Gesellschaft

Vogel des Monats

Ein Flugkünstler und Schauspieler

Jeden Monat rücken wir einen heimischen Vogel ins Licht und erzählen von seinem Lebensraum, seinen besonderen Merkmalen und seiner Bedeutung für Mensch und Natur. Im Mai stellen wir den Kiebitz vor.

Aus einem Hide (Beobachtungshütte) lassen sich Kiebitze auch mal aus der Nähe beobachten, ohne sie zu stören – wie hier im Bird-Life-Naturzentrum Neeracherried.

Foto: Martina Näf

Ein Flugkünstler und Schauspieler

Vogel des Monats

Jeden Monat rücken wir einen heimischen Vogel ins Licht und erzählen von seinem Lebensraum, seinen besonderen Merkmalen und seiner Bedeutung für Mensch und Natur. Im Mai stellen wir den Kiebitz vor.

Der Kiebitz ist die wohl bekannteste Limikolenart bei uns. Limikolen sind auf feuchte, lockere Böden spezialisiert. Auch der Kiebitz braucht solche Lebensräume. Ideal sind für ihn Feuchtwiesen, Moorflächen und
Kulturland mit niedriger Vegetation.

Leider ist der hübsche Vogel bei uns stark gefährdet. Als Bodenbrüter ist er vielen Gefahren ausgesetzt. Neben den tierischen Feinden wie zum Beispiel Fuchs, Marder und Greifvögeln ist er vor allem durch das Verschwinden seines Lebensraums bedroht. Da die Jungvögel bis zur dritten Woche nicht flüchten, sondern sich bei Gefahr einfach ducken, ist die intensive Landwirtschaft für das Brutgeschäft nicht förderlich. Inzwischen gibt es zum Glück einige Schutzmassnahmen wie etwa Schutzzäune, Gelegeschutz (Markierung der Nester), spätere Bewirtschaftung und Projekte wie die Kiebitz-Insel im Grossen Moos im Seeland.

Ein Flugspiel voller Eleganz

Am schönsten zum Beobachten ist die Zeit während der Balz im März. Der Kiebitz vollführt dann seine spektakulären Balzflüge, und wenn man genau hinhört, klingt es, als rufe er seinen Namen: «Kiwitt». Beim Zuschauen der Showeinlage erklärt sich dann auch der lateinische Name Vanellus vanellus, was kleiner Fächer bedeutet und gut seine breiten, runden, aufgefächerten Flügel beschreibt.

Neben dem Talent der Kunstfliegerei ist er auch ein begabter Schauspieler. Hinkend und mit hängenden Flügeln täuscht er eine Verletzung vor und lenkt so den Feind durch das sogenannte Verleiten vom Nest weg. Wenn man einen steppenden Kiebitz sieht, führt er uns nicht etwa einen Tanz vor, sondern wendet ein weiteres Täuschungsmanöver an. Durch das schnelle Trippeln auf den Boden imitiert er Regen, dadurch kommen die Würmer an die Oberfläche.

Zurzeit kann man mit etwas Glück auch junge Kiebitze sehen. Das gelingt am besten aus einer Beobachtungshütte (Hide) heraus, denn in der Zeit der Jungenaufzucht muss man besonders darauf achten, die Vögel nicht zu stören.

Kiebitze am Flachsee.
Seine Flugkünste sind ein besonderes Schauspiel. Beobachtet am Flachsee im Kanton Aargau.

Steckbrief Kiebitz (Vanellus vanellus)

Schwarzes Brustband, weisser Bauch, Rücken metallisch grün, violett glänzend, Federholle am Hinterkopf (beim Männchen länger).

Spannweite: 67 bis 72 Zentimeter.

Nahrung: Insekten, Samen, Würmer.

Brutort: Bodenmulde.

Brut: eine Jahresbrut (bei Verlust oft Ersatzbrut), drei oder vier Eier.

Bei uns: Februar bis November.

Zugverhalten: überwiegend Kurzstreckenzieher (Zugverhalten stark wetterabhängig).

Lebensraum: Feuchtwiesen, Moorflächen, Kulturland (niedrige Vegetation).

Gesang/Ruf: häufigster Ruf «Kiwitt».

Gesang des Kiebitzes zum Anhören auf bird-song.ch.

Martina Näf ist Feldornithologin aus Effretikon und schreibt monatlich über einen heimischen Vogel und seine typischen Merkmale, seinen Lebensraum und seine spannenden Besonderheiten.

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