Gesellschaft

Ein maximal reduziertes Leben

Wie lebt es sich mit möglichst wenig Besitz? Ein Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehen SRF gibt interessante Einblicke in das Leben von sogenannten Minimalisten. Unter ihnen: der Mönchaltorfer Selim Tolga, der das Ausmisten zum Beruf gemacht hat.

Ein Dokumentarfilm gibt Einblick in seinen aufgeräumten Alltag: Minimalist Selim Tolga aus Mönchaltorf.

Archivbild: Fabio Meier

Ein maximal reduziertes Leben

«Andere nehmen einen Psychiater. Ich nehme einen Aufräum-Coach», sagt Ute Ruf am Anfang des Dokumentarfilms «Weniger ist mehr – minimalistisch leben», der am Donnerstag Abend auf SRF ausgestrahlt wurde. Die pensionierte Lehrerin will ausmisten und hat sich dafür Hilfe von Selim Tolga aus Mönchaltorf geholt. Er hat sich das Aufräumen zum Beruf gemacht und hilft anderen Menschen, Ordnung in ihr ganz persönliches Chaos zu bringen. Sein Ziel formuliert er im SRF-Film so:   «Meine Mission ist es, dass die Leute sich wieder freier fühlen können, ohne Ballast, mit dem Fokus aufs Wesentliche.»

Mehrere Tage verbringt Tolga dafür bei seinen Kundinnen und Kunden zu Hause. Im DOK-Film von Andrea Pfalzgraf begutachtet er mit Ute Ruf jeden Gegenstand, den sie besitzt. Viele werden schliesslich weggegeben oder landen im Abfall.

Nur 64 Gegenstände und kein eigenes Bett

Der Mönchaltorfer Selim Tolga ist Minimalist. Das heisst, er versucht, seinen Besitz zu reduzieren und sich bei jedem Gegenstand, den er besitzt, zu fragen: Was ist mir wichtig, was nicht? Er folgt damit einem weltweiten Trend: Einfacher ist besser. Oder eben: Weniger ist mehr. Der Dokumentarfilm begleitet neben dem Mönchaltorfer Minimalisten, der mittlerweile noch rund 426 Dinge besitzt, zwei weitere Menschen, die sich der Reduktion verschrieben haben.

«Kann ich denn in diesem Ordnungssystem oder in diesem Wahn überhaupt noch sozial kommunizieren?»

Paolo Bianchi, Dozent für Querdenken

Der studierte Elektrotechniker Cédric Waldburger besitzt nur 64 Gegenstände, ist nie länger als drei Nächte an einem Ort und duscht ausschliesslich kalt. Sein ganzer Besitz hat – schön säuberlich aufgereiht – auf einem Hotelbett Platz. Beeindruckend sind auch die Aufnahmen vom 35 Quadratmeter grossen Öko-Minihaus, welches mitsamt seiner Besitzerin, der Baubiologin Tanja Schindler, von Uster in den Kanton Uri umzieht. Mit einem Lastwagen.

Kritische Einordnung des Minimalismus-Trends

Für die kritische Einordnung des Trends «Minimalismus» sorgt im SRF-Dokumentarfilm ein Experte der Zürcher Hochschule der Künste. Paolo Bianchi, Dozent für Querdenken – diese Stelle gibt es wirklich – fragt in die Kamera: «Kann ich denn in diesem Ordnungssystem oder in diesem Wahn überhaupt noch sozial kommunizieren?» Er befürchte, dass es beim Minimalismus-Trend vor allem um Selbstverwirklichung gehe.

«Du hast recht gehabt, Selim.»

Ute Ruf, Kundin

Am Schluss des Films,  der am Freitag Vormittag erneut auf SRF 1 ausgestrahlt wird, lobt Ute Ruf ihren Coach Tolga: « Du hast recht gehabt, Selim. »  Im Arbeitszimmer sind die Ordner und Nippes jetzt farblich geordnet. Von Geschenken, mit denen die pensionierte Lehrerin nie wirklich etwas anfangen konnte, hat sie sich schweren Herzens verabschiedet. Jetzt dominieren leere Flächen statt wilde Papierstapel das Bild. Ute Graf scheint zufrieden. Ihr Aufräum-Coach ebenso.

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