Ein Lebkuchen-Weihnachtsgruss im Frühling
Mit dem Madame-Frigo-Kühlschrank in Fällanden soll die Lebensmittelverschwendung eingedämmt werden. Doch öfters landet dort abgelaufenes Essen, das die Helfer entsorgen müssen.
Es ist eigentlich eine gute Sache: Wer Lebensmittel nicht mehr braucht, kann sie in einem öffentlichen Kühlschrank deponieren. Konsumenten können sich dort rund um die Uhr kostenlos bedienen. So funktioniert das System des gemeinnützigen Vereins Madame Frigo, der Kühlschränke in der ganzen Schweiz verteilt hat (siehe Box). In Fällanden steht das Gerät seit gut zwei Jahren hinter einem kleinen Gebäude neben der Zwicky-Fabrik.
Dort werden allerdings neben geniessbaren auch viele unappetitliche Esswaren hinterlassen, wie ein Augenschein über die letzten Wochen zeigte: braun-grüner Broccoli, Mandarinen mit Schimmelflecken, angebrochenes Tsatsiki oder angeschnittener Käse sowie ein Weihnachtslebkuchen mit persönlicher Grussbotschaft.
Leider schreibt das Lebensmittelgesetz vor, dass wir solche Esswaren entsorgen müssen.
Angela Liotta
Initiantin Madame Frigo in Fällanden
Einige der Produkte haben das Haltbarkeitsdatum überschritten – manche seit Monaten. An einem Tag war hartes Brot im Kühlschrank, und einmal gar lag ein unverpacktes Deodorant auf der hölzernen Ablagefläche darüber.
Vieles landet in der Abfalltonne
Ein Deodorant ist Angela Liotta, die Madame Frigo nach Fällanden geholt hat, zwar noch nicht begegnet, aber abgelaufene Produkte hat sie öfters entdeckt. «Die Leute stellen es mit einer guten Absicht rein. Doch leider schreibt das Lebensmittelgesetz vor, dass wir solche Esswaren entsorgen müssen.»
Auch kein Pardon gebe es bei aufgerissenen Packungen oder Fleisch- sowie Fischprodukten. Diese Sachen wandern laut Liotta ebenfalls in die Abfalltonne. Dies erledigt jeweils ein Asylbewerber aus Fällanden. Für seine Arbeit erhält er eine kleine Entschädigung im Rahmen des Integrationsprogramms. Dreimal pro Woche kontrolliere und reinige er den Kühlschrank. «Es sind nur geringe Mengen, die er wegwerfen muss.» Eine Schätzung dazu könne sie aber nicht abgeben. Liotta musste schon selber ein halbes Dutzend Konserven wegwerfen, die das Haltbarkeitsdatum weit überschritten hatten.
(Im Bild: Kurz nach der Eröffnung des Madame-Frigo-Kühlschranks in Fällanden. Angela Liotta und der Asylbewerber, der ihr beim Unterhalt des Geräts hilft.)
Dem Kühlschrank droht jederzeit die Inspektion eines Lebensmittelkontrolleurs. Man wisse aber nicht, ob schon einer in Fällanden aufgetaucht sei. «Bisher haben wir keine negative Meldung erhalten.»
Es ist aber keineswegs so, dass der Madame-Frigo-Kühlschrank in Fällanden immer etwas zu bieten hat. Bei den Stichproben war einige Male nichts drin. Auch Angela Liotta hat diese Beobachtung gemacht.
Vandalismus und viele Brotgaben
Es sei normal, dass in einer eher kleinen Gemeinde wie Fällanden, wo nicht so viele Leute lebten wie in einer Stadt, weniger Esswaren deponiert würden. Sie habe sich erst kürzlich mit Vertretern des Vereins Madame Frigo getroffen, die dies bestätigt hätten. Anders sei dies beispielsweise in der Stadt Zürich. «Im Quartier Kalkbreite geht offenbar im Stundentakt etwas in den Schrank rein oder raus. Vielleicht kaufen die Leute in Fällanden aber auch umweltbewusster ein.»

Auffallend sei in Fällanden auch, dass viel Brot deponiert werde, sagt Liotta. «Es scheint, dass auch Lebensmittelläden aus der Umgebung mitmachen. Ein gutes Zeichen.»
Zu kämpfen hat das Madame-Frigo-Angebot hingegen ab und an mit Vandalen. Wobei Liotta in diesem Zusammenhang von «Schülerstreichen» spricht. So wurde im Kühlschrank auch schon Feuerwerk gezündet, was entsprechende Schäden verursacht hat. Diese gehen zulasten des Vereins.
Für Angela Liotta ist das Projekt trotz einigen Schwierigkeiten «eine Erfolgsgeschichte», wie sie sagt. «Das Ziel, Food-Waste zu verhindern, ist erreicht.»
Kühlschränke in sechs Oberländer Orten
Der gemeinnützige Verein Madame Frigo mit Sitz in Luzern hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Mittlerweile stehen über 160 Kühlschränke in der Schweiz, die von 600 ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfern betreut werden. Im Oberland stehen Geräte in Illnau-Effretikon, Hinwil, Tann, Uster, Wald und Wetzikon. Der Verein wird von verschiedenen Sponsoren unterstützt. In Fällanden übernimmt die Gemeinde die Kosten für den Strom des Kühlschranks.