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«Enge Gassen, viele Leute – das ist richtiges Uster-Märt-Feeling»

Letztjährige Kritiker loben den diesjährigen Uster Märt: der typische Charme sei zurück. Für die kommende Ausgabe sind aber noch Fragen offen.

Viele Menschen, schleppendes Durchkommen: Das gehört für viele zum Flair des Uster Märt.

Foto: Christian Merz

«Enge Gassen, viele Leute – das ist richtiges Uster-Märt-Feeling»

Mehr Stände begeistern

Letztjährige Kritiker loben den diesjährigen Uster Märt: Der typische Charme sei zurück. Für die kommende Ausgabe sind aber noch Fragen offen.

Nach 17 Uhr wurde es am ersten Markttag des Uster Märt zunehmend enger. Dichte Menschenmassen strömten ins Stadtzentrum, angelockt von Glühwein, gebrannten Mandeln und den vielfältigen Marktständen.

Das Vorankommen wurde zur Geduldsprobe, denn zwischen Foodtrucks und Ständen stockte der Strom der Besucher immer wieder. Um vorwärtszukommen, musste man sich an wartenden, schwatzenden Menschen vorbeiquetschen. «Sorry, dörf i schnell dure», war einer der häufigsten Sätze des Abends.

Man sieht eine grossen Menschenansammlung und Dächer von Pavillons.
Eng, enger, Uster Märt: Mit der Dunkelheit kam das Feierabendvolk, welches die Gassen der Stadt füllte.

Ein Umstand, den viele Fans des Uster Märt im vergangenen Jahr vermisst hatten. Sie monierten ein fehlendes Marktgefühl, da die Stände zu weit auseinandergestanden hätten. «Das ist nicht mehr unser Uster Märt», hiess es in den sozialen Medien.

Auch aus der Politik wurde Kritik laut. Daniel Schnyder, SVP-Gemeinderat, reichte kurz nach dem letztjährigen Uster Märt eine Anfrage beim Stadtrat ein und forderte zu diversen Themen Antworten. Sein Hauptanliegen: der «Märt-Charme» soll zurückkehren.

Die richtigen Schlüsse gezogen

Ein Anliegen, das sich die Stadt für den diesjährigen Uster Märt zu Herzen genommen hat – zumindest, wenn es nach Schnyder geht. Ihm gefiel die diesjährige Umsetzung deutlich besser als letztes Jahr. «Die Verantwortlichen haben sich Mühe gegeben und aus der Kritik die richtigen Schlüsse gezogen», sagt er.

Die Stände seien näher beieinander platziert worden, was für eine Lückenschliessung sorge. Hinzu kommen die zusätzlichen Marktstände in der Mitte auf der Zürichstrasse. «Enge Gassen, viele Leute, die zusammenrücken – das ist richtiges Uster-Märt-Feeling», führt er zufrieden aus.

Eine Testfahrt für die Sicherheit

Andreas Baumgartner ist Kommandant der Stadtpolizei Uster und trägt in dieser Funktion auch die operative Gesamtverantwortung für den Uster Märt. Er weist darauf hin, dass die Platzierung der Stände jedes Jahr eine neue Herausforderung sei und immer davon abhänge, welche Strassen und Gassen dafür zur Verfügung stehen.

Das ist einerseits von baulichen Projekten abhängig und anderseits davon, inwiefern die Sicherheit am Markt selbst bestmöglich gewährleistet werden kann. Er nimmt den Wasserkreisel und die Zürichstrasse als Beispiel. «Die Durchfahrt für die Blaulichtfahrzeuge muss immer möglich sein. Um das zu prüfen, sind wir die Streckenteile mit dem Tanklöschfahrzeug vorgängig abgefahren.»

Die Testfahrt habe gezeigt, dass ein Durchkommen möglich ist. «Zwar knapp, aber es ist möglich.» Die Anordnung wurde dann so optimiert, dass auch in der Strassenmitte der Zürichstrasse und zum ersten Mal überhaupt auf dem Wasserkreisel Marktstände einen Platz fanden.

Das Marktbild ist auch abhängig von den Anmeldungen

Das Bild, das der Uster Märt abgibt, ist aber nicht nur abhängig von der Platzierung der einzelnen Marktstände – sondern auch davon, wie viele Betreiber sich überhaupt anmelden. Wie Baumgartner sagt, haben letztes Jahr fast 40 Marktfahrende abgesagt oder sind nicht aufgetaucht, was eine zusätzliche Lücke ins Marktbild gerissen hat.

Man sieht einen Stand mit Ballonen.
Die Stadtpolizei Uster arbeitet aus, wo welcher Stand platziert wird – unter anderem ist die Entscheidung abhängig vom Angebot.

Dieses Jahr konnte der festgelegte Marktperimeter vollständig belegt werden. So verzeichnet die Stadt für den diesjährigen Uster Märt 481 Marktbetreiber und Festwirtschaften. Die letzten Anmeldungen trudelten noch am Donnerstagmorgen ein, wie Baumgartner sagt. «Wir führen eine Warteliste. Bei Absagen wird bis zur letzten Minute nachgerückt.»

