Ein Red-Bull-Urgestein wird Sauber-Teamchef
Vakante Rolle wird besetzt
Das Sauber-Team erhält mit Jonathan Wheatley wieder einen Teamchef. Der Brite kommt allerdings erst in einem Jahr nach Hinwil.
Die Rolle des Teamchefs wird beim Hinwiler Sauber-Rennstall wieder besetzt – auf 2026 hin, wenn Audi mit Sauber als Werksteam loslegt. Jonathan Wheatley ist der Mann, der dannzumal als Teamchef übernehmen wird. Das teilten am 1. August erst sein aktueller Arbeitgeber Red Bull Racing mit, bevor einige Stunden später auch Audi ein Communiqué publizierte.
Beim österreichischen Rennstall bleibt der 57-jährige Wheatley noch bis Ende 2024. Danach muss er 2025 erst eine Frist abwarten, die sich «gardening leave» nennt und verhindern soll, dass hochrangige Führungspersonen quasi vom einen auf den andern Tag das Team wechseln und der Konkurrenz so einen Vorteil verschaffen.
Klare Aufgabenteilung
Laut Audi wird Wheatley «spätestens» ab Juli 2025 zusammen mit dem vor zehn Tagen verpflichteten Mattia Binotto eine Doppelspitze bilden und die Geschäftsführung teilen. Wheatley kümmert sich um die Renneinsätze des Teams und die sportpolitische Vertretung; Binotto obliegt die operative Geschäftsführung der Sauber Motorsport AG und die technische Entwicklung der Boliden.
Wheatley bezeichnet es im Communiqué als «einmalig spannende Perspektive», den Einstieg von Audi als Teamchef «aktiv zu gestalten». Er freue sich zudem auf die Zusammenarbeit mit Binotto. «Er ist die richtige Person, um gemeinsam an diesem spannenden Projekt zu arbeiten.» Binotto, der seit heute offiziell für Sauber tätig ist, sagt: «Ich kenne Jonathan seit vielen Jahren und schätze ihn als ebenso versierten wie engagierten Motorsport-Experten.»
Der Mann weiss, wie Erfolg geht
Wheatley ist seit 1991 in der Formel 1 – und Sauber wird erst sein drittes Team sein. Von 1991 bis 2006 war er bei Benetton respektive Renault, erst als Mechaniker, dann als Chefmechaniker. Dann wechselte er zum damals neuen Team Red Bull, wo er erst Teammanager und nun zuletzt Sportdirektor war – dieselben Rollen also, wie sie Sauber-Urgestein Beat Zehnder inne hat.
Wie Erfolg geht, weiss Wheatley. Er war bei sämtlichen Red-Bull-Titeln dabei (sechs Konstrukteurs-WM, sieben Fahrer-WM). Und als er bei Benetton/Renault war, resultierten zwei Konstrukteure-Titel und drei Fahrer-Weltmeistertitel.
Sinnvolle Konstellation
Für Sauber ist die Verpflichtung des Briten eine sehr gute Nachricht. Die wichtigsten Führungspositionen im Team sind nun mit sehr erfahrenen Personen besetzt, die zudem einen Leistungsausweis von Topteams mitbringen. Und es ergibt Sinn, Mattia Binotto einen Teamchef zur Seite zu stellen. Der Italiener, der 30 Jahre lang für Ferrari tätig war, scheiterte bei der Scuderia letztlich daran, dass er eine Doppelrolle als technischer Direktor und als Teamchef ausübte.
Spätestens 2026 endet bei Sauber also die Phase ohne nominellen Teamchef. Nach dem Wechsel von Frédéric Vasseur zu Ferrari, wo er ab 2023 Binotto ersetzte, blieb die Chefposition vakant. Das Gesicht des Teams an der Rennstrecke ist Alessandro Alunni Bravi, der offiziell aber nur «Teamvertreter» ist. Ob diese Konstellation auch 2025 noch Bestand hat, bleibt abzuwarten.