Ein neuer Einbaum für die Gemeinde der alten Einbäume
Seegräben soll Ortssammlung erhalten
Fünf sind bisher unter Seegräbner Boden gefunden worden, nun soll einer über Boden ausgestellt werden: Der Stamm für den neuen Einbaum liegt bereit. So erhält die Gemeinde mit dem Einbaum im Wappen nun ein richtiges Exemplar.
Rund fünf Meter lang und in der Mitte etwa 62 Zentimeter dick: So präsentiert sich der Teil der am 25. Januar gefällten, rund 30 Meter hohen Esche, aus dem nun der erste moderne Seegräbner Einbaum wird. «Ich möchte, dass er mindestens einmal eingewassert wird», sagt Werner Messikommer.
Bäretswiler wirkt in Seegräben
Der Architekt und Hobbyhistoriker hofft, dass der Einbaum zu den Europäischen Tagen des Denkmals am 9. September in der Seegräbner Schifflände in den Pfäffikersee gleiten wird. Bis es so weit ist, steht aber noch einige Arbeit bevor.
Gefragt ist dabei insbesondere der Bäretswiler Förster und Kettensägenkünstler Pascal Sturm. Dessen Objekte stehen inzwischen in mindestens 16 Kantonen, in sechs weiteren europäischen Ländern sowie in Costa Rica. Und in Form eines grossen Bären auch vor dem Bäretswiler Gemeindehaus.
«Erfahrungen in der Produktion eines Einbaums habe ich zwar keine, aber ich habe ein gutes Vorstellungsvermögen und auch schon mehrere Brunnen hergestellt», meint Sturm. Den Unterschied zu einem Trog sieht er vor allem bei der Arbeitszeit. Während er für einen Brunnentrog mit einem halben Tag rechnet, veranschlagt er für den Einbaum schon mal zwei Tage – oder mehr. Da er bis zu den Sommerferien ausgelastet ist, kann er sich den Stamm erst danach vornehmen.
Fund von 1957 als Vorbild
Vor allem der Feinschliff wird aufwendig. In diesem Fall kommt er allerdings eher einer Vergröberung nahe, da die letzten Millimeter Holz mit einem originalgetreuen Beil mit Steinklinge weggeschlagen werden sollen. «Optisch soll der Einbaum möglichst dem Original nahekommen», sagt Messikommer.
Und dieses Original ist ein Einbaum, den ein Namensvetter von ihm, Ernst Messikommer, 1957 aus dem Seegräbner Untergrund gezogen hat. Es war das bislang letzte von fünf Exemplaren, die auf dem Terrain der Pfäffikersee-Gemeinde gefunden wurden.
Zutage gefördert wurde es in der Nähe der Messikommer-Eiche, die an den berühmten Amateurarchäologen Jakob Messikommer erinnert. Dieser entdeckte 1858 die ersten Pfahlbauten bei Robenhausen, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe zählen.
Eine Esche muss es sein
Jener mehrere tausend Jahre alte Einbaum war aus einer Esche geschlagen worden. Deshalb muss es für Werner Messikommer auch jetzt ein solcher Baum sein. Ausfindig gemacht hat diesen Hans Glauser, der im Seegräbner Weiler Ottenhausen einen Forstbetrieb führt.
Im Wäldchen bei Ruetschberg, noch auf Seegräbner Boden, mussten fast 200 Eschen gefällt werden. Alle waren von der Eschenwelke befallen. Diese Pilzkrankheit bewirkt, dass die Bäume von unten her zu faulen beginnen. Für Messikommer ausgewählt hat er die grösste und älteste Esche in diesem Bestand. «Aufgrund der Jahrringe dürfte sie 70 bis 80 Jahre alt sein», meint Glauser.
Das kranke unterste Stück des Stamms hat Glauser abgeschnitten. Der Teil des Stamms für den Einbaum ist einwandfrei. Ausser einem Riss, der mit dem Trocknen des Stamms nun grösser geworden ist. «Vielleicht müssen wir da dann die Teile noch leimen», meint Messikommer. Schliesslich soll ein Spalten des Stamms verhindert werden.
Fürs Museum
Ob der Bootsrumpf – abgesehen von der einen Einwasserung – dicht ist, spielt eigentlich keine grosse Rolle. Denn Werner Messikommer will den Stamm anschliessend im Trockenen lagern. Er soll Teil seiner Sammlung zur Seegräbner Ortsgeschichte werden, die er in der Scheune bei seinem Haus anlegt.

Schon lange trägt er sich mit der Idee einer solchen Ausstellung, die dereinst auch für Führungen zugänglich sein soll. Als Schulpräsident hat er vor rund 30 Jahren bereits das kommunale Lehrmittel «Seegräbner Ordner» initialisiert, das ortsgeschichtliche Themen zum Inhalt hat. Nun trägt er Materialien aus der Römerzeit, dem Mittelalter, aber auch aus der jüngeren Vergangenheit zusammen.
Seegräbens einzigartiges Wappen
Was ihm bisher fehlt, ist ein Einbaum. Dieses Transportmittel der Pfahlbauer war für die Geschichte Seegräbens so prägend, dass es statt eines Wappentiers Eingang ins Ortsemblem gefunden hat. «Seegräben ist die einzige Schweizer Gemeinde, die einen Einbaum im Wappen führt», betont Messikommer.
Mittlerweile ist er auch auf das erste noch erhaltene Zeugnis dieses Wappens gestossen. Und zwar auf der ersten Fahne des 1905 gegründeten Velo-Clubs Seegräben, die sich dieser zum 20-jährigen Bestehen anschaffte.
Greifensee-Einbäume schon vergeben
Auf die Idee mit dem Einbaum kam Messikommer vor zwei Jahren. Damals wurden im Rahmen des kantonalen Projekts «Die Pfahlbauer*in» drei originalgetreue Fortbewegungsmittel der frühen Bewohner der Region in der Silberweide am Greifensee nachgebaut und dann in einer Regatta auch eingesetzt.
In der Silberweide am Greifensee sind 2021 drei Einbäume nachgebaut worden. Video: Simon Grässle
Gerne hätte Messikommer wenigstens eines dieser drei Exemplare nach Seegräben geholt. Allein, alle waren schon vergeben. Und so entwickelte er das kleine Projekt, das nun am Waldrand rund 200 Meter vom Pfäffikersee entfernt realisiert wird.
Spenden und Jubiläumsgeld
Einen Teil der Kosten von 3000 bis 4000 Franken deckt er mit dem Geld, das noch von den 800-Jahr-Feierlichkeiten übrig geblieben ist. 2019 hatte Werner Messikommer diese aus Anlass des runden «Geburtstags» seiner Gemeinde organisiert.
Das übrige Geld will er durch Crowdfunding zusammenbringen, wobei er schon eine namhafte Spendenzusage hat. Und so ist der initiative Pensionär zuversichtlich, dass der jüngste Seegräbner Einbaum bis Anfang September einsatzbereit ist.