Das Märt Näscht ist beliebt

Einer, der nach letztem Jahr gar nicht mehr Teil des Uster Märt sein wollte, war Ronny Brändle. Er und seine Kollegen vom Förderverein für Regionalität und Kultur betrieben jahrelang die bekannte Outdoor-Party an der Zentralstrasse.

Damit war 2022 aus Sicherheitsgründen aber Schluss. Das Alternativprogramm 2023 sprach weder die Betreiber noch die Besuchenden an, weshalb der Verein dem Uster Märt eigentlich den Rücken kehren wollte.

Ein Umstand, der für viel Unverständnis und Bedauern in der Bevölkerung sorgte – das Märt Näscht, wie die Party heisst, sei seit Jahren ein Generationentreffpunkt. Daraufhin suchte die Stadt den Dialog mit Brändle und bot ihm den Stadthausplatz als exklusive Partylocation für dieses Jahr an.

Ein Besuch am Donnerstagabend zeigt, dass diese Idee gut ankommt. Die wummernden Bässe sind schon von Weitem zu hören, auf dem Stadthausplatz herrscht ein riesiges Gewusel.

Im Mittelpunkt steht ein grosses, rundes, Igluzelt, dessen vordere Hälfte offen ist und das die einen Teil der Tanzenden und den DJ überdeckt. Zwei Container, in denen sich die Bar befindet, und ein Foodtruck grenzt die Menge von der anderen Seite her ein.

Man sieht ein halbrundes Festzelt und viele Menschen davor.
Das Märt Näscht auf dem Stadthausplatz lockt viel Publikum an. Und doch sei der neue Standort für einige wohl noch gewöhnungsbedürftig, wie Betreiber Ronny Brändle sagt.

«Ich bin zufrieden», sagt Ronny Brändle am Freitagnachmittag. Die Rückmeldungen der Partygäste seien allesamt sehr positiv gewesen. Und doch merke er, dass sich die Ustermer noch etwas an das «neue» Märt Näscht gewöhnen müssen. «Der ehemalige Standort beim Time-out hat sich bei vielen eingeprägt. Sie brauchen noch etwas Anlauf, um zu realisieren, dass wir jetzt beim Stadthaus sind.»

Umstrittenes Nachhaltigkeitskonzept

So, wie der Uster Märt dieses Jahr daherkommt, so solle er bleiben, findet SVP-Gemeinderat Daniel Schnyder. «Die Grenze an Auflagen ist erreicht. Die Verantwortlichen können die Situation nur noch verschlimmern.»

Damit spielt er auf das Nachhaltigkeitskonzept an, das der Ustermer Stadtrat vorsieht. Gemäss diesem sollen bei Veranstaltungen in Uster künftig entweder in PET-Flaschen oder Aludosen, die separat gesammelt werden, abgegeben werden. Bei Offenausschank müssen die Veranstalter Mehrwegbecher für die Getränke verwenden oder bei einer Festwirtschaft mit Sitzgelegenheit Gläser.

Schnyder befürchtet, dass es dadurch zum Abgang einiger Marktbetreiber kommen könnte. «Finanziell und logistisch wäre das ein grosser Zusatzaufwand für die Gastrobetriebe. Ich weiss aus persönlichen Gesprächen, dass sich dieser nicht überall lohnen würde. Es ist daher wichtig, die Aussteller bei geplanten Veränderungen einzubeziehen.»

Man sieht eine grosse Menschenmenge und dahinter eine Bar mit der Überschrift «Drinks».
Drinks nur noch in Mehrwegbechern und mit Depot – das ist zumindest der Plan des Stadtrats. Über die Machbarkeit ist man sich noch nicht ganz einig.

Er weist zudem darauf hin, dass das bisherige Abfallkonzept am Uster Märt gut funktioniere. «Es gibt keine überfüllten Abfalleimer oder wahllose Abfallhaufen wie in anderen Städten.»

Ausserdem hätten vereinzelte Freiwillige bereits ein Depotsystem eingeführt, was ihr gutes Recht sei; bei der Freiwilligkeit soll es auch bleiben. «Will man eine Weisung durchdrücken, kann das schnell nach hinten losgehen.»

Ausarbeitung noch offen

Andreas Baumgartner verweist in diesem Zusammenhang auf den Bericht und Antrag des Postulats «Nachhaltige Veranstaltungen» sowie das hängige Postulat «Überprüfung der Nachhaltigkeitsstrategie am Uster Märt: mehr als nur eine Mehrwegbecher-Strategie?».

In Sachen Nachhaltigkeit konnten am diesjährigen Uster Märt Neuerungen umgesetzt werden: Die Abfalltrennung wurde mit speziellen Massnahmen für PET, Alu und Restmüll intensiviert. Einige Festbeizen und Verkaufsstände setzen bereits auf wiederverwendbare PET-Becher und verzichten auf Plastik.

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