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Spitzenschwimmer mit Kehrtwende

Er gibt sich geläutert – und bleibt in Uster dennoch unerwünscht

Josif Miladinov hat seinen folgenschweren Entscheid revidiert, an den umstrittenen Enhanced Games anzutreten und strebt ein Comeback an. Beim SC Uster ist für das frühere Mitglied die Türe jedoch zu.

Josif Miladinov stiess vor rund einem Jahr alle vor den Kopf, als er für die als «Dopingspiele» bezeichneten Enhanced Games zusagte.

Foto: Keystone

Er gibt sich geläutert – und bleibt in Uster dennoch unerwünscht

Spitzenschwimmer mit Kehrtwende

Josif Miladinov hat seinen folgenschweren Entscheid revidiert, an den umstrittenen Enhanced Games anzutreten und strebt ein Comeback an. Beim SC Uster ist für das frühere Mitglied die Türe jedoch zu.

Die Empörung über die Veranstaltung ist weltweit gross. An den am Sonntag in Las Vegas erstmals ausgetragenen Enhanced Games mit Wettbewerben im Schwimmen, der Leichtathletik und im Gewichtheben/Kraftsport gelten keinerlei Dopingregeln.

Einer der ersten Athleten, die sich dem umstrittenen Projekt verpflichteten und damit die Zukunft im regelbasierten Leistungssport eigentlich verbaute, war Schwimmer Josif Miladinov.

Nun ist der Bulgare an den «Dopingspielen» trotzdem nicht dabei. Stattdessen arbeitet der Olympiafinalist über 100 m Delfin am Comeback – mit dem Einverständnis des internationalen Schwimmverbands.

Das sind die Enhanced-Games

42 Athletinnen und Athleten aus den Sportarten Schwimmen (18), Leichtathletik (13) und Gewichtheben/Kraftsport (13) stehen auf der Startliste der am Sonntag in Las Vegas erstmals durchgeführten Enhanced Games. Das vom Australier Aron D’Souza initiierte Projekt versteht sich als Gegenentwurf zum etablierten Spitzensport und dessen Anti-Doping-Regeln. Es wird weltweit harsch kritisiert, da an den Enhanced Games der Einsatz von verbotenen Substanzen erlaubt, ja gar erwünscht ist auf der Jagd nach Rekorden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur verurteilte das Konzept etwa als gefährlich und unverantwortlich. Angelockt wurden die Athletinnen und Athleten mit hohen Preisgeldern, die Veranstalter sprechen davon, rund 25 Millionen US-Dollar auszuschütten.

Der Meinungsumschwung des 22-Jährigen hat nicht nur in den Medien seines Heimatlands die Runde gemacht. Dieser wurde im Schwimmclub Uster ebenfalls zur Kenntnis genommen. Rund sieben Jahre lang trainierte Miladinov im SC Uster, ehe er im Frühjahr 2025 sein Umfeld überrumpelte.

Der zweifache Olympiastarter und EM-Medaillengewinner verkündete den Rücktritt vom Schwimmsport, um keinen Anti-Doping-Massnahmen mehr zu unterliegen. Zugleich trat er aus dem SCU aus, wobei Miladinov mit dem Schritt dem Rauswurf zuvorgekommen sein dürfte.

Kein Kontakt zu Miladinov

Der SC Uster reagierte vor einem Jahr mit aller Deutlichkeit auf Miladinovs folgenschweren Plan, an den Enhanced Games zu starten. Und distanzierte sich davon komplett. Der Verein liess sich juristisch beraten, entfernte die Texte über den Athleten von der Website und informierte die Mitglieder schriftlich über den Entscheid des Bulgaren.

Seit Miladinovs Abgang in Uster hat SCU-Präsident Karel Novy keinerlei Kontakt mehr zum Schwimmer gehabt. Er hat von dessen Neuanfang vernommen, kennt dazu aber keine Details. Wie würde der Verein reagieren, wenn Miladinov plötzlich wieder beim SCU anklopfen würde?

Novy sagt: «Der Vorstand des SCU hat sich mit dieser hypothetischen Frage befasst und sie klar beantwortet: Einen Wiedereintritt von Josif Miladinov würde der Club ablehnen.»

Die Hintertüre der Regel

Vor knapp einem Jahr erliess der internationale Schwimmverband eine Regel, die alle an den Enhanced Games Beteiligten lebenslang für den regulären Wettkampfsport ausschliesst. Für Miladinov gibt es dennoch einen Weg zurück. Er profitiert wohl vom Passus, dass in jedem einzelnen Fall über die Anwendung der Regel entschieden wird.

Unabhängig davon, zu welchem Zeitpunkt Miladinov bei den Enhanced Games die Reissleine zog, dürfte seine Rückkehr in den internationalen Schwimmsport Kritik auslösen. Nur schon darum, weil er sich zwischenzeitlich zu einem Projekt bekannte, das den uneingeschränkten Einsatz von leistungssteigernden Medikamenten unter medizinischer Aufsicht propagiert. Die Macher sprechen dabei von optimierten Athleten. Und bieten im Onlineshop beispielsweise Testosteron zum Kauf.

Miladinov behauptet in einem Interview mit dem Nachrichtenportal des nationalen bulgarischen Fernsehens, zu keinem Zeitpunkt verbotene Mittel eingesetzt zu haben. Ihm sei auch nie der Konsum solcher Substanzen nahegelegt worden. «Ich habe immer auf natürliche Weise trainiert», beteuert der Sportler, dessen Comeback vom Verband seines Heimatlands unterstützt wird.

Miladinov gibt zu, einen Fehler begangen zu haben, und nennt dafür auch den Hauptgrund: «Ich sah die grosse finanzielle Freiheit, die mir geboten wurde.» Die Verträge der Sportlerinnen und Sportler mit den Enhanced Games dürften gut dotiert sein. In den Medien wird von einem Grundgehalt für die Vorbereitungszeit im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich gesprochen. Dazu übernehmen die Macher die Gesundheits- und Reisekosten und zahlen Antrittsgelder.

Offengelegt sind die Preisgelder: Jeder Sieger erhält 250’000 US-Dollar, ein Weltrekord wird mit einer Million US-Dollar vergütet.

Es sind Summen, auf die Miladinov im regulären Schwimmsport nicht kommt. Warum also will er zurück? Im erwähnten Interview gibt Miladinov als wesentlichen Grund eine schwere Lungenentzündung an, während derer er 15 Tage im Koma lag.

Sein Fazit: «Man lernt Dinge erst zu schätzen, wenn man sie verliert.» Am 22. August läuft die vom Weltverband auferlegte halbjährige Wartefrist ab. Danach ist Miladinov wieder startberechtigt.

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