im Auftrag der Gemeinde noch heute.

«In der Schweiz gibt es, für die Biodiversität noch viel zu tun», erklärt Scheidegger, während er das Gespräch kurz unterbricht. «Schau, hier paaren sich gerade Langflügelige Schwertschrecken. Die Art heisst so, weil das Weibchen eine lange Legeröhre, ähnlich einem Schwert, trägt. Siehst du?»

Fast gleichzeitig flattert ein Karstweissling, ein Schmetterling, vorbei. «Die Art ist erst vor knapp 20 Jahren aus der Westschweiz bei uns eingewandert.» Im Hinblick auf die Biodiversitäts-Initiative, die am 22. September zur Abstimmung kommt, sagt der ehemalige Primarlehrer: «Ich stehe zu 100 Prozent hinter der Biodiversitäts-Initiative. Ich verstehe nicht, dass vielen Menschen die schwindende Artenvielfalt egal ist oder diese anderen Interessen geopfert werden soll.»

«Ich beobachte und dokumentiere seit über 40 Jahren die Flora und Fauna um den Pfäffikersee.» Gemäss eigener Notizen für diese Region konnte er feststellen, dass in dieser Zeit neun Brutvogelarten und etwa zwölf Insektenarten nachweislich ausgestorben seien. «Stattdessen sind wenige Allerweltsarten eingewandert», sagt Scheidegger.

Viele Disteln
Disteln liefern viel Nektar und Pollen, was wertvolle Nahrung für Insekten sind.

«Jeder kann etwas für mehr Biodiversität machen. Besonders im Siedlungsgebiet», betont Scheidegger, der dieses Jahr für den Natur- und Vogelschutzverein Pfäffikon eine gut besuchte Naturgarten-Führung leitete.

Zudem sitzt er im Vorstand des Naturzentrums Pfäffikersee und der Vereinigung Pro Pfäffikersee. In der Riedlandschaft zeigt er Interessierten Vögel und Insekten. Und im April hat er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich einen Vortrag über die Förderung der Insekten im eigenen Garten gehalten.

Tipps für den eigenen Garten

«Selbst auf dem Balkon kann man einheimische Pflanzen hinstellen, die als Raupenfutter geeignet sind oder viel Nektar und Pollen haben.» Besonders attraktiv sind grossblütige Disteln, Skabiosen, Flockenblumen, Hornklee und Wegwarten. Sein Tipp: Beispielsweise bei der UFA, ein Geschäftsbereich der Fenaco, kann man zahlreiche Wildblumensamen bestellen, die genau nach Standort bestimmt sind.

Er selber sammelt Samen direkt von seinen eigenen Blumen oder von reichhaltigen Wiesen. «Ich berate gerne Menschen, die etwas für die Natur im Garten machen wollen. Beim Thema Biodiversität habe ich ein grosses Mitteilungsbedürfnis», sagt Andreas Scheidegger mit einem Lächeln.

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