Ein Quartier kämpft gegen McDonald’s
Alles begann in einem kleinen Elternchat – und plötzlich waren da 2000 Unterschriften gegen den geplanten McDonald’s in Stettbach. Mittlerweile ist die Petition bei den Verantwortlichen deponiert. Doch lassen sich damit die Pläne des Fast-Food-Konzerns durchkreuzen?
Tanja Leander-Bleikers Petition gegen den geplanten McDonald’s beim Bahnhof Stettbach schlug ein. Nach zwei Wochen liegen rund 2000 Unterschriften von Personen vor, die die Stettbacherin in ihrem Kampf gegen den US-Fast-Food-Riesen unterstützen. Die Petition läuft über die Onlineplattform Campax.
Sie sei positiv überrascht vom grossen Zuspruch, sagt Leander-Bleiker. Dies auch, weil sie kaum Initialaufwand betrieben habe. «Ich habe den Link zur Petition lediglich im Chat des Ortsvereins Stettbach geteilt, der hat gerade mal 36 Mitglieder.» Von da habe sich das Ganze über Elternchats immer weiterverbreitet. «Die Kampagne wurde zum Selbstläufer.»
Aufschrei im Quartier
Obwohl nach dieser Zeitung mit dem «Blick» oder mit «Watson» auch nationale Medien über den Widerstand gegen den McDonald’s berichteten, haben fast ausschliesslich Leute aus Dübendorf und Schwamendingen die Petition unterzeichnet. Das zeigt eine Auswertung, die dieser Redaktion vorliegt.
«Als die Pläne von McDonald’s bekannt wurden, ging ein regelrechter Aufschrei durchs Quartier», sagt Leander-Bleiker. Gross sei die Sorge, dass man einen sozialen Begegnungsraum verliere. Denn dort, wo der McDonald’s hinkäme, befindet sich aktuell das Restaurant Waldkantine. Gemäss Baugesuch würde das Fast-Food-Lokal einen Grossteil des bestehenden Gastrobetriebs einnehmen. Ob und wie die «Waldkantine» weiterbestehen könnte, darüber wollen die Betreiber nichts sagen.
Ausserdem befürchtet die Petentin mehr Lärm sowie eine zusätzliche Belastung durch Abfall und Littering. Als problematisch empfindet sie auch den Umstand, dass sich in der näheren Umgebung mehrere Schulen befinden. Das sei ein Widerspruch zum Lehrplan 21, der ein gesundes Essverhalten fördern wolle.
Wer isst um 3 Uhr einen Hamburger?
Doch glaubt Leander-Bleiker tatsächlich, dass sie mit ihrer Petition einen McDonald’s verhindern kann? «Mir ist natürlich bewusst, dass sich die Behörden bei der Überprüfung von Baugesuchen an die gesetzlichen Vorgaben halten müssen», sagt sie. Aber man könne Leitlinien definieren, damit das Vorhaben «quartierverträglich» sei. Und: «Die Ausgestaltung der potenziellen Baubewilligung entscheidet auch über die Frage, was für ein Ort der Bahnhof Stettbach künftig sein soll.»

Dazu gehörten etwa verbindliche Massnahmen gegen Littering. Oder dass die Öffnungszeiten den bestehenden Gastrobetrieben rund um den Bahnhof und den Bedürfnissen der Leute im Quartier angepasst werden. «Ich bezweifle, dass sich viele Anwohner am Wochenende um 3 Uhr einen Burger holen wollen.» Für Nachtschwärmer gebe es etwa in Zürich genügend gut erreichbare McDonald’s-Filialen.
Ebenso wünscht sich Leander-Bleiker eine hochwertige, begrünte Gestaltung des Aussenraums anstelle der üblichen versiegelten Fläche mit normierten Spielgeräten.
«Bitte nochmals prüfen!»
Um ihrer Petition mehr Durchsetzungskraft zu verleihen, hat die Stettbacherin verschiedene Dübendorfer Ortsparteien kontaktiert – in der Hoffnung, dass diese einen entsprechenden politischen Vorstoss lancieren. Eine Gemeinderätin ziehe in Erwägung, diesbezüglich aktiv zu werden, so die Petentin.
Am Mittwochmorgen schliesslich erhielt die Inhaberfirma beziehungsweise die in Wallisellen ansässige Verwalterin der betreffenden Liegenschaft die Petition – zusammen mit der Bitte, «nochmals zu prüfen, ob ein McDonald’s-Restaurant der geeignete Mieter für diesen Standort ist».
Am Mittwochabend dann fand die Übergabe der Unterschriften an den Dübendorfer Stadtpräsidenten André Ingold (SVP) statt. Für eine Stellungnahme hat der Stadtrat nun ein halbes Jahr Zeit. «Bei der Beurteilung von Baugesuchen müssen wir uns an die geltende Bau- und Zonenordnung halten», so Ingold. Es gebe aber schon die eine oder andere «Stellschraube» – etwa in Bezug auf die Aussenraumgestaltung, die Öffnungszeiten oder das Litteringkonzept.
McDonald’s schreibt auf Anfrage, demokratische Instrumente wie etwa eine Petition oder Einwendungen gehörten bei neuen Bauprojekten in der Schweiz zum normalen Prozess. Deshalb stehe man stets im Austausch mit Behörden und Nachbarschaft. Man verstehe, dass Gäste der Waldkantine diesen Treffpunkt in seiner bisherigen Form vermissen würden, so McDonald’s. «Gleichzeitig erhalten wir auch viele positive Rückmeldungen.»